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Pressespiegel

14Feb

Stormarner Tageblatt vom 14. Februar 2018

Der Asphalt gibt nach. Experte: Alle untersuchten Wirtschaftswege müssen grundlegend erneuert werden.

Der Bau- und Planungsausschuss tagte im Kub-Saal. nie

Bad Oldesloe. Das Thema Sanierung von Wirtschaftswegen in ländlichen Gebieten beschäftigt seit Monaten die Oldesloer Verwaltung, Lokalpolitik und viele Anwohner. Konkret geht es um die Strecken Seefeld – Sühlen, Seefeld – Havighorst, Schadehorn – Niendeel, Schadehorn – Niendeel und den Schäperbarg.

Das Bauamt der Stadt hatte nach Ortsterminen die Einschätzung geäußert, dass grundlegende Instandsetzung notwendig sei. Die Mängelliste ist lang: Es gibt Schlaglöcher, Netzrisse, an den Straßenrändern bröckelt der Asphalt teilweise komplett ab, und manche Bereiche sind eine echte Huppelpiste. In früheren Sitzungen und bei den Ortsterminen hatten sich betroffene Anwohner – die nach gegenwärtigem Stand der Straßenbeitragssatzung deutlich mit zur Kasse gebeten würden – erbost gezeigt.

Manche betonten, die Straßen seien gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht, dann aber als Durchgangsstraßen missbraucht worden, vor allem waren die Betroffenen der Meinung, aufgrund regelmäßiger Sanierungsmaßnahmen müssten die Straßen jetzt nicht grundlegend erneuert werden. Kurzum: Sie müssten für Fehler der Verwaltung zahlen.

Auf der gut besuchten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses war Aufklärungsarbeit angesagt: Die Stadtverwaltung hatte einen Experten in Sachen Asphalt eingeladen, der auch Bohrkernproben aus den betroffenen Straßen entnommen hatte.

Olaf Heinrichs, Diplom-Ingenieur, beim Asphalt-Labor Wahlstedt tätig, referiert im gut gefüllten Kub-Saal über den Zustand der Wirtschaftswege. „Alle untersuchten Wirtschaftswege müssen grundlegend erneuert werden. Das ist unausweichlich und auch nicht ungewöhnlich“, stellt Heinrichs kalr. Eine solche Straße könne ungefähr 40 bis 50 Jahre halten, im Schnitt seien diese Straßen circa 47 Jahre alt und in keinem guten Zustand. „Da hätte man eher schon vor fünf Jahren grundlegend tätig werden müssen, als es jetzt aufzuschieben“, spricht Heinrichs klare Worte.

Die Auffassung, dass Sanierungsstau zu dem jetzigen schlechten Zustand geführt habe und somit die Stadtverwaltung unter dem ehemaligen Bürgermeister Tassilo von Bary die Schuld am Zustand trage, widerlegte er. „Ja, man hätte vielleicht die Oberfläche besser pflegen können, kosmetische Eingriffe, damit die Straße noch eine Weile etwas besser zu befahren gewesen wäre, aber am Zustand des Bitumen hätte das nichts geändert, der verliert über die Jahr die Elastizität und muss dann ersetzt werden. Das ist hier der Fall. Und: Angesichts des Alters der Wirtschaftswege auch nicht erstaunlich“, so Heinrichs. Auch dürfe man nicht vergessen, dass die Zeiten sich verändert hätten. Während 1965 von einer Achslast von fünf Tonnen bei großen Fahrzeugen wie Traktoren oder Transportern ausgegangen wurde, liege diese Last mittlerweile bei 10 Tonnen. Eine Verdopplung dieser Last bedeute aber physikalisch für den Asphalt die fünfzigfache Belastung. Außerdem seien die Straßen nicht breit genug. Auch darüber müsse bei den grundlegenden Sanierungen nachgedacht werden. „Es wäre geschickt, gleich zu schauen, wo man die Straßen breiter machen könnte oder Haltebuchten für entgegenkommenden Verkehr einrichten kann“, so Heinrichs.

Das Argument, Außenstraßen seien bei ihrem Bau nur für Wirtschaftsfahrzeuge gedacht gewesen, greife nicht. „Alle Dörfer und Siedlungen müssen ganzjährig erreichbar sein. Und die Verkehrssicherheit muss auf all diesen Straßen bestehen. Außerdem sollen diese ländlichen Straßen auch den Freizeit- und Erholungswert der Oldesloer Bevölkerung erhöhen, also auch durch diese nutzbar sein“, so Heinrichs.

Noch ein weiterer Vortrag beleuchtete das heikle Asphalt-Thema in dieser Sitzung. Im Blick: das sogenannte Pavement-Management-System. Diese Art eines elektronischen Straßenkatasters wird seit 2008 durch die Firma GSA mit Daten gefüttert, die sich vor allem mit dem oberflächlichen Zustand der Straßen in der Kreisstadt beschäftigt. Das System empfiehlt dann regelmäßig, wann prophylaktische Maßnahmen an bestimmten Straßen ergriffen werden sollten. Die Entscheidung darüber liegt dann dem Bauamt der Stadt.

„Ich hatte mir von dem System mehr versprochen. Es sagt ja gar nichts über den wahren Gesamtzustand der Straße aus. Ich dachte, man klickt auf einen Straßennamen und bekommt alle Infos wie zum Beispiel wann sie gebaut wurde oder wie oft saniert“, zeigte sich Friedrich-Karl Kümmel (FBO) enttäuscht. „Man hat uns das immer so verkauft, als ob das verlässliche Fakten wären. Jetzt ist es dann ja nur Willkür, welche Straße dann durch das Bauamt tatsächlich saniert wird. Die Argumentation, dass das Pavement etwas vorgeschlagen hat und wir daher tätig werden müssen, wurde hier vom Tisch gewischt“, sagt Matthias Rohde (FBO). „Ich denke, dass es ein Hilfsmittel ist, das Empfehlungen ausgibt, so wie wir es im Vortrag gehört haben. Und das ist doch auch in Ordnung. Als solches war es auch bezeichnet worden,“, wollte Lajoscha Rausch (CDU) diese Diskussion nicht aufkommen lassen.

Patrick Niemeier