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Pressespiegel

28Jul

Stormarner Tageblatt vom 28. Juli 2017

Kino wieder ein Erlebnisort. Oho startet mit Filmvorführungen in die Sommerferien / Große „Eröffnungswoche“ Ende August geplant.

Kinobetreiber Heinz Wittern (mi.) mit seinem Vermieter Ugur Ünnü (li.) und Teilhaber Martin Domian im neugestalteten Foyer.

Bad Oldesloe. Einige haben wohl nicht mehr damit gerechnet. Fast genau zwei Jahre nach der Schließung hat das Oho-Kino an der Hamburger Straße wieder geöffnet. Ursprünglich sollte es nur eine Sommerpause werden, die sich dann aber immer länger hinzog und in einer Insolvenz mündete. Auch als das Objekt an einen Investor verkauft wurde und Kinobetreiber Heinz Wittern einen Pachtvertrag bekommen hatte, zog sich die Wiedereröffnung immer weiter hinaus. Das war ein gefundenes Fressen für die Gerüchteküche, aber jetzt sind allen Zweifeln die Grundlage entzogen: Das Kino ist geöffnet.

Zuerst nur mit einem Film, aber ab sofort auch wieder in allen drei Sälen mit vollem Programm: „Minions“, „Das Pubertier“ und den hochgelobten „Dunkirk“ als Bundesstart. Mit „Planet der Affen“ ist der nächste Kracher schon in der Pipeline. Eine große „Eröffnungswoche“ ist Ende August geplant. Ab Herbst sollen dann – auch mit Partner zusammen – Filmreihen angeboten und ein eigener Kinoclub gegründet werden.

„Hier fehlt noch ein Wasserhahn und dies und das auch noch, aber wir können Filme zeigen“, sagt ein erleichtert wirkender Heinz Wittern: „Ein paar Kinderkrankheiten müssen wir noch weg kriegen.“ Die Homepage läuft noch nicht, das neue Monitorsystem streikt bislang, der Antrag auf eine Schanklizenz liegt bei der Stadt und wartet auf Genehmigung. Aber der Duft von frischem Popcorn zieht durch die Räume – was wollen Kinofans mehr?

„Ich habe wahnsinniges Glück gehabt“, ist ein Satz, den Heinz Wittern immer wieder sagt. Natürlich nicht zu Beginn der Krise. Nach privaten Problemen und der zu späten Digitalisierung war eigentlich geplant, das Hotel komplett an die Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingen zu verpachten. Dann hätte sich Wittern voll auf das Kino konzentrieren können und Einnahmen gehabt, um sie ins Oho zu investieren. Doch daraus wurde nichts. Nach langem Hin und Her entschied sich die Stadt anders. Das bedeutete das Ende des alten Oho-Kinos.

Die Glückssträhne begann dann mit der Maklerin. Heinz Wittern: „Eigentlich ist es so, dass solche Objekte einfach verkloppt werden.“ Nicht mit Nicole Göbel. Die Bargteheiderin war regelmäßiger Gast im Oho-Kino, hat dort gewissermaßen ihre Jugend verbracht, und wollte unbedingt, dass es als Kino mit Heinz Wittern erhalten bleibt.

Mit Ugur Ünnü fand sie tatsächlich einen passenden Interessenten. Der Hamburger Taxiunternehmer kaufte zusammen mit einem Partner Hotel und Kino. „Eigentlich haben wir ein Objekt zum Investieren gesucht“, erzählt Ünnü, „und dann haben wir Heinz Wittern und das Kino kennengelernt.“ Da verschob sich die Priorität. „Das Kino ist wichtiger als das Hotel“, sagt Ünnü: „Ich habe Kinder, die finden es auch gut, dass Papa jetzt ein Kino hat und Kultur fördert.“

Ein Interessent wollte das Hotel pachten, um dort Flüchtlinge einzuquartieren. Auch eine rumänische Firma hätte es gerne für ihre Mitarbeiter übernommen. Alles haben die beiden Investoren abgelehnt. Ugur Ünnü: „Wir haben eine Familie, die es als Hotel führen will.“ Der Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, Details müssten noch ausgehandelt werden, aber Ünnü geht davon aus, dass ab November die ersten Weihnachtsfeiern im Oldesloer Hof ausgerichtet werden können. „Mit den Vermietern habe ich wahnsinniges Glück“, sagt Heinz Wittern.

Noch so ein Glücksfall ist Martin Domian – ein alter Kumpel von Wittern. Der Zufall hat die beiden vor Jahrzehnten zusammengeführt. Seine ersten Schritte in der Kinobranche machte Wittern seinerzeit für die Lübecker Familie Kieft – die Gründer der Cinestar-Kette. „Während meines Studiums habe ich auch für Kieft gearbeitet“ blickt Domian zurück: „Eines Tages hieß es: Fahr doch mal in Oldesloe vorbei.“ So begann die Freundschaft mit Heinz Wittern.

Martin Domian schrieb die erste Ticketsoftware auf Windows-Basis, und das Oho war das erste Kino, in dem sie zum Einsatz kam. Sein ehemaliges Unternehmen Compeso wurde zu einem ganz Großen der Branche, das Programm ist noch heute europaweit im Einsatz. Martin Domian ist inzwischen „nur noch“ Geschäftsführer eines Software-Unternehmens im Bereich Zutritt- und Ticketsysteme. Das eröffne ihm die Möglichkeit, sich auch Herzensprojekten zu widmen.

Dem Oldesloer Kino zum Beispiel. Investor will er nicht genannt werden. Domian: „Ich habe ein paar Unternehmer zusammengekratzt, die dem Kino einen Kredit geben.“ Man habe eine Betreibergesellschaft gegründet, um das Ganze auf solide Füße zu stellen. „Kino ist keine Cashcow zum Abspielen von Blockbustern“, beschreibt er seine Philosophie: „sondern ein Erlebnisort, den man mit Freunden teilt.“ Er verspricht: „Wir haben eine ganze Schublade voller Ideen. In den nächsten fünf Jahren wird es hier noch die eine oder andere Überraschung geben.“ Andreas Olbertz