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Pressespiegel

17Sep

Stormarner Tageblatt vom 18. September 2017

Abriss-Ärger – „Ich will das Ding einfach nur noch einstampfen“. Eigentümerin sauer: Sie darf das Grundstück nicht neu bebauen und auch nicht das Haus plattmachen – und nun?

Optisch in keinem guten Zustand und mit Rissen versehen – das umstrittene Gebäude.Niemeier

Bad Oldesloe. Anja Riepert ist verärgert, sehr verärgert. „Es ist mein Haus, es steht auf meinem Grundstück, es ist unbewohnbar und baufällig. Das sieht jeder“, schimpft die Oldesloerin. Seit einigen Jahren steht das Haus in der Lübecker Straße leer, das sie erbte und hinter dem sie schon vor dem Erbe ein eigenes Haus mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern gebaut hatte. Dass das Gebäude nicht einfach in Stand zu halten ist, wurde ihr schnell klar und dass sie sich das in Sachen Kraft und Finanzkraft nicht leisten kann, auch. So entstand schnell der Gedanke, das Haus abzureißen – zum Teil in Eigenleistung, zum Teil durch Profis.

Im Dezember 2016 fuhr eine Autofahrerin in die Fassade des Gebäudes und beschädigte es zusätzlich. Einsatzkräfte vor Ort machten sich Sorgen um die Standsicherheit des Gebäudes und zogen Experten zu rate. „Das THW meinte eindeutig zu mir, dass das Haus langfristig nicht zu halten sei“, so Riepert.

Der Unfall führte zu einem Rechtsstreit, denn durch den zusätzlichen Schaden entstanden Riepert erneut Kosten. „Auf denen bin ich bis heute komplett sitzengeblieben. Die Unfallfahrerin hat sich nicht mal entschuldigt. Geld ist da wohl sowieso nicht zu holen. Die Versicherung fühlt sich anscheinend ebenfalls nicht in der Pflicht.“ Schnell sei von offizieller Seite Druck entstanden, das Gebäude zügig abzureißen, behauptet die Eigentümerin. Nun, nachdem aus Rieperts Sicht alles in die Wege geleitet sei, wurde ihr genau das untersagt. Ein Umstand, den die Hausbesitzerin nicht verstehen kann. „Ich darf das Grundstück nach dem Bauplan nicht neu bebauen, das wusste ich schon. Aber nun darf ich auch nicht abreißen? Ich habe schon genug Ärger und Kosten damit, ich will das nur noch einstampfen“, sagt sie.

Im nicht-öffentlichen Teil des Bau- und Planungsausschusses wurde ihr Abrissantrag diskutiert und abgelehnt. „Man hat mir mitgeteilt, dass, wenn ich trotzdem einfach abreiße, das eine Straftat wäre“, erklärt Riepert.

Maria Herrmann, Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses, bezieht zu dem Fall Stellung: „Wir haben eine Erhaltungssatzung und in diesem Fall geht es um die Erhaltung eines bestimmten Charakters dieser Straße. Fällt der weg, wenn ein Haus abgerissen wird?“, so Herrmann. Darüber habe der Ausschuss entschieden. Aus ihrer Privatmeinung macht sie keinen Hehl: „An dieser Stelle darf nicht mehr gebaut werden. Das heißt, dass dort mit einem Abriss Wohnraum vernichtet wird. Sollte es eine Chance geben, das Gebäude zu retten, sollte man das tun. Im Prinzip ist der Fehler doch, dass das Haus überhaupt so verkommen konnte.“

Wilfried Janson von den Grünen sieht es ähnlich: „Wenn es geht, sollte man Gebäude und Wohnraum immer erhalten. Vielleicht findet sich ja ein Käufer, der sich um die Immobilie kümmert“, sagt er. Die FBO hat sich nicht auf eine „gemeinsame Einstellung dazu“ einigen können. „Es gibt die Erhaltungssatzung. In diesem Fall kann ich also nur für mich sprechen und für mich ist das eine Privatsache in der abgewogen werden muss, was wichtiger ist, das Interesse der Stadt oder der Besitzerin. Es soll jetzt ja dazu wohl auch einen Termin geben und dann wird man weitersehen“, sagt Matthias Rohde (FBO).

„Für unsere Partei ist das Haus vom Eindruck her als abgängig zu bezeichnen. Von unserer Seite aus könnte es also abgerissen werden“, mein Uwe Rädisch (CDU).

P. Niemeier