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Pressespiegel

21Apr

Stormarner Tageblatt vom 21. April 2018

Kreisstadt strotzt vor Kaufkraft. Bei der Nahversorgung ist Bad Oldesloe sehr gut aufgestellt / Quote liegt bei 90 Prozent.

Florian Komossa (GMA) stellte das überarbeitete Einzelhandelsgutachten vor.

Bad Oldesloe. Schnell nochmal in den Supermarkt oder zum Discounter, um etwas zu besorgen – das ist fast im gesamten Oldesloer Stadtgebiet fußläufig in zehn Minuten möglich. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Untersuchung zur Nahversorgung in Bad Oldesloe durch die „Gesellschaft zur Markt- und Absatzforschung“ (GMA) im Auftrag der Stadt. Die GMA hatte 2008 ein Einzelhandelsentwicklungskonzept für die Kreisstadt erstellt. Mittlerweile haben sich aber im Bereich des Lebensmittel- und Drogeriesektors durch den Neubau der Travearkaden mit Rewe, dem Biomarkt „Denn’s“ und dem Budnikowsky-Drogeriemarkt neue Situationen ergeben. Hat Bad Oldesloe nun zu viele Angebote oder zu wenige? Wo gibt es Potenziale und Entwicklungsvarianten?

Da das Einzelhandelsgutachten von 2008 als Leitlinie bei Entscheidungen für zukünftige Einzelhandelsansiedlungen genutzt wird, musste es mit Blick auf die neuen Entwicklungen überarbeitet werden. Florian Komossa von GMA stellte die Ergebnisse im aktuellen Bau- und Planungsausschuss vor. Er skizzierte dabei, dass die Platzansprüche von Supermärkten und Discountern sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht haben. Kam so mancher Discounter früher noch mit 800 Quadratmetern sehr gut aus, sollen es jetzt schon möglichst 1200 oder sogar 1400 m² sein. „Die Gänge werden breiter, die Regalreihen niedriger. Außerdem gilt auch, dass mehr Ware im Geschäft dafür sorgt, dass weniger Lagerfläche benötigt wird. So kann auch schnell eine Lieferung mit einem 40-Tonner pro Woche eingespart werden, was wieder den Verkehr senkt“, so Komossa. Hier könnte also Handlungsbedarf bestehen. Die Kaufkraft in Bad Oldesloe liegt bei 101,4 und damit leicht über dem Bundesdurchschnitt.

Pro Jahr geben die Oldesloer 2063 Euro für Nahrungsmittel aus und 411 Euro für Drogerie- Parfürmerie und Apothekenwaren. Im Marktgebiet umfasst die Kaufkraft insgesamt 77 Millionen Euro pro Jahr für Nahrungs- und Genussmittel und 15,3 Millionen für Drogerie-, Apotheken- und Parfürmeriewaren. Laut Kamossa gelinge es mit dem aktuellen Angebot, jeweils 90 % der Kaufkraft in Bad Oldesloe zu halten. Kurzum: 90 Prozent der Bürger versorgen sich mit den entsprechenden Waren in der Kreisstadt selbst. „Da ist Bad Oldesloe sehr gut aufgestellt“, so Komossa.

Sein Unternehmen rät daher von Neuansiedlungen deutlich ab. „Sowohl bei den Supermärkten als auch bei Discountern ist kein Bedarf für Neuansiedlungen gegeben. Jede weitere Ansiedlung würde nur zu Umverteilungen zwischen den Anbietern führen“, ist sich Komossa sicher. Er empfiehlt allerdings, dass die Discounter Penny in der Bestorstraße, Penny in der Lübecker Straße und Aldi in der Helene-Stöcker-Straße die Möglichkeit bekommen sollten, sich zeitgemäß zu entwickeln, was im Prinzip heißt: Sich deutlich zu vergrößern.

Während das beim Innenstadt-Penny sehr schwierig umzusetzen sein dürfte, wäre das bei den beiden anderen Discountern technisch möglich, wenn die Baupläne oder Bauvorhaben entsprechend genehmigt werden. „Ich finde das Fazit des Gutachtens mau. Davon habe ich mir mehr versprochen. Ich erfahre nichts darüber, wie mögliche Umverteilungen aussehen können. Welchen Einfluss hat das auf die Innenstadt?“, fragte Hans-Herrmann Roden (SPD). Auch Jannik Strey (SPD) war skeptisch: „Kann man denn ausschließen, dass vergrößerte Discounter nicht ihr Angebot so umstellen, dass sie damit dem Angebot in der Innenstadt nicht schaden?“, fragte er. Die Sozialdemokraten fragten sich, ob wirklich im Sinne der Stadt argumentiert werde oder mit Blick auf die Bedürfnisse der Discounterbetreiber.

„Bei Neuansiedlungen sehe ich das Problem, bei Vergrößerungen tritt es eigentlich nicht auf“, erklärte Komossa. Gerade die erwähnten Discounter hätten ein eher festes Sortiment, das sie – abgesehen von Wochensonderangeboten – auch gar nicht verändern wollen. „Wir sollten hier jetzt keine Kirchturmdiskussion führen. Wir sind nicht nur für die Innenstadt, sondern auch für das Umland zuständig. Wir dürfen solche Unternehmen nicht bei ihrer Entwicklung und Modernisierung aufhalten“, fand hingegen Matthias Rohde (FBO). „Die Modernisierungen machen durchaus Sinn. Das sieht man ja schon, wenn man die alte und die neue Aldifiliale im Stadtgebiet vergleicht. Es spricht nichts dagegen, diese Erweiterungen und Umbauten zuzulassen“, sagt Wilfried Janson (Die Grünen). Dem stimmte auch Uwe Rädisch (CDU) zu.

Mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung der SPD wurde schließlich beschlossen, dass die Empfehlung der GMA, die Erweiterungen und Modernisierung zuzulassen, mit in die aktualisierte Leitlinie aufgenommen wird.

Patrick Niemeier