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Pressespiegel

24Jul

Stormarner Tageblatt vom 24. Juli 2017

Erdgastanke macht weiter dickes Minus. Anlage sollte nach zwei Jahren rentabel sein, kostet aber 40000 Euro Miese.

So lange die Zahl der Erdgas-Fahrzeuge gering ist bleibt die Tanke ein Zuschussgeschäft.

Bad Oldesloe. Es ist ein freiwilliges Angebot, dass sich die Stadt jährlich einige Tausend Euro kosten lässt – die Erdgastankstelle an der Industriestraße fährt satte Verluste ein. Im vergangenen Jahr belief sich das Minus auf 47 000 Euro. Das geht aus dem alljährlichen Bericht an den Hauptausschuss hervor.

Das hatte sich die CDU anders vorgestellt, als 2006 auf ihre Initiative hin Geld für eine Erdgastankstelle freigegeben wurden. Neben ökologischen Vorteilen ist Erdgas billiger als Benzin oder Diesel. Eine seinerzeit mit Stadtwerken und Kreishandwerkerschaft initiierte Umfrage hatte ergeben, dass bei Betrieben durchaus Interesse an dieser Kraftstoffart bestehe. 150 000 bis 200 000 Euro wurden an Investitionskosten veranschlagt, nach zwei Jahren mit Verlusten um je 16 000 Euro sollte der Betrieb rentabel sein.

Soweit die Theorie. Als nach jahrelanger Diskussion und Planung im Juni 2008 der Betrieb aufgenommen wurde, waren die Kosten auf 370 000 Euro geklettert. Ausschlaggebend dafür war unter anderem, dass es nicht gelang, die Erdgas-Anlage an einer bestehenden Tankstelle anzudocken. Stattdessen mussten die Stadtwerke auf einem Zipfel-Grundstück des ehemaligen Bauhofs eine vollautomatische Anlage in Eigenregie bauen.

Kostendeckend konnte die nie betrieben werden. Selbst in den Jahren 2010 bis 2012, als die Abgabemenge 50 Prozent über dem aktuellen Wert lag, wurden keine schwarzen Zahlen geschrieben. „Eine Firma ist damals mit ihrer Flotte doch wieder ausgestiegen“, erklärt Stadwerke-Chef Jürgen Fahl den Rückgang.

Drei Jahre hintereinander waren die Abgabemengen rückläufig. Vergangenes Jahr wurde erstmals wieder etwas mehr Erdgas verkauft. Das ist allerdings auf einen Mehrverbrauch durch Fahrzeuge der Stadtwerke zurückzuführen. Jürgen Fahl geht davon aus, dass die Tankstelle „dauerdefizitär“ sein wird: „Die Fixkosten sind einfach zu hoch.“ 2016 waren die Kosten besonders hoch, weil die Zapfsäule wegen Korrosionsproblemen erneuert werden musste. 2015 hatte sich das Minus „nur“ auf 38 000 Euro belaufen.

„Ich verstehe nicht, warum Oldesloe das subventioniert“, sagte Hinrich Stange (FBO) im Hauptausschuss. „Politisch gewollt“, war die einfache Antwort von Fahl: „Aus Marketinggründen.“ Eine Anhebung des Preises scheide aus, weil dann die Nachfrage sinken werde.

Auch die Stadtverwaltung hat Erdgasautos. Eine sofortige Schließung komme deshalb nicht in Betracht. „Mittelfristig können wir die Fahrzeuge natürlich wieder abschaffen“, sagte Bürgermeister Jörg Lembke.

Was umgehend Wilfried Janson (Grüne) auf den Plan rief: „Es gibt sowas wie Vertrauensschutz. Wo sollen die Leute denn dann tanken?“ Horst Möller beendete die aufkommende Diskussion ganz schnell wieder: „Wir haben hier nur einen Bericht zur Kenntnis zu nehmen. Es hat doch niemand beantragt, die Tankstelle zu schließen.“ Finanziell würde die Schließung ohnehin wenig bringen, denn die Kosten für Zinsen und Tilgung laufen weiter.

Andreas Olbertz