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Pressespiegel

21Jul

Lübecker Nachrichten vom 21. Juli 2017

"Ich möchte, dass die Politik zu Potte kommt". Wolfgang Mier will sein Rad überdacht und sicher am Bahnhof abstellen.

Wolfgang Mier schließt sein Rad ein. Er ist sich sicher, dass nicht alle Boxen genutzt werden, weil das Kraut an einigen Türen sehr hoch wächst.

Von Dorothea von Dahlen

Die Grasschere konnte Wolfgang Mier gestern stecken lassen. Nachdem er auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung moniert hatte, dass die Fahrradboxen an den Gleisen 4 und 5 regelmäßig zuwachsen, wurde das Kraut derweil gemäht. Damit hat sich aber nur ein Bruchteil dessen erfüllt, was sich der Oldesloer Pendler von einem ordentlichen Parkplatz für sein Rad verspricht.

„Ich möchte, dass die Politik endlich zu Potte kommt mit der Planung einer sicher abschließbaren Fahrradparkanlage, die überdacht ist und Licht hat“, sagt der 63-Jährige. Er sperrt eine der 78 blauen Boxen auf, die er gemietet hat. Außer der Schere bewahrt Mier auch einen Schneeschieber darin auf. Mit der Box an sich ist er eigentlich zufrieden. „Nur wenn es von oben schüttet und ich lege hier im Freien mein Regenzeug ab, werde ich klitschnass“, erzählt Mier. Für den Oldesloer, der täglich mit der Bahn nach Hamburg pendelt, wäre eine eingehauste Lösung für das Parkproblem am Bahnhof ideal.

Eine vollautomatische Anlage, die alle Räder per Knopfdruck auf mehreren Etagen lagert, muss es nach seinem Dafürhalten gar nicht sein. Ein aus Modulen bestehendes System, das an die örtlichen Gegebenheiten an Bahnhöfen anpassen lässt, so wie es die der Nahverkehrsverband (Nah.SH) unlängst vorgestellt hat, würde ihm persönlich reichen. „Ich bin schon für Leuchtturmprojekte, aber meines Erachtens ist ein automatisches Radhaus zu teuer und störanfällig“, sagt Mier. Im Übrigen gebe es keinen Grund, in die Höhe zu bauen. Am Bahnhof zwischen den Gleisen sei so viel Platz, dass Räder gut ebenerdig untergebracht werden könnten. Insofern hofft Mier, dass aus dem Parkproblem am Bahnhof keine unendliche Geschichte wird.

Sicher ist schon, dass das Thema nach der Sommerpause wieder auf den Tisch kommt und dafür gibt es mehrere Gründe. Im Herbst muss die Politik endgültig entscheiden, welchen Weg sie gehen will: den Bau des Radhauses weiter vorantreiben und dafür den auf 645000 Euro lastenden Sperrvermerk aufheben oder in die gemeinhin für günstiger befundene Planung der Nah.SH-Variante einzusteigen.

Von außen drängen einige Sachzwänge. Wie Bürgermeister Jörg Lembke gegenüber den Stadtverordneten ausgeführt hatte, macht der Fördermittelgeber Druck. Sollte das Radhaus nicht in die Ausführungsplanung gehen, muss die Stadt bis zum 30. September etwas über die Hälfte des bereits gezahlten Zuschusses von insgesamt 60000 Euro zurückzahlen. Bislang seien erst die Leistungsphasen 1 bis vier erbracht worden. Rund 33000 Euro fordert das Land demnach zurück.

Fristen existieren aber auch, sollte sich die Politik für die analoge Schließanlage entscheiden. Denn laut Bauamtsleiter Thilo Scheuber lassen sich die bereits fertigen Planungsunterlagen nicht für das neue Projekt nutzen, so dass neu begonnen werden muss. „Was gleich bleibt, ist sicher die Befestigung des Umfeldes und die Beleuchtung der Anlage“, sagt er.

Immerhin hat die Nah.SH Zuschüsse von 75 Prozent der förderfähigen Kosten in Aussicht gestellt. Die Stadt darf die Stellplätze später vermieten. „Aber keinen Gewinn machen“, zitiert Wolfgang Mier die Vertreter des Na.SH und kritisiert, dass die Gewinnzone mit den zehn Euro, die er nun schon seit 2009 monatlich für die blaue Box zahle, schon längst erreicht sei.