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Pressespiegel

15Mär

Stormarner Tageblatt vom 15. März 2017

Hauptsache schnell und billig. Mehrheit im Bauausschuss lehnt Wettbewerb für VHS-Areal ab / Investorenpläne sollen umgesetzt werden.

Ortstermin in der alten VHS: Bauamtsleiter Thilo Scheuber erläutert das Wettbewerbsgebiet. Unter anderem wurden die alten Badezimmer besichtigt. ol

Bad Oldesloe Was passiert mit den ehemaligen St.-Jürgen-Gebäuden, der Brandruine auf dem Kirchberg und der alten VHS? Die Bauausschuss-Mitglieder waren wegen des erwarteten Interesses extra in den Kub-Saal umgezogen, doch auch dort reichte der Platz kaum. Es mussten zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden und etliche Zuschauer verfolgten die Debatte von der Empore aus.

Bereits im September 2015 war beschlossen worden, für VHS und Moog-Villa einen Realisierungswettbewerb auszuloben. Vorbereitet ist er und hätte jetzt gestartet werden sollen. Von dem Wettbewerb erhofft sich die Stadt verschiedene hochwertige Vorschläge, wie im Rahmen der Vorgaben mit dem Areal weiter verfahren werden soll. Der Siegerentwurf wird anschließend in einen B-Plan umgewandelt und bildet die Basis auf der Investoren tätig werden können.

In der Zwischenzeit haben sich die Vorzeichen allerdings geändert. St. Jürgen und die Brandruine sind kürzlich an einen Investor verkauft worden. Die VHS würde dieser am liebsten auch übernehmen, erste Entwürfe mit einer Achse vom Kirchberg bis zum Parkhaus Königstraße liegen auf dem Tisch (wir berichteten).

Schon im Vorwege der Sitzung hatte sich die FBO eindeutig positioniert: Die Pläne sind gut, den Wettbewerb brauchen wir nicht – dauert zu lange und ist zu teuer. Aus der CDU waren ähnliche Signale gekommen. „Wir wollen eine Planung aus einem Guss, und die Oldesloer haben ein Anrecht, dass wir einen Schritt nach vorne machen“, so Matthias Rohde (FBO). Eine Wartezeit von drei bis vier Jahren sei ihm entschieden zu lang.

Bürgermeister Jörg Lembke ließ trotzdem nichts unversucht. „Wir sind an einer Stelle angekommen, wo es darum geht, Vorschläge abzufordern. Ich würde Ihnen dringend raten, die Planungshoheit nicht aus der Hand zu geben“, appellierte er an die Politiker.

„Ich kann mich gar nicht genug freuen, dass Investoren da sind, die Wohnraum schaffen wollen. Aber jetzt geht es darum, aus einer Vielzahl von Ideen die beste herauszusuchen und nicht nur einen Vorschlag zu diskutieren“, sagte Bauamtsleiter Thilo Scheuber. Im Haushalt seien zwar 140 000 Euro für den Wettbewerb bereitgestellt, doch tatsächlich wird er nur die Hälfte kosten. Scheuber: „Das Geld haben wir vertraglich schon ausgegeben.“ Vorbereitende Untersuchungen seien bereits gelaufen, der Auftrag für die Begleitung ist erteilt – das kostet die Stadt knapp 40 000 Euro. Der Wettbewerb könne im Mai starten, Ergebnisse lägen im Januar auf dem Tisch.

CDU und FBO interessierte das nicht. Sie präsentierten einen gemeinsamen Antrag, dass das Wettbewerbsverfahren ausgesetzt werde und die Verwaltung einen Vorhaben- und Erschließungsplan mit dem Investor vorbereitet. Der vom Investor gewünschte Wanderweg an der Trave und eine Erschließung über den Weg am Stadtarm mit einer neuen, von Autos befahrbaren Brücke werden in dem Beschluss bereits festgeschrieben.

Das ist mehr als der Investor hoffen durfte. Er hatte vorgeschlagen, zur bisherigen Planung noch einen zweiten Vorschlag zu entwickeln und in Workshops mit Politikern und Bürgern einen Konsens zu erarbeiten. „Wir kriegen also eine Planung vom Investor und machen da 1:1 Baurecht draus?“, fragte Thilo Scheuber ungläubig. Das wurde von der Ausschussmehrheit bestätigt.

Vor der Sitzung hatte es einen Ortstermin in der ehemaligen VHS gegeben. Thilo Scheuber warb dort für seinen Vorschlag, nur einen Teil des markanten Gebäudes zu erhalten. Vom Grundriss her sei das Haus denkbar ungeeignet, um darin Wohnungen zu bauen. Wasser im Keller, so hohe Sporenbelastung, dass bestimmte Bereiche nicht mehr betreten werden dürfen – das wird kein einfaches Projekt. Gerüchteweise ist geplant, dort übergangsweise Obdachlose unterzubringen. Andreas Olbertz

Standpunkt

Unter Wert

Es ist gerade zwei Wochen her, da trat ein Investor auf die Bühne. Mehr als ein paar Skizzen, blumige Worte und ein Anwaltsschreiben gibt es noch nicht, aber FBO und CDU kriechen bereits dermaßen devot zu seinen Füßen, dass man sich fragen muss: Was haben die denn genommen? Gegen den ausdrücklichen Rat von Bürgermeister und Bauamtsleiter wird der für VHS-Gelände und Brandruine bereits eingeleitete Wettbewerb gestoppt. Das spart weder Geld noch Zeit (im Gegenteil, die Stadt muss für etwas bezahlen, was sie nicht bekommt), verhindert aber, dass noch andere Ideen auf den Tisch kommen. Um es noch schlimmer zu machen: Mit dem jetzt beschlossenen Antrag von FBO und CDU bekommt die Stadt sogar weniger als der Investor bereits angeboten hat.

Andreas Olbertz