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Pressespiegel

20Nov

Oldesloer Behindertenbeirat fordert Heilpädagogen-Stelle

Zum Konzept der Offenen Ganztagsschule sollte diese Position dazugehören.

Kai Danny Schmidt und Patricia Schmidt-Seltmann ohne Amelie, aber mit ihrem Plüschtier.

Sind für die Pläne des Behindertenbeirates: Kai Danny Schmidt und Patricia Schmidt-Seltmann ohne Amelie, aber mit ihrem Plüschtier. Foto: kks

Lübecker Nachrichten vom 20. November 2013

Von Kerstin Kuhlmann-Schultz

Bad Oldesloe - Zum kommenden Schuljahr übernimmt das Mehrgenerationenhaus Oase das nachmittägliche Kurs-Angebot an der Klaus-Groth-Schule sowie an der Grundschule-West in Bad Oldesloe. Der Vorstoß des Behindertenbeirates, das Konzept der Oase mit einer Vollzeitstelle für einen Heilpädagogen abzurunden und damit die Rechte behinderter Kinder an den Offenen Ganztagsschulen zu stärken, wird aber vorerst nicht umgesetzt.

Auf der jüngsten Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses "wurde unser Antrag nicht beschlossen", erklärt die Vorsitzende des Beirates, Yannick Thoms. Das findet sie bedauerlich, aber "es gibt noch Klärungsbedarf seitens der Verwaltung". Der Behindertenbeirat hält sich bei diesem Antrag an die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen zur Umsetzung der Inklusion. Um die an den beiden Schulen verwirklichen zu können, sei ein Heil- oder Sonderpädagoge notwendig. "Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung", findet Thoms.

"Die Offene Ganztagsschule stellt eine Form des pädagogischen Bildungsangebotes und nicht eine Form der Aufbewahrung dar. Dieser pädagogische Anspruch bezieht sich auch auf die Betreuung der Kinder mit Behinderungen. Inklusion hört nicht mit dem Unterricht auf, sondern bezieht sich laut Behindertenrechtskonvention auf alle Lebensbereiche und damit auch auf den Lebensbereich der offenen Ganztagsschule", so Thoms, die in ihrem Bemühen von ihrer Beiratskollegin Susanne Agne unterstützt wird. Einfach umzusetzen scheint das nicht.

Dabei wäre das notwendig, wie das Beispiel von Amelie (7) zeigt. Die Schülerin der Klaus-Groth-Schule, die unter anderem an einer halbseitigen Lähmung leidet, ist, so ihre Eltern Patricia Schmidt-Seltmann und Kai Danny Schmidt, "sehr selbstständig, aber auf Hilfe angewiesen". Für die Schulzeit von 7.45 bis 11.45 Uhr müssen die Eltern immer wieder neu eine Schulbegleitung beim Kreis Stormarn beantragen. Diese wird im Regelfall über die Eingliederungshilfe des Kreises bezahlt.

Der Kreis hat den Eltern allerdings bereits klar gemacht, dass es für die Zeit danach, wenn die Angebote der Offenen Ganztagsschule greifen, keinen Schulbegleiter mehr geben wird, zumindest keinen, der über die Eingliederungshilfe finanziert wird. "Der Antrag wurde abgelehnt", so die Eltern von Amelie, "weil es sich nicht um eine schulpflichtige Zeit handelt". Was zur Folge hatte, dass übergangsweise Patricia Schmidt-Seltmann ihre Arbeitszeit anders aufteilen musste und dann in die Schule fuhr, um ihre Tochter zu begleiten. Der Verein Feste Grundschulzeiten, zu dem die Kinder nach der Schule gehen, konnte die Begleitung nicht gewährleisten. "Die haben sich aber sehr bemüht. Es war für sie nicht einfach, wir waren für sie der erste Fall. Auch die Schule ist sehr entgegenkommend. Von Anfang an mussten wir um nichts kämpfen", sagt die Mutter.

Mittlerweile steht Amelie in der nicht schulpflichtigen Zeit ein Bufdi zur Seite, ein junger Mann, der im Bundesfreiwilligendienst an der Klaus-Groth-Schule arbeitet. Das freut die Eltern und hilft Amelie. Eine Dauerlösung soll das aber nicht sein. Denn "ein Bufdi ist nicht ausreichend, um ein Kind mit Einschränkungen zu fördern", erklärt Kai Danny Schmidt. Er ist sehr dafür, dass ein Heil- oder Sonderpädagoge dabei ist, wenn im kommenden Schuljahr das Mehrgenerationenhaus Oase das Nachmittags-Angebot der Klaus-Groth-Schule übernimmt.

Die Verwaltung setzt allerdings auf Bufdi. Eine Vollzeitstelle für einen Heilpädagogen grundsätzlich vorzuhalten, ohne ermessen zu können, ob und in welchem Umfang die Kraft tatsächlich benötigt werde, sei nicht sinnvoll. Letztlich müsste die Finanzierung aber im Rahmen der Eingliederungshilfe erfolgen. "Sollte die Finanzierung der Inklusionsmaßnahme nicht sichergestellt werden können, kann diese gegebenenfalls nicht durchgeführt werden", heißt es in der Vorlage für den Sozialausschuss.


Recht auf Bildung

Der Artikel 24 der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen besagt, dass Staaten das Recht auf Bildung von Menschen mit Behinderung anerkennen. Um das Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Staaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen.

Das Ziel ist unter anderem, dass Menschen mit Behinderungen ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen können. Sie sollen zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft befähigt werden.