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Pressespiegel

23Sep

Lübecker Nachrichten vom 23. September 2016

Bad Oldesloe kündigt „Beruf und Familie“. Hauptausschuss zieht alternative Notfallbetreuung vor – Das Angebot der GmbH sei zu wenig genutzt worden.

Von Dorothea von Dahlen  Bad Oldesloe. Der Oldesloer Hauptausschuss  will neue Wege bei der  Notfallbetreuung für Kinder von  städtischen Angestellten gehen.  Um ihren Mitarbeitern diesen Service  im Fall von Krankheiten oder  anderen unvorhersehbaren Zwischenfällen  bieten zu können, hatte  die Stadtverwaltung Anfang vergangenen  Jahres einen Vertrag  mit der gemeinnützigen GmbH Beruf  und Familie Stormarn abgeschlossen,  der jetzt auf Wunsch des  Ausschusses gelöst werden soll. Zu  den Nutzern des Angebots gehören  auch Städte wie Reinbek, Bargteheide und Ahrensburg und 40 Unternehmen  der Privatwirtschaft. 

Die Mitglieder des Hauptausschusses  hatten sich gleich zu Beginn  vorbehalten, nach einer Vertragslaufzeit  von einem Dreivierteljahr  neu zu überdenken, ob sich  diese Dienstleistung im Alltag bewährt  und weiterhin hin Anspruch  genommen werden soll. Dazu präsentierte  Hauptamtsleiter Malte  Schaarmann am Mittwochabend einige  Zahlen. Demnach sprangen  die Betreuer 2015 sieben Mal für  Rathausangestellte in Not ein, binnen  dieses Jahres waren es nur  zwei Fälle. „Wir können mit diesem  Angebot bei der Personalgewinnung  punkten“, sagte Scharmann.  Dieser Tage sei es nämlich  nicht leicht, junge Angestellte mit  Kindern zu finden. Das bereite der  Verwaltung derzeit enorme  Schwierigkeiten, da viele Stellen  im Rathaus unbesetzt seien. 

Für die Dienstleistung hat die  Stadt Bad Oldesloe bis dato 5250  Euro jährlich bezahlt, wobei der  Hauptamtsleiter in der Sitzungsvorlage  auf die Ankündigung der Beruf  und Familie GmbH hingewiesen  hatte, die Nutzungspauschale  für 2016 erhöhen zu müssen. 

„Den Bedarf sehe ich schon.  Aber er wird anscheinend nicht  über dieses Angebot gedeckt“, sagte  SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann in  Hinblick auf die geringen  Fallzahlen. Sie äußerte die  Vermutung, dass Eltern in Notlagen  meist ihre eigenen Netzwerke  bemühen, bevor sie ihre Kinder an  Außenstehende abgeben. Deshalb  sei es sinnvoll, die Angestellten  selbst zu fragen, was sie sich wünschen,  um eine bessere Alternative  bieten zu können. 

Hendrik Holtz (Linke) sprach  sich für eine Verlängerung des Vertrags  aus und beschrieb die Notfallbetreuung  als Versicherung, die  man zahle, auch wenn die Betreuung  nicht in Anspruch genommen  werde. „Auch dann ist ja das Geld  weg“, sagte er. 

Für Birgit Reichardt-Mewes  (CDU) war die Sachlage indes klar.  „Wenn etwas nicht funktioniert,  muss man klare Konsequenzen ziehen“,  sagte sie. Grünen-Fraktionschef  Wilfried Janson hingegen plädierte  dafür, die Notfallbetreuung  „nicht ganz einzustampfen“. 

Malte Schaarmann berichtete,  dass der Notfalldienst im Rathaus  eigentlich positiv betrachtet werde.  Kulturmanagerin Inken Kautter  etwa sei begeistert gewesen, als  sie ihre Kinder in der Anfangsphase  nicht anderweitig betreuen lassen  konnte. Auch ihre Kleinen hätten  sich gut aufgehoben gefühlt.  „Wir sind davon ausgegangen,  dass das Projekt erfolgreich ist“,  sagte der Hauptamtsleiter. An  Fremde müsse auch niemand seine  Schützlinge abgeben. Beruf und Familie  gebe Vätern und Müttern die  Chance, die Betreuer im Elterncafé  kennenzulernen. 

Von den Stimmberechtigten  sprach sich letztlich niemand dafür  aus, den Vertrag fortzuführen. Das  Thema Notfallbetreuung ist damit  aber nicht vom Tisch. Nun sollen  die Rathausmitarbeiter nach ihren  Wünschen befragt werden, um ein  Alternativangebot entwickeln zu  können. Da auch dafür Geld aufgewendet  werden muss, wird es Gegenstand  der bald anstehenden  Haushaltsberatungen sein. 


Neun Gründer

2012 startete die GmbH Beruf und Familie Stormarn die Kinderbetreuung, von der gleich neun Firmen im Kreis Gebrauch machten. Sie ermöglichen ihren Angestellten,
ihre Kinder im Notfall – wie etwa einer Schließung der Kita oder Krankheit der Eltern – kostenlos betreuen zulassen. Zu den Gründern gehört nicht nur die Sparkasse Holstein mit ihren Stiftungen, sondern unter anderem auch die Firmen Edding und Basler AG. Geschäftsführerin der Beruf und Familie GmbH ist Patricia Siebel.