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Pressespiegel

15Mär

Lübecker Nachrichten vom 15. März 2017

Wettbewerb für Travegebiet gestoppt. FBO und CDU erfolgreich: Ausschuss verzichtet auf städtische Planungshoheit in Oldesloe.

Beim Wettbewerb hätten wir den Luxus, aus einer Vielzahl von Beiträgen den besten auszusuchen. Thilo Scheuber, Bauamtsleiter.

Steve Jende vom Büro Elbstrand&Mannschaft stellte sein Grobkonzept von den Traveterassen vor.

Wegen des zu erwartenden Besucheransturms hatte die Stadtverwaltung die jüngste Sitzung des Bau- und Planungsausschusses extra ins KuB verlegt. Und nun sah es Montagabend fast so aus, als reichten selbst dort die Sitzgelegenheiten nicht aus, um allen Oldesloern Platz zu bieten. Schließlich ging es um die Zukunft der wohl attraktivsten Grundstücke im Stadtgebiet: die aus der St.-Jürgen-Insolvenz an die Argos Beteiligungsgesellschaft mbH verkauften Immobilien am historischen Kirchberg inklusive der alten Moog-Villa sowie des einstigen VHS-Geländes in der Königstraße.

Was mit den beiden letztgenannten Grundstücken passieren soll, sorgte für reichlich Zündstoff. Während Hans-Hermann Roden (SPD) und Hartmut Jokisch (Grüne) an dem bereits gefassten Beschluss festhalten wollten, für dieses Gebiet einen städtebaulichen Wettbewerb auszuloben, forderten Matthias Rohde, Freie Bürger für Bad Oldesloe (FBO), und Uwe Rädisch (CDU), das Verfahren einzustellen und die Planung komplett an den Kirchberg-Investor zu übergeben.

Steve Jende vom Planungsbüro Elbstrand&Mannschaft aus Hamburg erklärte, er habe kurzfristig den Auftrag von der Argos bekommen, ein grobes Konzept zu erstellen. Für das Haus am Kirchberg 3 sei Betreutes Wohnen geplant „mit einem ortsansässigen Pflegedienst und Notrufklingeln“.

Den gesamten Grundstücksgürtel an der Trave betreffend, der VHS und Moog-Villa einschließt, verwies der Planer auf ein Referenzprojekt der Argos am Gasberg in Bad Segeberg, das als Mehrgenerationenhaus in einen Hang hineingebaut wurde. Auch in Bad Oldesloe solle es ein „in die Natur eingebettetes Wohnen“ geben mit „Bewegungs- und Sichtachsen“, erklärte Jende. Vorstellbar seien Staffelbauten, die sich terrassenförmig nach unten zum Fluss hin entwickelten. So werde auch die Blickachse in die Stadt hinein frei. Entlang der Trave solle ein Wanderweg mit Ruheoasen führen. Für die Zufahrt müsse statt der Fußgängerbrücke eine Autobrücke gebaut werden, um darüber eine Tiefgarage zu erschließen.

„Ihre Ideen haben Charme. Als kritischen Punkt würde ich aber die neue überfahrbare Brücke sehen. Es ist die Frage, ob sie machbar und sinnvoll ist“, sagte Roden. Er äußerte sich auch befremdet darüber, dass der Investor den Fraktionen gleich von einem Anwalt mitteilen ließ, seinen Vorschlägen möglichst nachzukommen. „Daraus hat man zwischen den Zeilen lesen können: ,Wenn ihr nicht so wollt wie wir, klagen wir’.“

Sehr angetan von dem Entwurf zeigte sich wiederum Matthias Rohde (FBO). Mit Argos sei die Planung aus „einem Guss“ und gehe angesichts des dringenden Bedarfs für Wohnraum insgesamt schneller ohne Wettbewerb.

Das stellte Bauamtsleiter Thilo Scheuber in Abrede. Er machte darauf aufmerksam, dass es für die Grundstücke von VHS und Moog-Villa kein Baurecht gebe und nun erst ein Masterplan für das Gebiet aufgelegt werden müsse, bevor überhaupt ein B-Plan erstellt werden dürfe. Insofern seien die Zeitfenster für beide Verfahrensweisen gleich. „Beim Wettbewerb hätten wir aber den Luxus, aus einer Vielzahl von Beiträgen den besten auszusuchen. Die Alternative wäre, auf den Wettbewerb zu verzichten und das dafür bereits ausgegebene Geld abzuschreiben“, sagte Scheuber. Er bezifferte diese Summe auf über 25 000 Euro.

Auch Bürgermeister Jörg Lembke appellierte an die Ausschussmitglieder, das Verfahren zu Ende zu führen. „Ich kann Ihnen nur dringend raten, die vom Gesetzgeber zugebilligte Hoheit der Planung nicht aus der Hand zu geben“, mahnte er. Der Wettbewerb sei inzwischen so weit gediehen, dass nur die Vorschläge eingefordert werden müssten. Auch der Argos stehe es ja frei, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen.

Rohde erklärte, dass zurzeit der Beschlussfassung noch nicht abzusehen gewesen sei, dass St.-Jürgen verkauft werde. Damals sei ein solcher Wettbewerb richtig gewesen. Dem setzte Ausschussvorsitzende Maria Herrmann entgegen, dass die Stadt bald Schwierigkeiten bekomme, überhaupt noch gute Planer zu finden, wenn sie so einen Schlingerkurs fahre.

Alle Plädoyers verklangen unerhört. Mit sechs zu fünf Stimmen setzten sich FBO und CDU mit dem Vorschlag durch, das Wettbewerbsverfahren auszusetzen. Die Verwaltung ist jetzt gehalten, den Beschluss für einen Vorhaben- und Erschließungsplan nach dem Willen der Argos Beteiligungsgesellschaft mbH vorzubereiten. Ein barrierefreier Wanderweg mit Verweilpodesten und eine Zufahrt für Kraftfahrzeuge über den Stadtarm sollen ebenso berücksichtigt werden.

KOMMENTAR

Dorothea von Dahlen

Halb bezahltes Verfahren wird zum Rohrkrepierer Schade, schade. Ein städtebaulicher Wettbewerb wäre eine prima Chance gewesen, eine von tiefer Überzeugung durchdrungene Entscheidung treffen zu können. Gerade weil der Grundstücksgürtel an der Trave ein richtiges Sahnestückchen ist, kommt es darauf an, das Optimum an Planung zu erhalten.

Nicht, dass das Konzept der Argos inakzeptabel wäre. Es würde aber mehr Sympathie ernten, wenn es aus allen eingereichten Vorschlägen als Leuchtturmprojekt hervorgegangen wäre.

Doch die Mehrheit wollte es anders. Statt den ohnehin schon angekurbelten und halbwegs bezahlten Wettbewerb bis zu Ende durchzuführen, wird er zum Rohrkrepierer.

Dabei hatten die Fachleute aus der Verwaltung explizit darauf hingewiesen, dass sich am Zeitplan nichts ändern werde - egal von welchem Büro das Entwicklungskonzept stammt. Vergeblich hatte Bürgermeister Jörg Lembke daran erinnert, dass die Bauleitplanung eine der wenigen gestalterischen Hoheitsrechte darstellt, die städtische Gremien ausüben können.

Zugegeben, die Aussicht, dass sich Bürger in Workshops an der Planung der Wohnhäuser beteiligen dürfen, stellt ein großes Entgegenkommen dar. Insbesondere die Aussage der Argos, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, dürfte viele Interessenten zum Mitmachen anregen. Die Frage ist nur, ob Laien auch in der Lage sind, das architektonische Gesamtbild kritisch zu hinterfragen und innovative Gegenvorschläge zu unterbreiten.