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Pressespiegel

22Nov

Sturm im Wasserglas: Das gibt’s nur in Oldesloe

Kommunalpolitiker könnten wegen Haushaltssperre in Sitzungen auf dem Trockenen sitzen

Stormarner Tageblatt vom 22. November 2013

Bad Oldesloe Weil vier Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen überraschend weggebrochen sind, hat Bürgermeister Tassilo von Bary eine Haushaltssperre verhängt. Die Kreisstadt muss kürzer treten. Und das hat Folgen, wie man auf der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses erleben konnt.

Der Verwaltungs-Chef hat da so seine Sparvorstellungen. "Sie wissen, wir haben Haushaltssperre", teilte er den Ausschussmitgliedern mit: "Die Getränkevorräte gehen zur Neige. Bringen Sie beim nächsten Mal bitte selber was zu trinken mit."

So kann eine Haushaltssperre wirken und Gefühle freisetzen. Spontan machte sich bei Uwe Rädisch Begeisterung breit: "Dann muss ich diesen ökologischen Zauber nicht mehr trinken." Offenbar hat er noch nicht verdaut, dass Saft und Selter jetzt nicht weiter aus altbekannten Quellen bezogen werden, sondern sich die SPD mit ihrem Ansinnen durchgesetzt hatte, künftig Erfrischungen aus fairer und nachhaltiger Herstellung vor Ort zu besorgen - kostenneutral.

Hendrik Holtz (Linke) musste geraume Zeit warten, ehe er zu einer flammenden Rede ansetzen durfte. Nicht nur ärmlich, sondern "erbärmlich" sei das. Bei Orten in Ostdeutschland, bei denen der Innenminister seit Jahren den Haushalt bestimme, weil gar nichts mehr gehe und nichts da sei, könne er das als eine Konsequenz ja noch nachvollziehen. "Aber Oldesloe hat doch Geld", empörte sich der Linke, der deutliche machte, dass er nicht wegen des eigenen Dursts argumentierte: "Ich bringe sowieso mein eigenes Getränk mit" - Szene-Cola. Tassilo von Bary hat eine andere Sicht der Dinge: "Die Unabweisbarkeit muss nachgewiesen werden. Da muss ich konsequent sein." Er würde sich schon die Finger wund schreiben wegen der vielen Anträge auf Ausnahme von der Haushaltssperre. Wolfgang Schmidt (FBO) ist noch nicht so lange in der Politik und fragte sicherheitshalber noch mal nach: "Das war jetzt kein Scherz? Sie meinen das ernst?"

Karin Hoffmann (Grüne) hatte einen pragmatischen Vorschlag, die Getränke-Versorgungslage zu verbessern: "Wenn Sie kein Wasser mehr haben, nehmen wir auch gerne was aus Ihrem Weinkeller." Bürgermeister von Bary nahm es gelassen: Da sei nicht mehr viel, etliche Flaschen hätten wegen schimmeliger Korken entsorgt werden müssen.

Nach ausgiebiger Diskussion schenkte Bürgermeister von Bary dann überraschen großzügig ein: "Wenn Herr Holtz mich dazu auffordert, dann mache ich das eben", teilt er mit und stellte damit sicher, dass auch die nächste Sitzung keine trockene Angelegenheit werden wird. Andreas Olbertz