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Pressespiegel

14Okt

Stormarner Tageblatt vom 14. Oktober 2017

St. Jürgen: Tafelsilber wird verkauft. Insolvenzverwalter veranlasst Veräußerung der vielen Grundstücke / Zukunft der Stiftung hängt von Verkaufserlösen ab.

Das Gebäudeensemble von St. Jürgen am Kirchberg in Bad Oldesloe ist bereits verkauft. Olbertz

Bad OLdesloe. Jetzt wird Kasse gemacht und es geht an die Substanz der Stiftung St. Jürgen. Bekanntlich musste der Vorstand der traditionsreichen Stiftung Insolvenz anmelden, als die Verluste des Heimbetriebs immer größer wurden, Geld fehlte, um dringende Brandschutzmaßnahmen umzusetzen und letztlich die Stadt den Heimbetrieb untersagte.

Das Herz der Stiftung, das Gebäude-Ensemble am Kirchberg, hat Insolvenzverwalter Dr. Tjark Thies verkauft (wir berichteten). „Durch den positiven Verlauf des Bieterprozesses verblieb nach Ablösung der Grundschulden für die Insolvenzmasse und somit für die übrigen Gläubiger ein namhafter Betrag“, teilte er jetzt in einer Pressemitteilung mit. Im Klartext bedeutet das, die Sparkasse, deren Forderungen grundbuchlich gesichert waren, hat ihr Geld schon bekommen. Für alle anderen besteht Hoffnung.

Der Stiftung gehören aber über den Kirchberg hinaus noch jede Menge weitere Grundstücke überall im Stadtgebiet. Eine Tabelle vom September 2008 listet Immobilien mit einer Gesamtfläche von gut 430 000 Quadratmetern auf. Der Insolvenzverwalter hat Armin Baghai von der SIG mit dem Verkauf beauftragt. Dieser Weg sei nach eingehender Prüfung der Handlungsmöglichkeiten und mit einhelliger Zustimmung einer Vielzahl von Verfahrensbeteiligten beschlossen worden.

„Die Kaufpreise unterliegen erheblichen Unsicherheiten, da es sich teilweise um recht außergewöhnliche Grundstücke handelt“, so Dr. Thies. Zum Tafelsilber der Stiftung gehören zahlreiche verpachtete Ackerflächen, Grundstücke und Häuser „Am Brennermoor“ oder am Rümpeler Weg, die „mit langfristigen Erbbaurechten“ belastet sind, eine Tankstelle und auch Kleingartenanlagen wie die an der Industriestraße oder beim Steinfelder Redder.

Was heißt das für die Gläubiger und die Zukunft der Stiftung? Insolvenzverwalter Dr. Thies: „Sofern der Verkauf nicht am unteren Ende meines Erwartungshorizonts verläuft, wird ein Stiftungsvermögen verbleiben, das eine Fortsetzung der Stiftung ermöglicht.“ Was an Geld übrig bliebe, müsste neu angelegt werden, um den dauerhaften Erhalt der Stiftung zu sichern, aber dann könnte mit den Erlösen gearbeitet werden.

Es könnte aber auch anders ausgehen. „Sofern die Kaufpreise niedriger ausfallen, käme es zum gewöhnlichen Abschluss eines Insolvenzverfahrens, das heißt einer quotalen Ausschüttung der Verwertungserlöse an die Gläubiger“, so der Anwalt. Ohne neue Stiftungsmittel würde das das Ende von St. Jürgen bedeuten. Andreas Olbertz