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Pressespiegel

19Jan

Stormarner Tageblatt vom 19. Januar 2017

Politik? „Das macht Spaß“. Ministerin Kristin Alheit und Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlit werben für mehr Frauen in Stadträten.

Bad Oldesloe

Voraussichtlich im Frühjahr 2018 ist Kommunalwahl. Geht es nach Oldesloes Gleichstellungsbeauftragter Marion Gurlit und Ministerin Kristin Alheit (SPD) sollen dann mehr Frauen in den Parlamenten sitzen als bislang.

Acht der 27 Stadtverordneten sind Frauen. Damit ist Bad Oldesloe geringfügig besser als der Landesdurchschnitt – nur jedes vierte Mandat geht an eine Frau. „Das ist zu wenig“, findet die Gleichstellungsministerin. „Gerade in der Kommune kann man doch was bewegen. Man sollte es tun, auch, weil es unheimlich Spaß macht“, schildert die Politikerin ihre Erfahrungen. Sie habe die klassische Karriere gemacht: Angefangen als Klassensprecherin, Engagement an der Uni, Kommunalpolitik und jetzt Ministerin. 1995 ist sie beispielsweise in den Stadtrat von Kronberg im Taunus eingezogen. Kürzlich sei sie dort mal wieder gewesen und habe sich noch gut erinnert, wie seinerzeit gerungen wurde, um die richtige Pflasterung auszuwählen. „Daher weiß ich auch ganz genau, dass es Spaß macht“, schwärmt sie.

Aus verschiedenen Gründen brächten sich Frauen nicht in die Politik ein. Zum Teil interessierten sie die Themen schlicht nicht. „Politik findet auch oftmals zu Zeiten statt, wo Familienarbeit stattfindet. Die Frau muss sich um die Vereinbarkeit kümmern, nicht der Mann“, schildert Alheit typische Probleme. Sie gibt zu: „Auch ich habe immer noch mit typischen Männerstrukturen zu tun. Frauen bringen oftmals Diskussionen durch Fragen voran. Sowas ist kein Zeichen von Schwäche.“ Männer tendierten eher dazu, zu wiederholen, was noch nicht von jedem gesagt sei. Deshalb begrüße sie auch eine Begrenzung der Redezeit auf zwei Minuten. Alheit: „Klasse, dann sind einige endlich gezwungen, auf den Punkt zu kommen.“

Damit sich die Frauenquote bessert, wird eine Kampagne gestartet, an deren Kosten sich das Ministerium mit 13 000 Euro beteiligt. Warum mehr Frauen in der Kommunalpolitik wichtig sind, macht Kristin Alheit an einem ganz einfachen Beispiel deutlich: „Wenn man alte Herren um die 60 Kindergartenpolitik machen lässt ... die haben halt andere Ansprüche.“

Im Verbund mit den Gleichstellungsbeauftragten der Kreise Stormarn, Ostholstein, Herzogtum Lauenburg und der Stadt Lübeck lädt Marion Gurlit am Freitag, 3. Februar, zu einer Veranstaltung ins Bürgerhaus ein. Dabei soll es darum gehen, den Ist-Zustand zu beschreiben und für ein Mentoring-Programm zu werben. Unter dem Stichwort „Erfahrung tritt Neugier“ sollen Politikerinnen wie die ehemalige Bürgerworthalterin Elisabeth Scherrer oder die Grünen-Landesvorsitzende Dr. Ruth Kastner über ihre Erfahrungen mit Kommunalpolitik berichten. Natürlich sollen auch konkrete Pläne geschmiedet werden. Zielgruppe sind Kommunalpolitikerinnen und interessierte Frauen. Anmeldungen unter gleichstellungsbeauftragte@badoldesloe.de

Andreas Olbertz  

 

Standpunkt

Größeres Problem

Ja, es gibt zu wenig Frauen in der Politik. Aber auch zu wenig Migranten. Der Altersschnitt ist in der Regel viel zu hoch, Behinderte sind in Oldesloe gar nicht im Stadtparlament – von einem repräsentativen Gesellschaftsquerschnitt sind wir weit entfernt. Mehr noch: Alle Parteien haben Probleme, überhaupt genügend Freiwillige aufstellen zu können.

Wir haben also kein Frauen-Problem, sondern ein Politik-Problem. Politik ist unsexy, ach, viel schlimmer: Politiker sind für viele doch nur die Deppen, die keine Ahnung haben und immer falsch entscheiden. Heute interessieren nur noch persönliche Interessen, nicht mehr das Wohl der ganzen Stadt. Dieses Problem zu lösen, ist viel wichtiger, als sich nur über fehlende Frauen Sorgen zu machen.

Andreas Olbertz, Redakteur
Kontakt zum Autor: ol@shz.de