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Pressespiegel

17Mär

Stormarner Tageblatt vom 17. März 2017

Wenn die Reise vor der Fahrstuhltür endet. Störung führt zu eingeschränktem Betrieb der Fahrstühle - Menschen mit Handicap haben das Nachsehen.

Von wegen barrierefrei: Die Aufzüge am Oldesloer Bahnhof sind wegen technischer Probleme nur eingeschränkt nutzbar. M. Krüger

Falsche Information: Laut der Bahnhofs-App sollen mindestens zwei Fahrstühle auch nachts funktionieren. Olbertz

Bad Oldesloe Immer wieder Ärger mit den Fahrstühlen im Oldesloer Bahnhof. Eigentlich sollen sie ja für Barrierefreiheit für alle Reisenden sorgen. Aber zurzeit stehen sie mal wieder still. Zumindest in der Zeit von 19 bis 8 Uhr. Wer später oder früher am Bahnhof ankommt, steht vor verschlossenen Türen. Ein roter an den Aufzug geklebter Zettel weist auf die Betriebszeiten der Fahrstühle hin. „Weitere kurzfristige Ausfälle sind möglich“, sichert sich die Bahn vorsichtshalber ab.

Grund für die schwerwiegenden Einschränkungen sind laut der Bahn Pressestelle „Störungen an der Notrufleitung“. Ohne funktionierende Leitung sei der Betrieb verboten. Dass sie wenigstens tagsüber genutzt werden dürfen, liege am Servicepersonal vor Ort, das im Notfall reagieren könnte.

„Es wird derzeit nach einer alternativen technischen Umsetzung gesucht. Wir bedauern die unbefriedigende Situation für unsere Fahrgäste sehr und hoffen auf schnellstmögliche Umsetzung“, lässt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis wissen. Wie Betroffene bis dahin während der Sperrzeiten auf dem Bahnhof klar kommen sollen, kann er auch nicht sagen. Als Möglichkeit zur Reisevorbereitung verweist der Pressesprecher auf die „Bahnhofs App“, um sich schon vor Reisebeginn über die Zustände am jeweiligen Zielbahnhof zu informieren. Das Problem ist nur, dass diese App für zwei der drei Fahrstühle in Oldesloe den Status „in Betrieb“ angibt, für den am Bahnhofsgebäude sollen keine Informationen vorliegen – und das auch zu Zeiten, wo klar ist, dass die Fahrstühle abgeschaltet sind (siehe Screenshot). Wer also auf diese Informationen vertraut und mit Handicap den Bahnhof nach 19 Uhr ansteuert, wird eine böse Überraschung erleben.

Funktionieren die Aufzüge an den Bahnhöfen entlang einer geplanten Reiseroute? Genau diese Frage soll die „DB Barrierefrei“-App beantworten. 2016 wurde sie bereit mit dem Hessischen Staatspreis ausgezeichnet, aber über eine Testphase ist sie bislang nicht hinausgekommen. Die Freigabe wird im Herbst 2017 erwartet.

Laut Infotafel am Lift sollen Betroffene bei der 3-S-Zentrale (Service, Sicherheit, Sauberkeit) in Lübeck „Informationen über alternative Möglichkeiten und Hilfen“ bekommen. Aber ein anonymer Test-Anruf bei der angegebenen Nummer ergab, dass keine Hilfe zu erwarten ist. Der Mitarbeiter teilte mit, dass nach 19 Uhr kein Personal mehr zur Verfügung stehe. Man könne den Bahnhof Reinfeld anfahren – keine echte Alternative, wenn man bedenkt, dass an der Barrierefreiheit in Reinfeld aktuell noch gearbeitet wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Probleme gibt. In der Vergangenheit machten Bahnhof und Aufzüge immer wieder negativ auf sich aufmerksam. Beispielsweise ließ ein von der Bahn für 2011 zugesichertes Leitsystem für Blinde mehr als zwei Jahre auf sich warten. Bereits 2012 klagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: „Die Fahrstühle sind so was von störanfällig. Da muss man sich schon überlegen, ob es nicht Sinn macht, sie zu ersetzen.“ Eigentlich waren im Rahmen eines Förderprogramms knapp 400 000 Euro für Erneuerungen bewilligt worden. Aber die Summe reichte nicht aus. Und weil die Fahrstühle noch nicht alt genug waren, wurde nur ein Teil der Kosten gefördert – eine „grundhafte Instandsetzung“ musste reichen.

„Ich finde es nicht akzeptabel, dass die Fahrstühle nach 19 Uhr geschlossen werden“, beschwert sich Yannick Thoms, Vorsitzende des Oldesloer Behindertenbeirats. Um 19 Uhr seien noch längst nicht alle Betroffenen zurück von der Arbeit. Aber nicht nur Behinderte wären ausgeschlossen – auch Familien mit Kinderwagen, Senioren mit Rollator und Reisende mit schwerem Gepäck unterlägen Einschränkungen. „Alle haben das Recht, barrierefrei zu reisen“, findet die Vorsitzende und kündigt an: „Wir werden der Bahn Druck machen.“

Mattes Krüger Andreas Olbertz