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Pressespiegel

08Jul

Stormarner Tageblatt vom 8. Juli 2017

Wasser, Wege, weg damit – Studenten betrachten Innenstadt Angehende Stadtplaner der FH Lübeck untersuchen Zentrum von Bad Oldesloe / Geteiltes Echo auf Verbesserungsvorschläge

Bad Oldesloe. Wer hat noch einen frischen, unvoreingenommenen Blick auf Bad Oldesloe? Wer ist noch nicht betriebsblind und hat sich noch nicht an Missstände gewöhnt? Studenten des Masterstudiengangs Städtebau und Stadtplanung der Fachhochschule Lübeck dürften den haben – fachlich geschult. Die 19 jungen Leute haben sich die Innenstadt angesehen, Potenziale ausgemacht und Schwächen benannt. Die Ergebnisse wurden jetzt in einem Workshop im Kub vorgestellt und in kleinen Runden diskutiert.

„Wir haben die Studenten gebeten, sich unsere Stadt einfach mal anzuschauen“, sagte Bürgermeister Jörg Lembke: „Was kann man besser machen? Auf bestimmte Bereiche haben sie die Lupe gelegt.“ In fünf Arbeitsgruppen haben sich die Studierenden die Innenstadt vorgenommen. Die Ergebnisse variierten im Detail, aber einige Punkte wurden von allen Gruppen angesprochen.

Der große gemeinsame Nenner aller Präsentationen: Oldesloe und die Lage am Wasser: Sehr schön, aber leider kaum erlebbar, ja teilweise habe der Uferbereich sogar „Hinterhof-Charakter“. Eine Gruppe schlug vor, den Ortskern längs der Trave mit einem Weg quasi umrundbar zu machen. Wo das nicht gehe, weil beispielsweise Privatgrundstücke bis ans Wasser reichten, sollten Stege gebaut werden. Einen „Stadtstrand“ regte ein Team an der Landzunge zwischen Minigolfplatz und Pferdemarkt längs der Sohlgleite an. In der anschließenden Diskussion schlug Karin Hoffmann (Grüne) vor, ähnlich wie in Hamburg am Rathausmarkt, hinter dem Kub abgestufte Sitzgelegenheiten zum Wasser runter zu bauen. Maria Herrmann (SPD) holte gleich tief Luft. „Du weißt schon, dass wir aus ökologischen Gründen extra auf das schwebende Atelier am Kub verzichtet haben?“, gab sie zu bedenken. Karin Hoffmann interessieren derartige Argumente nur am Rande. „Jaja, und dann kommt Willi noch mit seinen Eisvögeln ... dann können wir hier gleich alles zu machen“, konterte sie.

Das Telekom-Areal fand sich ebenfalls in fast allen Gruppen wieder. Allerdings mit unterschiedlichen Visionen überplant. Die einen wollten dort einen Park und Grünflächen draus machen – mit Anbindung ans Wasser. Anderen schwebte eher ein Vollversorger auf dem Grundstück vor, ein weiteres Team präferierte Wohnbebauung. „Das könnt ihr gleich vergessen“, wischte Uwe Rädisch (CDU) die Vorschläge vom Tisch: „Da ist so viel Technik und sind derartig viele unterirdische Leitungen, da kommen wir niemals ran.“ In der Vergangenheit gab es etliche erfolglose Vorstöße in diese Richtung. Doch da dort eine Schwachstelle mit großem Potenzial identifiziert ist, sollte das Thema weiter verfolgt werden.

Gegenüber der Telekom ist der Zob. Den Studenten sind die Bushaltestellen ein Dorn um Auge. „Überdimensioniert“, lautet ihr Urteil. Der Alternativvorschlag lautet deshalb, die Haltestelle vorziehen – etwa bis zur Sparkasse. In den Augen der angehenden Stadtplaner hätte das den Vorteil, dass Fahrgäste deutlich zentraler in der Innenstadt aussteigen würden. Ein Nebeneffekt wäre, dass wegen der quasi auf der Straße stehenden Busse , die Hagenstraße für Autofahrer uninteressanter werden würde. Das kam auch in den Diskussionsrunden gut an.

Der Zustand der Hagenstraße wird ebenfalls kritisch gesehen. Sie sei kein verbindendes, sondern ein trennendes Element. Die unterschiedlichen Bodenbeläge seien dafür ein deutliches Indiz. Sie habe kein einheitliches Straßenbild, sei deshalb unattraktiv. Daneben ist der Peters-Parkplatz in den Fokus der Studenten gerückt. Sie regten an, dort eine „Raumkante“ zu schaffen. Im Klartext: Die Parkplätze sollen bebaut werden – Wohnungen, Einzelhandel, Gastronomie oder ein Supermarkt standen zur Diskussion. Anregungen die in den Diskussionsrunden komplett durchfielen. „Der Peters-Parkplatz muss erhalten bleiben“, fasste einer der Studenten das Meinungsbild zusammen.

Und wie geht es damit jetzt weiter? „Sie müssen nicht jetzt gleich entscheiden, welcher Vorschlag in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen wird“, scherzte Professor Peter Schwartze. Oldesloes Bauamtsleiter Thilo Scheuber bedankte sich bei den Studenten für die „wertigen Vorschläge“: „Sie haben es geschafft, dass hier eine rege Diskussion losgegangen ist.“ Ein Forum zur Vertiefung der Vorschläge sei aktuell nicht geplant. Da die Stadt aber auf die Aufnahme in eine neue Städtebauförderung hofft, werde werde bei Erfolg gedanklich an die Anregungen angeknüpft.

Andreas Olbertz