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Pressespiegel

28Feb

Stormarner Tageblatt vom 28. Februar 2017

Gestalten oder übernehmen. Oldesloer Politiker uneins über die Zukunft des Ideenwettbewerbs bezüglich der VHS.

Bad Oldesloe

Da fackelt einer nicht lange. Kaum ist bestätigt, dass St. Jürgen und die benachbarte Moog-Villa verkauft sind (wir berichteten), knattern die Kettensägen. Bäume und Sträucher am Hang zum Traveufer werden radikal beschnitten und gefällt.

Im Auftrag eines Investors will Geschäftsführer Michael Hintz die Brandruine abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Auch Teile des ehemaligen Altenheims am Kirchberg sollen verschwinden. „Trave Terrassen“ lautet der Projekttitel. Für mehrere Millionen Euro sollen gestaffelt am Hang neue Wohnungen und ein Uferweg längs der Trave vom Kirchberg bis zum Parkhaus Königstraße entstehen.

Knapp 1000 Oldesloer wurden vor dem Kauf telefonisch befragt. „Sie sind sehr aufgeklärt“, fasst Hinz das Ergebnis der Umfrage zusammen, „und wissen, was fehlt.“ „Barrierefrei“, „bezahlbar“, „Durchmischung“, „innenstadtnah“ – das sind die Schlagworte, die immer wieder fallen, darauf will der Investor wert legen. Neben St. Jürgen und der Moog-Villa ist auch gleich die ehemalige VHS in die Pläne einbezogen worden. Die gehört allerdings der Stadt. Nur wenn Politik mitspielt und das Grundstück verkauft, könnte der Plan im großen Stil umgesetzt werden. Dabei ist längst beschlossen, dass ein Wettbewerb Konzepte für die Zukunft des Areals erbringen soll. Es müssten zudem erst die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

„Das ist schon sehr sportlich“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke über die Pläne des Investors: „Wir haben dort einen gültigen B-Plan, eine Erhaltungssatzung und den Planungswettbewerb.“ Er finde es schön, wenn jemand nachdenke und sich einbringe. „Aber die erste Idee muss nicht immer gleich das Non-Plus-Ultra sein“, so Lembke: „Ich rate den Stadtverordneten, dort gestalterisch mitzuwirken.“ Er plädiert deshalb gegen eine Absage des Ideenwettbewerbs. „Warum soll der Investor sich nicht beteiligen“, so sein Argument.

Ganz anders sieht das Patricia Rohde, Fraktionsvorsitzende der FBO: „Der Verkauf und die rasche Vorlage eines so tollen Konzeptes, das sich für das VHS-Gelände zudem auch noch sehr stark an den bisher geäußerten Wünschen des Bau- und Planungsausschusses orientiert, ist eine sehr gute Nachricht für die Stadt.“ Den Wettbewerb für das VHS-Areal nennt sie „teuer, zeitraubend und überflüssig.“

Horst Möller, CDU, findet, der Entwurf „macht Sinn“, er sei „recht angetan“. Mit einem Verzicht auf den Wettbewerb könnte er persönlich leben. Alternativ schlägt er einen vorhabenbezogenen B-Plan vor. „Da müssen wir natürlich was für die Stadt rausholen“, so Möller.

„Abwarten und Tee trinken“, gibt Björn Wahnfried, SPD-Fraktionsvorsitzender, als Devise aus: „So schnell wie er sich das vorstellt, wird es wohl nicht gehen. Da wollen wir schon noch mal ein paar mehr Ideen wälzen. Wir werden an dem Wettbewerb festhalten.“

Die Grünen wurden vom Investor bislang noch nicht ins Bild gesetzt. „Man muss sehen, ob die Pläne so gut sind, dass wir auf den Wettbewerb verzichten können“, sagt Fraktions-Chef Wilfried Janson. Ihm sei nicht bekannt, dass im Uferbereich etwas extrem sensibel wäre. Ob der geplante Weg längs der Trave mit deren FFH-Schutz vereinbar wäre, sei fraglich. „Uns ist wichtig, dass die stadtbildprägenden Bäume erhalten werden“, sagt Janson. Nächste Woche Donnerstag werde der Umweltausschuss, dessen Vorsitzender Janson ist, deshalb das Gelände besichtigen.

Andreas Olbertz

Standpunkt

Nichts überstürzen

Tja, da haben wir den Salat. Der Vorstand hat St. Jürgen in die Pleite getrieben, zuvor hatten sich die Stiftungsvertreter dem Runden Tisch verweigert. Die Stadt Bad Oldesloe hat sich nicht mit Nachdruck um den Erwerb des Areals gekümmert, und jetzt sind die vermutlich attraktivsten Grundstücke in Bad Oldesloe offenbar in der Hand eines Investoren. Das muss nicht zwingend schlecht sein, aber Herr des Verfahrens ist die Stadt damit ganz sicher nicht mehr.

Die Stadt weiß weder, was sie will, noch sind die Entscheider visionäre Bau-Experten. Der Ideenwettbewerb bietet deshalb die Chance, innovative Vorschläge auf den Tisch zu bekommen – zumindest noch für die VHS. Die sollte nicht leichtfertig weggeworfen werden. Auch wenn das Verfahren Geld kostet. Schließlich geht es nicht um irgendein Baugebiet am Rand, sondern um ein Filetstück in bester Innenstadtlage. Das sollte die Zukunft der Stadt allen wert sein.

Andreas Olbertz, Redakteur
Kontakt zum Autor: ol@shz.de