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Pressespiegel

25Mär

Stormarner Tageblatt vom 25. März 2017

Stormarner Wochenschau

KARIKATUR: MEGI BALZER

Von kämpferisch bis salbungsvoll

Ruhe in Frieden Sind 60 von 25 000 Oldesloern das Maß der Dinge? Wohl kaum, aber man kommt nicht umhin festzustellen, dass die Einwohnerversammlung zur Umgestaltung des alten Friedhofs gut besucht und der Zuspruch zu den Plänen groß war.

Natürlich wurde der Eindruck vermittelt: Das ist zum Schnäppchenpreis zu bekommen. 270000 Euro städtischer Anteil ist doch fast geschenkt. Was vielleicht ein Großteil der Anwesenden nicht so wahrgenommen hat: Durchgeplant und auskalkuliert ist da noch nichts, ganz zu schweigen von konkreten Angeboten. Also steht zu befürchten, dass die Kosten noch deutlich steigen werden.

Bei der Einwohnerversammlung wurde der Prinzesshof-Park als leuchtendes Beispiel angeführt. Den hat sich die Stadt vor einigen Jahren knapp 710 000 Euro kosten lassen, hinzu kommen Fördermittel und reichlich Spenden. Der ist jetzt nur noch so gut in Schuss, weil eine ziemlich strikte Parkordnung konsequent durch Kontrolleure des Ordnungsamts und einen Sicherheitsdienst durchgesetzt wird. Aber vielleicht braucht Bad Oldesloe das ja gar nicht, denn wie wir jetzt wissen, ist eine der Qualitäten des alten Friedhofs, „dass man dort für sich ist“. Eine Bezeichnung für: Wir geben viel Geld aus, aber keiner geht hin.

Raus! Poller hin oder her – klar müssen Feuerwehr und Rettungsdienst auch außerhalb der Lieferzeiten in die Oldesloer Fußgängerzone kommen können. Aber der Bauhof? Maria Herrmann (SPD) waren die Fahrzeuge aufgefallen und sie hakte im Hauptausschuss nach. Spontane Antwort von Bürgermeister Lembke: „Die leeren die Papierkörbe.“ „Aber doch nicht außerhalb der Lieferzeiten“, kam natürlich prompt die Rückfrage. Der Verwaltungs-Chef druckste rum, erzählte etwas von Dienstplänen, doch das ließ die Sozialdemokratin nicht gelten machte deutlich: „Von anderen erwarten wir Verrenkungen, damit sie die Lieferzeiten einhalten.“ Klare Ansage, das müsse sich ändern. Wenn die Stadt sich selber nicht an ihre eigenen Regeln hält, warum sollen es dann andere tun? Da werden wohl in nächster Zeit hoffentlich Umschichtung der Arbeiten anstehen.

Gedöns Die Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirats fühlen sich „veräppelt“. Zumindest ist das der Begriff, der öffentlich gesagt wurde. Intern dürften vermutlich ganz andere Worte gefallen sein – und das völlig zurecht! Mal wieder wird ein groß angelegtes Beteiligungsprojekt mit Jugendlichen auf die lange Bank geschoben, verspätet sich Jahr um Jahr. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass niemand mehr Bock hat, sich im Beirat zu engagieren und stattdessen lieber auf Politik (diesmal unschuldig) und Verwaltung schimpft.

Nun darf man natürlich nicht außer Acht lassen, wenn es denn tatsächlich 100 000 Euro Zuschuss von Holsteins Herz geben sollte, ist das eine Menge Geld. Da lohnt es sich schon, den Antrag zu stellen und sich in das aufwändige Förderverfahren zu begeben. Alles andere wäre grob fahrlässig.

Allerdings hat die Verwaltung noch keine schlüssige Antwort darauf geliefert, warum sie erst fünf Minuten vor Baubeginn auf diese glorreiche Idee gekommen ist. Schließlich wird an dem Projekt schon seit Jahren gearbeitet. Wäre der Tipp mit Holsteins Herz rechtzeitig gekommen, wären vermutlich auch die Planungskosten förderfähig gewesen.

Noch schlimmer als diese Nachlässigkeit wiegt aber, dass offensichtlich mit den Betroffenen nicht auf Augenhöhe kommuniziert wird. Da wird nicht frühzeitig informiert und um Verständnis geworben, sondern Fakten geschaffen. Und die sickern dann als Gerüchte durch. Das ist arrogante Basta-Politik. Ob das so zielführend ist, darf wohl bezweifelt werden.

Salbungsvoll Wir haben verstanden und wissen, was wir an Stormarn haben – das war Tenor in der Rede von Staatssekretär Dr. Frank Nägele zum 60. Geburtstag der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS). Schön wenn es jetzt so ist, aber in Stormarn ist bekannt, dass Kiel das Geld aus dem Kreis immer gerne genommen hat. Und der Dank auch darin bestand, Kreis und Kommunen noch stärker zur Kasse zu bitten. Die große Frage ist also, ob das Umdenken stattgefunden hat oder ob das (vor der Wahl) wieder nur salbungsvolle Worte sind, die man seinem Spender ja umso lieber gönnt, je mehr man von ihm bekommt. Bislang lässt sich das Umdenken an Fakten nicht festmachen, aber es gibt ja einige Prüfsteine, die ins Wasser geworfen wurden und Wellen schlagen: Der Ausbau der Autobahnanschlussstellen Stapelfeld und Ahrensburg, der versprochene Lärmschutz und die versprochene Autobahn-Anbindung für Hamberge, eine S4, die wirklich eine Verbesserung für den Stormarner ÖPNV bedeutet, und eine Windplanung, die sich an den Notwendigkeiten orientiert. Da kann Dr . Nägele noch so nett sprechen, wenn sich die Wind-Lobby auf den Flächen bei Hammoor wider alle Vernunft durchsetzt, ist klar, dass man in Kiel nichts, verstanden hat, was Stormarn betrifft.

Ansprüche Wenn Retter zu spät kommen, hat das nicht immer mit der Organisation zu tun. Es kann auch sein, dass der Rettungswagen nicht kommt, weil er von jemanden gerufen wurde, der Fieber hat und seinen Arzt nicht erreichte. „Das Anspruchsdenken nimmt zu“, konstatiert Margot Sinning, Vorsitzende des Sozialausschusses. Der Missbrauch auch. Aber noch sind wir in Stormarn noch nicht so weit, dass ein Rettungswagen mit drei Leuten besetzt werden müssen: Zwei helfen, und einer muss derweil aufpassen, weil sonst die Ausrüstung gestohlen wird. Rolf Blase Andreas Olbertz