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Pressespiegel

07Jul

Stormarner Tageblatt vom 7. Juli 2017

Stellplätze weiter in Warteschleife. Gelder wieder nicht freigegeben / CDU und FBO machen Weg auch für Alternative zum Radhaus nicht frei.

So ähnlich könnte sie aussehen: Eine Fahrradeinhausung von Kienzler am Bahnhof Othmarschen. KIENZLER

Bad Oldesloe. Kommen nun endlich ausreichend viele, gute und sichere Abstellmöglichkeiten für Radfahrer am Bahnhof? Auch nach erneuter, ausgiebigster Diskussion im Bauausschuss sieht es nicht danach aus.

Seit Jahren wird über das Thema diskutiert. Alle beteuern, die schlechte Situation beheben zu wollen. Im Haushalt steht Geld für ein vollautomatisches Radhaus bereit, doch CDU und FBO weigern sich, den Sperrvermerk über 645 000 Euro aufzuheben. Ihnen ist das System zu teuer. Doch ohne Freigabe der Mittel kann weder weiter geplant und schon gar nicht gebaut werden.

Mit Marei Locher (nah.sh) und Roland Neumann (Agentur BahnStadt) hatte der Ausschuss zwei Experten eingeladen, die über eine mögliche Alternative und Fördermöglichkeiten informieren sollten. Zusammen mit dem Hersteller Kienzler haben sie ein flexibles Modulsystem entwickelt, das sie vorstellten. Funktional, ästhetisch und wirtschaftlich sind die wichtigsten Anforderungen, es soll zudem flexibel, variabel und innovativ sein. Der Haken: Bislang gibt es dieses Modell noch an keinem Bahnhof im Einsatz. In Lübeck soll im Herbst ein Prototyp gebaut werden. „Eigentlich ist das ein ganz banales Ding“, machte Planer Roland Neumann deutlich, „ein Tisch auf vier Beinen.“ Ganz so banal dann doch nicht, denn die Entwickler haben sich auch Gedanken über den Regeneinfallswinkel gemacht. Der beträgt in Norddeutschland etwa 26,5 Grad. Daraus ergibt sich die Größe des Dachüberstands, damit darunter niemand nass wird. Das Standardmodul ist sechs mal sechs Meter groß und bietet 24 Rädern Platz. Im Schnitt kostet ein Stellplatz 1655 Euro. Aber wie es mit Durchschnittswerten so ist, der Teufel steckt im Detail: Je größer die Anlage, desto geringer fällt der Preis pro Platz aus. Eine Vielzahl an abgeschlossenen Stellplätzen – die sogenannte Einhausung – macht es aber wieder teurer. Um keinen Preis wollte sich Neumann auf eine Summe für Oldesloe festlegen. 9 mal 21 Meter könnte die Anlage auf dem Bahnsteig beispielsweise messen. Das würde für 126 Räder reichen, 36 davon in einer gesicherten Einhausung. „Eine Viertelmillion“, schätzte der Planer grob an Kosten. Mehr Einhausungen, zusätzliche Türen – das würde es teurer machen. Neumann: „Es kommt einfach ein bisschen drauf. Aber es werden keine 3000 Euro (pro Stellplatz).“

75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten werden von nah.sh übernommen. Wie Marei Locher erläuterte, seien ein Fixbetrag oder eine Obergrenze pro Platz bewusst abgeschafft worden. Ganz deutlich betonte sie, dass die 75 Prozent auch für ein Radhaus gelten könnten. „Wir haben nie gesagt, dass wir es nicht fördern würden“, so Locher. Es müsse halt gut begründet sein. Da nah.sh keine Elektromobilität fördert, werden Stromanschlüsse für E-Bikes nicht unterstützt. Im eigens entwickelten Modulsystem gibt es Türme mit Schließfächern. Darin gibt es Stromanschlüsse für die Akkus – diese Kästchen werden deshalb mit 50 Prozent gefördert. Die Mittel wären 20 Jahre zweckgebunden. Die Stellplätze dürfen kostenpflichtig vermietet werden. Locher: „Die Stadt darf damit keinen Gewinn machen.“

Wie Diebstahlsicher ist die Einhausung? Wird es in Stoßzeiten zum Stau am Eingang kommen? Fragen die ausgiebig diskutiert, aber letztlich nicht endgültig geklärt werden konnten. Planungskosten für das Radhaus hat nah.sh bereits übernommen. Marei Locher deutete an, dass die Stadt erneut einen Planungszuschuss bekommen könnte, wenn sie sich für das Modulsystem entscheidet.

Zu so einem Beschluss konnte sich aber keiner durchringen. Hans-Herrmann Roden (SPD) appellierte an CDU und FBO: „Leute, lasst uns den Sperrvermerk aufheben, damit wir endlich weiter machen können.“ Unausgesprochen klang da mit durch: „Wenn es sein muss, eben kein Radhaus sondern die Einhausungen.“ Doch da wollte die Gegenseite nicht mitgehen. „Ich habe den Auftrag von meiner Fraktion, den Sperrvermerk nicht aufzuheben“, stellte Uwe Rädisch (CDU) klar, was ihm prompt den Vorwurf „Dann ist das Blockade“, seitens der SPD einhandelte.

Nach einer Sitzungsunterbrechung präsentierten CDU und FBO einen „Kompromiss“. Zur nächsten Sitzung (im September) soll die Verwaltung eine Vorlage zu den Modulstellplätzen zwischen den Gleisen erstellen und die Förderung darlegen. Der Sperrvermerk werde aber erst aufgehoben, wenn die Stadtverordneten den Beschluss zum Radhausbau aufgehoben hätten. Damit ist klar, in diesem Jahr wird nichts mehr passieren. Wenn nah.sh nämlich Planungskosten nochmals fördert, müssten die Mittel im gleichen Jahr verbraucht werden. Das ist nicht zu schaffen. A. Olbertz

 

Standpunkt
7 dunkle Jahre

Das ganze kann man nur noch Kasperltheater nennen. Seit sieben Jahren hühnern Politik und Verwaltung jetzt schon mit dem Thema Radstellplätze rum. Eine Einhausung wurde vor Jahren bereits als untauglich abgelehnt. Jetzt ist sie wieder im Fokus. Eine Wende um 180 Grad. Man kann wie CDU und FBO der Meinung sein, das Radhaus sei zu teuer. Doch wer gleichzeitig den Weg für Alternativen nicht frei macht, dem sind die Probleme der pendelnden Radfahrer ganz offensichtlich egal, der will das Problem nicht lösen. Sieben Jahre! 

Andreas Olbertz, Redakteur
Kontakt zum Autor: ol@shz.de