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Pressespiegel

18Nov

Stormarner Tageblatt vom 18. November 2017

Stormarner Wochenschau

KARIKATUR: MEGI BALZER

Ins Körbchen oder auf den Ponyhof

Verschlossen Die Stormarner „Körbchen-Runde“ ist ein geübtes Ritual mit klarem Ziel: Der Haushalt des Kreises soll nicht zum Streitpunkt und möglichst einvernehmlich verabschiedet werden, weil er die Arbeitsgrundlage für das ganze Jahr ist. Das ist richtig und allemal besser, als Dinge scheitern zu lassen, nur weil andere sie wollen. Aber die Körbchen-Runde hat auch Nachteile. Bei nicht wenigen Punkten fehlt damit eine Debatte mit klaren Standpunkten der Fraktionen. Der Verweis auf die Ausschüsse, in denen das ja schon thematisiert worden sei, greift zu kurz. Manche Punkte werden mit Verweis auf die Körbchen-Runde ohnehin kaum diskutiert, und manches landet überraschend hinter verschlossenen Türen. Besonders schwierig wird das, wenn es um Grundsätzliches geht. Wie eine Monstranz trägt die Kreispolitik seit vielen Jahren eine Fahne mit der Aufschrift „Keine zusätzlichen freiwilligen Leistungen“ vor sich her und schmettert damit Anträge ohne inhaltliche Auseinandersetzung ab. Wieso kann das hinter verschlossen Türen plötzlich nicht mehr gelten? Gegen Kompromissfähigkeit spricht nichts, für mehr Transparenz und Ehrlichkeit aber viel.

Verkleidet Seit 1. November hat die Kulturabteilung des Kreises für ihre Arbeitsgemeinschaft Verstärkung: Die 28-jährige Kulturpädagogin Stephanie Brunsen ist das neue Gesicht im Team. Nach der Vorstellung der Berufspraktikantin könnte man meinen, die Heiligen Drei Könige seien unterwegs gewesen. Im Gepäck: Den Personalzuwachs und ein Silbertablett, um ihn darauf präsentieren zu können. Großes Pressegespräch, viele Hurras, was für eine tolle Errungenschaft, dieses zunächst auf sechs Monate befristete Praktikum sei. Keine feste Stelle, das wollten die Bewerber gar nicht, Flexibilität ist die neue Sicherheit! Nur leider ist nicht alles silber, was glänzt. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen. Dabei offenbart sich in der Praktikantenstelle des Kreises die berufliche Zukunftsrealität vieler Akademiker: Die Abiturientin, ausgebildete Fotografin und Masterstudienabsolventin mit Auslandserfahrung muss nach 23 Jahren Bildungstretmühle mit einem Praktikumsvertrag in die Kamera lächeln. Und der Kreis behandelt sie so, als hätte sie nicht mal die Hälfte ihres Werdegangs absolviert. Dass nicht mal diese Praktikantenstelle ohne Stiftungsgelder möglich gewesen wäre, ist ein echtes Armutszeugnis. Gewiss: Der personelle Zuwachs ist von Vorteil für die Kulturarbeit des Kreises. Aber zu welchem Preis und vor welchem Hintergrund? Die Berufspraktikantin ist ein Beispiel für die Gesamtentwicklung, Aussichten und Gehälter für Hochschulabsolventen, die sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen weiter verschlechtern. Anstatt die schwierige Situation arbeitssuchender Absolventen auszunutzen, könnte vielen Arbeitgebern (und auch dem Kreis) ein bisschen aufgabenkritische und zukunftsorientierte Budgetplanung nicht schaden.

Verheimlicht Wenn eine Kommune eine Bauleitplanung startet, muss das öffentlich beraten werden. Aber ist es wirklich eine öffentliche Beratung, wenn ein kryptischer Tagesordnungspunkt erst zu Beginn der Sitzung für öffentlich erklärt wird? Wohl kaum. Konkret geht es um das in Wolkenwehe geplante Baugebiet. „Ausübung eines Vorkaufsrechts“, hieß es dazu in der Sitzungsvorlage nur lapidar. Wer daraus erkennen kann, worum es geht, muss ein Hellseher sein. Selbst wenn das juristisch einwandfrei sein sollte, ist es weit davon entfernt, ein transparentes Verfahren zu sein. Dann dürfen sich auch weder Politik noch Verwaltung wundern, wenn sich die Betroffenen übergangen fühlen und alle Hebel in Gang setzen, um Planungen zu verhindern.

Verfahren Dumm gelaufen. Jetzt ist der Kurpark also wieder sicher, aber die schweren Fahrzeuge, die nach Sturm Herwart bei der Aufräumaktion zum Einsatz kamen, haben die Wege kaputt gemacht. Feuchte Witterung, weicher Boden – das war absolut vorhersehbar. Typisch die „Rambos vom Bauhof“ werden jetzt bestimmt wieder einige Schlaumeier schimpfen. Aber mal ganz ehrlich: Was hätten sie den machen sollen. Warten, bis der Boden vom Frost festgefroren ist? Das hätte eine monatelange Sperrung bedeutet. Das Geschimpfe will man sich gar nicht vorstellen. Oder die Rückkehr zu Handarbeit und Einsatz von Rückepferden? Da hört man die Spötter doch schon vom real gewordenen Amtsschimmel palavern oder davon, dass der Bauhof jetzt zum Ponyhof verkommen sei. Und von der anderen Seite wird der Personalrat vermutlich zu recht anmerken, dass diese harte körperliche Arbeit nicht zumutbar sei – dafür gebe es doch heutzutage Maschinen. Wofür auch immer entschieden wird, es kann nur falsch sein.

Rolf Blase Annika Kühl Andreas Olbertz