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Pressespiegel

19Mai

Lübecker Nachrichten vom 19. Mai 2017

Weniger Einbrüche, aber mehr Körperverletzungen. Polizei stellt Kriminalstatistik 2016 vor - Entsetzen über Bürgerfragen.

Wie ist es um die Kriminalität in Bad Oldesloe bestellt? Mehr Einbrüche? Mehr Straftaten? Vertreter des Polizeireviers und der Kriminalpolizeistelle waren von der Verwaltung gebeten worden, im Hauptausschuss der Stadt über die „Kriminalstatistische Entwicklung“ zu berichten, um mit objektiven und verlässlichen Fakten für Aufklärung zu sorgen.

Doch nicht nur die Kriminalstatistik beschäftigte die Mitglieder des Hauptausschusses. Es waren die Fragestellungen aus der Politik an die Polizei. „Diese Fragen wurden unkommentiert belassen. Wir haben nur eine Einleitung hinzugefügt“, erklärte Bürgermeister Jörg Lembke zu Beginn der Sitzung. SPD, CDU, Grüne und Linke distanzierten sich ausdrücklich von den Fragestellungen. Doch wer hatte sie formuliert?

„Oh Gott, ist die AfD schon hier“, sei sein erster Gedanke gewesen, sagte Hendrik Holtz. Vom „Sicherheitsgefühl der deutschen Bevölkerung“ ist die Rede. Behauptungen werden aufgestellt. Etwa, dass Asylbewerber in der Kamp- und Turmstraße Drogenhandel betreiben. „Wir sind dem nachgegangen und konnten für das gesamte Gebiet keine Feststellung machen“, erklärten die Polizeibeamten. Eine weitere Formulierung lautete: „Fahrräder gehören für Asylbewerber offenbar zu Willkommensgeschenken.“ Hartmut Jokisch (Grüne) war entsetzt. „Diese Art der Ansprache schlägt den Leuten, die den Migranten helfen, ins Gesicht.“ Ein einziger Hetzton sei das. „Die Fragen kommen aus einer Bürgerfragestunde von der FBO. Wir haben sie eins zu eins übernommen“, meldete sich Patricia Rohde (FBO) zu Wort.

Vermutlich haben die FBO-Fragen noch ein Nachspiel. Wie die LN erfahren haben, hat eine Stadtverordnete sich ans Innenministerium gewandt, an den Rat zur Kriminalitätsverhütung. Von dort kam ein Angebot zur Beratung.

Hauptthema im Ausschuss war aber die Vorstellung der Kriminalstatistik. „Wir haben sie heruntergebrochen auf Bad Oldesloe. Anhand der Zahlen kann man sagen: Hier hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht viel getan. Wir haben keine großen Ausreißer nach oben, die uns beunruhigen“, sagte Andreas Knaack, Dienststellenleiter der Kriminalpolizei. 2096 Gesamttaten wurden 2016 gezählt, dem standen 2015 2103 Fälle gegenüber. Wirft man einen Blick auf die vergangenen zehn Jahre, so lässt sich feststellen, dass der Trend eher rückläufig ist. 2007 wurden 2599 Gesamttaten gezählt.

Betrachtet man die registrierten Taten bei Wohnungseinbrüchen, so kann man sagen, dass die Zahl erheblich zurückgegangen ist. 2015 wurden 106 Einbrüche in Oldesloe verübt, davon 49 tagsüber. 2016 waren es 58 Einbrüche, davon 23 am Tag. „Das sind 58 Einbrüche zu viel, aber in Ahrensburg ist die Zahl viel höher“, teilte Knaack mit. Die positive Entwicklung erklärte der Kriminalpolizist damit, dass Sonderermittlungsgruppen gebildet wurden. „Durch diese Maßnahmen sind Erfolge erzielt worden. Wir hoffen, das im nächsten Jahr noch verbessern zu können.“

Die registrierten Straftaten bei Körperverletzung und Sachbeschädigung hingegen sind im vergangenen Jahr in der Kreisstadt gestiegen. 2015 fanden 195 Fälle von Körperverletzung statt, 2016 waren es 241. Bei Sachbeschädigung wurden 2016 insgesamt 274 Taten registriert. Dem standen 183 im Jahr 2015 gegenüber. Knaack: „Erklären können wir das auch nicht. Aber wenn schon eine kleine Gruppe von Jugendlichen durch die Gegend zieht, die sich toll fühlt und die Wände mit Graffiti besprüht, dann haben wir am nächsten Tag 20 bis 30 Anzeigen.“ Diese Art Vandalismus treibe die Zahlen häufig nach oben. Vermehrte Fälle von Körperverletzung würden immer dann registriert, wenn Stadt- oder Zeltfeste stattfänden. „Bei solchen Veranstaltungen geraten Jugendliche schnell mal aneinander.“

„Krakeelende Jugendliche vor Penny, am Ehrenfriedhof, am Bahnhof - mein Angstgefühl ist gestiegen. Ich gehe dann immer gleich ein Stück weit weg“, sagte Wolfgang Schmidt (parteilos). „Ich möchte doch bitten, dass das nicht verallgemeinert wird. Ich traue mich auch nachts um zwei Uhr allein in die Turmstraße“, erklärte hingegen Maria Herrmann (SPD). „Wir nehmen sehr wohl wahr, wo Jugendliche sich in der Stadt aufhalten, und wir zeigen auch Präsenz“, sagte Polizeirevierleiter Michael Demski. „Aber ich muss ganz klar sagen: Lärmende Jugendliche sind keine Kriminellen.“

Britta Matzen