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Pressespiegel

23Jun

Lübecker Nachrichten vom 23. Juni 2017

Im Rathaus herrscht dicke Luft. Mitarbeiter der Oldesloer Verwaltung sind überlastet, oft krank und schieben Frust.

Unbesetzte Stellen, hohe Krankenstände – Mitarbeiter der Bad Oldesloer Stadtverwaltung klagen über die Situation. FOTO: BAR

Das Klima im Rathaus der Kreisstadt scheint nicht das beste zu sein. Unter den Angestellten hat sich über die vergangenen Jahre offenbar viel Frust aufgestaut. Ein hoher Krankenstand ist dafür nur ein Gradmesser.

Dass die Mitarbeiter der Verwaltung Berge von Überstunden vor sich herschieben, war nach mehrmaligem Hinweis von Bürgermeister Jörg Lembke hinlänglich bekannt. Jetzt meldete sich die Personalratsvorsitzende auf der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses zu Wort und ließ weiter hinter die Kulissen blicken. Laut Karin Heinzen gab es eine Mitarbeiterumfrage quer durch alle Dienststellen. Demnach sind viele Beschäftigte im Rathaus unzufrieden. „Die Stimmung ist sehr schlecht. Im eigenen Team klappt es, aber Abstimmungen im Haus sind schwierig“, berichtete die Mitarbeitervertreterin. Einige ihrer Kollegen fühlten sich ungerecht behandelt. Das liege zum Teil an den Tarifverträgen.

Offenbar befindet sich die Stadtverwaltung in einem Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Nach Darstellung von Karin Heinzen zeigen viele Mitarbeiter Symptome der Überlastung, da einige wichtige Stellen im Rathaus lange Zeit unbesetzt waren und es viele auch nach wie vor sind. Die zu erledigenden Aufgaben würden aber nicht geringer, so dass die Last auf nur wenigen Schultern liege.

„Die Überstunden sind exorbitant gestiegen. Im Bauhof beispielsweise hatten wir lange Zeit eine Interimssituation. Bauamtsleiter Thilo Scheuber hat die Leitung in Doppelfunktion neben seiner eigentlichen Position versehen“, berichtete die Personalrätin. Ihr zufolge haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt, dass der Arbeitsdruck in jüngster Zeit massiv angestiegen sei. Bei den Vorbereitungen zur Eröffnung des Kultur- und Bildungszentrums etwa seien sehr viele Mitarbeiter involviert gewesen. Auch die Begleitung des Projekts habe sehr viel Arbeitskraft gebunden. In den Jahren 2015 und 2016 sei zudem wegen der vielen Flüchtlinge aus Krisengebieten im Rathaus überproportional viel Arbeit angefallen. Dies zusammen habe zu einer Verschlechterung des Arbeitsklimas geführt.

Um die Lage besser in Griff zu bekommen, sind laut Karin Heinzen auch schon Betriebseingliederungsverfahren angeschoben worden. Dies wird laut Sozialgesetzbuch dann fällig, wenn Beschäftigte binnen eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren. „Wir sprechen dann mit den Mitarbeitern, die oft krank sind und gehen der Frage nach, was getan werden kann, damit die Leute gesunden“, berichtete die Personalvertreterin. Manchmal reiche schon die Anschaffung eines besseren Bürostuhls, um Rückenschmerzen zu vermeiden.

Zudem sei eine Dienstvereinbarung geschlossen worden über die Obergrenze von Überstunden. Bei dem dritten und vierten Überstundenantrag müsse letztlich überprüft werden, ob die Personalstärke in der betreffenden Abteilung richtig bemessen ist oder nicht.

„Was können wir denn als Politik tun, um die Situation zu verbessern? Es werden ja von einigen immer mehr Tabellen und Statistiken angefordert. Das ist doch ein Mehraufwand und bindet wieder Kräfte“, beantwortete sich Diakon Wolfgang Schmidt (Freie Wähler) die eingangs gestellte Frage selbst. Dabei habe ja niemand etwas von den angeforderten Daten, die die Rathausmitarbeiter zusammenstellen müssten.

Diese Anmerkung blieb von anderen Ausschussmitgliedern unkommentiert im Raum stehen.