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Pressespiegel

04Mär

Stormarner Tageblatt vom 4. Märez 2017

Burg unter Brandruine vermutet. Landesamt bereits involviert / Archäologen erhoffen sich neue Erkenntnisse bei Abriss der Moog-Villa am Kirchberg.

Bad Oldesloe

Gerät das große Bauprojekt „Trave Terrassen“ schon ins Stocken, bevor es richtig begonnen wurde? Bekanntlich hat ein Investor die St-Jürgen-Immobilien vom Insolvenzverwalter und die alte Moog-Villa auf dem Kirchberg gekauft. Michael Hintz will die Brandruine abreißen und dort in Kombination mit dem ehemaligen Altenheim, Wohnungen an den Travehang bauen.

Der Kirchberg zählt aber zum „architektonischen Interessensgebiet“. Der Abriss böte die Chance, archäologisch zu klären, ob es an dieser Stelle tatsächlich die legendäre Oldesloer Burg gab. Historiker sind sich bisher uneins, ob sich die 1250 von Graf Johann I von Schauenburg gebaute mittelalterliche Festung tatsächlich auf dem Kirchberg befand. 1415 soll diese niedergebrannt sein.

Exakt 600 Jahre später, also 2015, erhärtete sich der Verdacht bereits. Bei Arbeiten am Pastorat fielen den Bewohnern Petra Maria und Pastor Diethelm Schark, die auch Leiter des Heimatmuseums sind, eine Brandschicht auf. Sie informierten die Denkmalschutzbehörde und machten interessante Funde. „Wir haben in den entsprechenden Schichten viele Tierknochen gefunden. Wer im Mittelalter viel Fleisch essen konnte und Vieh besaß, war kein einfacher Bauer, sondern gehörte eher zur wohlhabenderen Oberschicht. Schon das spricht dafür, dass an dieser Stelle eine Burg gestanden haben könnte. Aus Knochen könnten auch Kämme hergestellt worden sein. „Wir gehen davon aus, dass wir eine Knochenwerkstatt gefunden haben“, erklärt Diethelm Schark. Was allerdings bisher nicht gefunden wurde, war Schmuck oder auffällig aufwändige, mittelalterliche Luxusgüter, die ein weiterer Hinweis auf eine Burg wären. Eventuell könne an der Stelle auch ein größerer Wirtschaftsbetrieb gestanden haben, der wiederum zu der Festung gehörte.

Schon damals hätten die Forscher gerne das Grundstück der benachbarten Villa untersucht. Doch solange diese nicht abgerissen ist, können dort keine Grabungen durchgeführt werden.

„Der Bereich ist definitiv ein archäologisches Interessensgebiet und bei uns auch so vermerkt. Sobald dort ein Bauantrag gestellt wird, werden wir informiert und werden die Untersuchungen vor Ort vornehmen“, erklärt Kerstin Orlowski vom Landesamt für Archäologie. Leider sei es oft so, dass das Landesamt erst relativ spät von Arbeiten erfahre. In Einzelfällen werde das dann teuer für den Investor.

„Als Oldesloer bin ich natürlich auch privat daran interessiert, dass die archäologischen Arbeiten durchgeführt werden. Das ist ein spannender Teil Stadtgeschichte“, erklärt Bauamtsleiter Thilo Scheuber. „Aber davon abgesehen melden wir sowieso jede Arbeit in der Innenstadt im Tiefbau der unteren Denkmalschutzbehörde“, so Scheuber. Der Bauantrag werde nicht genehmigt, solange die entsprechenden Untersuchungen nicht durchgeführt seien. Dazu gehört neben dem Kampfmittelräumdienst auch der archäologische Bereich. Eine Freigabe gebe es erst nach Abschluss der Untersuchungen. Werde tatsächlich etwas gefunden, könnten die Archäologen einen Baustopp anordnen, bis die Ausgrabungen abgeschlossen seien.

„Wir würden uns natürlich freuen, wenn es gelingt, die Burg an der Stelle zweifelsfrei nachzuweisen. Es gibt Gerüchte über ein altes Gemäuer, dass dort zu finden sein soll. Der archäologische Nachweis steht aus. Es wäre spannend für die Oldesloer Geschichte, wenn das final geklärt wäre. Der Abriss der Villa wird die Chance geben, möglicherweise diese Nachweise zu erbringen“, sagt Diethelm Schark.

Ein Bauantrag liege noch nicht vor. Wann dort gebaut werde, stehe noch nicht fest. Thilo Scheuber: „Aus meiner Sicht läuft ja erst der Wettbewerb, wie dieser Bereich inklusive Volkshochschule städtebaulich geplant werden soll.“ Eventuell ergebe sich dadurch automatisch ein Zeitfenster zwischen Abriss und Beginn der Bauarbeiten, in denen Untersuchungen durchgeführt werden könnten. Patrick Niemeier