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Pressespiegel

04Nov

Stormarner Tageblatt vom 4. November 2017

Stormarner Wochenschau

KARIKATUR: MEGI BALZER

Alles fängt mal klein an

Kleinod Na toll, jetzt ist der Kurpark also gesperrt. Nachwirkungen von Sturm „Herwart“. Gefühlt war der doch gar nicht so heftig. Egal, die Lage im Kurpark ist wirklich gefährlich – da sollte sich jeder an die Sperrung halten, auch wenn der Park eine wichtige fußläufige, innerstädtische Verbindungsachse ist. Aber für die Zukunft muss es besser werden!

Unsere Karikaturistin Megi Balzer hat da schon mal etwas vorbereitet. Weg mit dem ganzen gammeligen Gehölz und stattdessen werden dort Bonsai-Bäume gepflanzt. Das bietet eine ganze Reihe von Vorteilen. Was auf der Hand liegt: Die Gefahr bei Sturm tendiert gegen Null. Problem gelöst. Zweitens: Die leidigen Krähen hätten nichts mehr, wo sie ihre Nester bauen könnten. Kein Gekrächze mehr, kein Vogelkot, kein schwarzer Himmel, wenn die ihre Runde drehen. Jubel von den Bewohnern der Vogel-Baum-Siedlung ist dem Vorschlag sicher. Der Marketing-Effekt wird gigantisch sein – wir sind bei drittens. Mit einem Bonsai-Park hätte Oldesloe endlich eine echte Attraktion aufzuweisen. Weg von diesem alten Kurbad-Gammel hin zu den schönen, geistigen Attraktionen. Anstelle des ehemaligen Kurpark-Pavillons errichten wir ein asiatisches Teehaus, Kois im Salzteich – die Besucher werden in Scharen strömen. Der Bonsai-Park ist nur ein Steinwurf vom Bahnhof entfernt, es gibt Parkhäuser in der Nähe und Wassersportler können über die Beste anreisen. Besser geht es nicht.

Großer Mist „Alle reden vom Wetter. Wir nicht!“, lautete mal ein Werbeslogan der Bahn. Lang ist’s her. Mittlerweile ist fast das Gegenteil der Fall: Keiner redet mehr über das Wetter, aber die Bahn macht trotzdem negative Schlagzeilen. Dass mal ein Zug nach einem Sturm nicht fährt ... geschenkt. Aber inzwischen scheint es ja ein Automatismus zu sein: Es wird Windstärke acht erwartet, da stellen wir lieber den Betrieb ein. Tagelang! Offenbar hat bei der Bahn noch nie jemand etwas von Verkehrssicherheit gehört. Klar ist die Pflege des Gleisumfelds mit Aufwand verbunden. Der kostet vermutlich sogar richtig viel Geld. Das hat sich die Bahn wohl gespart. Und die Kunden dürfen die Zeche zahlen. Sie haben ja auch keine Alternative, wenn man vom Rückstieg aufs Auto mal absieht.

Das Gerede, dass derartige Pflegemaßnahmen nicht so einfach seien, wie Laien sich das vorstellen, ist doch nichts als eine faule Ausrede. Jeder Privatmann wird sofort belangt – und das zurecht – wenn die Hecke auf den Gehsteig wuchert oder Äste vom Gartenbaum auf Verkehrsteilnehmer fallen. Und ausgerechnet ein Großkonzern bekommt das nicht in den Griff?

Mehr geht nicht So, so, die Stadtinfo im Oldesloer Kub könnte also viel mehr machen. Und warum sollte sie? Im städtischen Haushalt klafft ein Millionenloch und Bürgermeister Jörg Lembke wetzt bereits die Messer, um Projekte und Stellen über die Klinge springen zu lassen. Der Neubau eines Waldorf-Kindergartens sei da nur als ein Beispiel genannt. Kitaplätze sind eine städtische Pflichtaufgabe, Stadtinfo ist es nicht. Da ist hoffentlich klar, wo die Prioritäten zu setzen sind. Wenn jemand ernsthaft glaubt, Oldesloe habe eine touristische Zukunft und brauche dazu eine derartige Anlaufstelle, soll er auch darlegen, wie sie finanziert werden soll. Andernorts machen das beispielsweise Fremdenverkehrsvereine. Da dürfte sich die Stadt gerne einbringen, aber sicher nicht als alleiniger Finanzier.

Andreas Olbertz