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Pressespiegel

07Okt

Lübecker Nachrichten vom 7. Oktober 2017

Zoff im Bauausschuss um geplanten Kreisverkehr. Neues Verkehrsprojekt am Stadteingang Süd stößt auf viel Kritik.

Wenn der geplante Kreisverkehr fertig gestellt ist, soll der gesamte Busverkehr darüber abgewickelt werden.

Am südlichen Stadteingang soll der neue Kreisverkehr ab Frühjahr/Sommer 2018 gebaut werden. Das Eutiner Ingenieurbüro Höger und Partner hatte den Politikern Mitte September im Bau- und Planungsausschuss einen ersten Plan des neuen Rundverkehrs vorgestellt. Das Vorhaben schlug in der Stadt ein wie eine Bombe. Zahlreiche Bürger beschwerten sich nach der Berichterstattung per Leserbrief oder auf der Facebook-Seite der Lübecker Nachrichten. über das Verkehrsprojekt. „Da dieses Thema viele interessiert, habe ich es nochmal auf die Tagesordnung genommen. Ich hoffe, das führt zu einer Versachlichung und klärt Fragen“, sagte Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) bei der Sitzung am Donnerstag.

„Was soll der ominöse Kreisel denn kosten? Mit welcher Förderung ist zu rechnen? Wie hoch ist der Eigenanteil? Wie stehen die Vertreter der Parteien zu diesem sinnfreien Verkehrskreisel?“ Manfred Lieder meldete sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort und hatte einen ganzen Fragenkatalog vorbereitet. Ein anderer Oldesloer wollte wissen, was mit den Parkplätzen in der Mommsenstraße geschehe, wenn die Straße in beide Richtungen befahren wird.

Zunächst erläuterte Bauamtsleiter Thilo Scheuber die Idee hinter dem Verkehrsprojekt Kreisel. „Der südliche Stadteingang ist eine Teilmaßnahme des Förderungsprogramms Stadtumbau West.“ Der Verkehrsknotenpunkt solle geschaffen werden, um den Busverkehr zu entlasten. Sämtliche 200 Busse, die täglich zum Bahnhof und zurück fahren, sollten künftig über die Mommsenstraße und den Kreisel abgewickelt werden.

Zur Preissituation sagte Scheuber: „Die Gesamtkosten liegen bei 850 000 Euro. Zehn Prozent sind nicht förderfähig, 90 Prozent der förderfähigen Kosten werden gedrittelt.“ Mit jeweils einem Drittel beteiligten sich Bund und Land, ein Drittel trage die Stadt. „Der städtische Anteil für den Kreisel beträgt 300000 Euro“, summierte Ausschussvorsitzende Herrmann. „Nicht schlecht, Herr Specht, für eine Stadt, die kein Geld hat“, meinte dazu Lieder und fügte hinzu: „Wenn es Probleme mit kontaminiertem Boden oder von unten drückendem Wasser gibt, wird die Stadt nicht mit 300000 Euro auskommen.“

Die Parkplätze entfielen, informierte der Bauamtsleiter. 20 bis 25 Stellplätze weniger - obwohl im Bereich Bahnhof Parkplatzmangel herrsche, das missfiel Matthias Rohde (FBO). „Aber nicht nur wegen der Parkplätze. Was da an Steuergeldern in die Hand genommen werden soll, halten wir nicht für angemessen. Wir wollen den Kreisel nicht in dieser Form haben.“ Parteikollege Friedrich-Karl Kümmel:

„Für mich ist das eine halbgare Lösung. Der Tunnel ist viel zu schmal, er müsste mit einbezogen werden.“ In Sachen Tunnel sei die Stadt nicht Herr des Verfahrens, dieser gehöre zur Bahn, sagte Scheuber und ergänzte: „Sollten Sie sich in fünf Jahren für das Projekt entscheiden, müssen Sie die Kosten allein tragen. Dann gibt es nämlich keine Förderung mehr.“

Wilfried Janson (Grüne) zeigte sich vom Kreisverkehr überzeugt: Für Radfahrer ist ein Kreisel eine super Sache, für den Busverkehr ist er eine wesentliche Entlastung. Ich denke, der Kreisel ist begründet und sinnvoll.“ Maria Herrmann (SPD): „Ich habe eine gewisse Skepsis. Es gibt gute Argumente, aber ich würde mir gerne weitere Planungen vorlegen lassen.“ Unter anderem sei zu prüfen, ob eine Ampelregelung eine Alternative sei. Uwe Rädisch (CDU) sprach sich für den Kreisverkehr aus. „Weil wir die Fördermaßnahmen des Programms in Gänze in Anspruch nehmen wollen. Wir haben dabei auch die Sanierung der Fußgängerzone auf der Agenda. Wenn wir dieses Projekt ablehnen, gefährden wir alle anderen Maßnahmen von Stadtumbau West auch.“

Der Oldesloer Reinhard Kamin kann sich dennoch nicht mit dem Kreisel anfreunden. „Ich fahre seit Jahrzehnten jeden Tag vom Schanzenbarg zum Sülzberg. Ich stand dort noch nie im Stau. Für mich ist das der größte Blödsinn des Jahrhunderts.“ „Vielleicht ja ein Fall für einen Bürgerentscheid“, meinte Manfred Lieder.