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Pressespiegel

21Jan

Stormarner Tageblatt vom 21. Januar 2017

Stormarner Wochenschau

KARIKATUR: MEGI BALZER

Kleine und große Problemzonen

Abgehoben Manche Leute haben echt Probleme. Ist es nicht schön, dass es in Bad Oldesloe eine verlässliche Ferienbetreuung gibt? Eigentlich schon. Etliche Berufstätige mit kleinen Kindern freuen sich darüber, andere nehmen das zum Anlass, mehr zu fordern. Das bestehende Angebot könne den lieben Kleinen nicht zugemutet werden.

Und sie haben recht! Man muss sich doch nur mal umschauen: Die TMS? Bakterienverseucht, da kann man ja nicht mal duschen. Grundschule West? Da wird gezündelt. Ida-Ehre? Da soll ja nicht nur Tabak geraucht werden. Die Oase? Ein Hort von Gutmenschen ... Ja, also! Von wegen Schule des Lebens – alles verruchte Lasterhöhlen. Unzumutbar. Bloß nichts Neues kennenlernen, bloß nicht mal den Horizont erweitern, bloß keine Flexibilität an den Tag legen. Die Prinzen und Prinzessinnen müssen in Watte gepackt werden. Deshalb muss es auch an der Stadtschule Ferienbetreuung geben ... und die Stadt soll es bezahlen. Kann man ja fordern.

Abgenutzt „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann“, sagte US-Präsident John F. Kennedy bei seiner Amtseinführung, „sondern, was du für dein Land tun kannst.“ Barack Obama hat jetzt in seinem Abschiedsbrief etwas ähnliches formuliert: „Wir alle, egal von welcher Partei, sollten uns in diese Arbeit stürzen – diese mit Freude erfüllende Arbeit der Staatsbürgerschaft.“ Nicht nur bei Wahlen oder wenn es um die engen eigenen Interessen gehe. „Wir“ sei das stärkste Wort der Demokratie. Und was sagen Oldesloes Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlit und Sozialministerin Kirstin Alheit? „Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“. Ah ja.

Dass Frauen in den Kommunalparlamenten unterrepräsentiert sind, ist unstrittig. Aber mal ehrlich, ist das wirklich das Problem und wenn ja, lösen wir es mit so einer Kampagne? „Seit 20 Jahren machen wir solche Kampagnen. Es ist nicht so, dass ich zu einer paritätischen Besetzung gekommen bin“, sagt Marion Gurlit. Daraus könnte man zwei unterschiedliche Schlüsse ziehen: Wir müssen unbedingt weiter machen oder solche Kampagnen taugen nichts. Da mag jeder zu seiner eigenen Erkenntnis kommen.

Fakt ist, es fehlen nicht nur Frauen, es fehlt an allen Ecken und Enden. Viele bekommen ihren Hintern nur noch hoch, wenn es um die ureigensten Interessen geht. Gleichzeitig gibt es ein großes Beharrungsvermögen derer, die in der Politik bereits aktiv sind, mal etwas zu ändern oder ihren Platz zu räumen. Und dann gibt es noch viel zu viel Frustration. Das fängt schon bei Schulkindern an, wenn die die Umsetzung des Beteiligungsprojekts zur Schulhofgestaltung nicht mehr erleben, weil sie längst Abi haben. Warum sollten die sich nach so einer Erfahrung jemals wieder politisch engagieren? Viel zu oft tritt Verwaltung auch auf die Bremse: „Das ist nicht zulässig“, statt Wege aufzuzeigen, wie Ideen umgesetzt werden. Oder es fehlt schlicht an der Zeit oder am Willen, politische Beschlüsse umzusetzen. Das frustriert, das nervt – ich kann meine Zeit auch sinnvoller nutzen. Da muss sich grundsätzlich viel ändern, sonst sind fehlende Frauen unser geringstes Problem.

Abgesang „Mad Lovers“ war ein hochkarätiges Projekt im Oldesloer Kub. Nicht nur eine Premiere, sondern sogar eine Uraufführung. Volle Sitzreihen, begeistertes Publikum – was will man mehr? Inken Kautter weiß da spontan was. Die Kub-Chefin hatte die Oldesloer Schulen angemailt und Probenbesuche angeboten. „Ich kann alles möglich machen.“ Profis hautnah bei der Arbeit erleben, erfahren wie eine Oper entsteht, Gespräche mit den Beteiligten führen – ein nicht alltägliches Angebot. Schade, dass die Schulen nicht mal geantwortet haben. Und das, wo doch ästhetische Profile und musikalische Schwerpunkte im Schulzentrum angeblich groß geschrieben werden. Schade, Chance verpasst.

Andreas Olbertz