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Pressespiegel

15Jul

Lübecker Nachrichten vom 15. Juli 2017

Tolle Idee: Pfandringe für mehr Menschenwürde. Schüler befragten 205 Bürger zum Nutzen der Mülleimer-Halterungen.

Nils von Appen (v. l.), Tobias Freymuth und Frederic Wrage sind stolz, dass ihr Schulprojekt von der Stadt umgesetzt wurde.

Um über die Runden zu kommen oder die Rente aufzubessern, sammeln viele Menschen Pfandflaschen. Damit die Leute nicht mehr im Müll wühlen müssen, hatten fünf Oldesloer Schüler des Beruflichen Gymnasiums Fachrichtung Wirtschaft vor zwei Jahren im Rahmen eines Schulprojekts eine geniale Idee: Öffentliche Abfalleimer in der Kreisstadt sollten mit sogenannten Pfandringen ausgestattet werden.

Wer seine Pfandflaschen und -dosen nicht selbst zurückbringen möchte, kann sie in diese Halterung stellen. „Damit wird den Flaschensammlern die Arbeit erleichtert. Denn beim Kramen im Müll ist nicht nur das Verletzungsrisiko groß, es ist auch würdelos“, sagt Nils von Appen, der mit seinen Mitschülern Frederic Wrage, Tobias Freymuth, Welat Ali und Dana Gersonde das Projekt auf den Weg brachte.

Volle Unterstützung hatten die Schüler von Studiendirektor Tilmann Sander. „Ich war sehr begeistert, als sie mir ihr Konzept präsentieren.“ Im März 2015 stellten Sanders Schüler ihre Idee dem Bau- und Planungsausschuss vor.

Das Konzept fand sogleich Anklang bei allen Fraktionen. „Wir haben an dem Tag noch eine Entscheidung getroffen. Einstimmig haben wir beschlossen, die Pfandringe anzuschaffen“, sagt Ausschussvorsitzende Maria Herrmann. Gut ein Jahr später wurden die Pfandringe an 19 Standorten im Oldesloer Stadtgebiet und entlang der Fußgängerzone installiert.

Sander hatte zugesichert, das Projekt mit seinen Schülern weiter zu begleiten. Industriekaufleute im zweiten Ausbildungsjahr haben jetzt die Resonanz untersucht. Carlotta Callsen-Bruhn, Milena Kleene, Sina Gotthard, Sünje Stoffers, Svantje Meyer und Patrick Matysik erarbeiten dazu einen Fragebogen. „205 Leute haben wir an zwei Tagen in der Fußgängerzone befragt“, so Patrick Matysik. Kennen Sie die Pfandringe? Was halten Sie von den Halterungen? Würden Sie sie nutzen? Haben Sie Verbesserungsvorschläge? Das waren einige der Fragen, die die Schüler den 110 Frauen und 95 Männern stellten.

Jetzt präsentierten sie die Ergebnisse ihrer Studie.

61 Prozent der Befragten kannten die Pfandringe. 82 Prozent von ihnen hielten diese für eine gute Sache. 15 Prozent sahen es hingegen als Geldverschwendung an. 67 Prozent der Interviewten würden die Pfandringe selbst nutzen, 58 Prozent davon zum Reinstellen, vier Prozent zum Rausnehmen. Eine große Mehrheit von 70 Prozent wünscht sich die Anbringung von Pfandringen an weiteren Standorten wie Schulen, Sport- und Spielplätzen, Diskotheken oder dem Bahnhof.

„Die Leute kamen auch mit Verbesserungsvorschlägen“, berichtet Patrick Matysik. Wünschenswert sei etwa, den Pfandring farblich zu kennzeichnen, damit er sich vom Mülleimer abhebe. Im Moment ist beides Grau in Grau. Auch eine Vergrößerung des Rings für mehr Abstellmöglichkeiten stand auf der Wunschliste. Matysik: „Andere meinten, dass eine Beschilderung hilfreich sei für diejenigen, die mit dem Pfandring noch nichts anzufangen wüssten.“ Die Azubis ließen sich daraufhin witzige Sprechblasen einfallen: „Danke, das Pfand ich nett.“ Oder: „Pfandtastisch“.

Das kam auch bei der Politik gut an. Maria Herrmann (SPD): „Ich denke, mit Farbe und Humor kann man das Ganze auch noch besser bewerben.“ Wenn die Pfandringe gut angenommen würden, könne sie sich auch gut vorstellen, das Projekt noch zu erweitern.