Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

14Sep

Stormarner Tageblatt vom 14. September 2016

Genehmigung da – Geld gestrichen. Oldesloer Radhaus-Projekt auf dem Bahnhof steht vor dem Aus / CDU und FBO kritisieren Kosten für automatische Parkanlage.

Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder am Oldesloer Bahnhof sind katastrophal. OLBERTZ

Bad Oldesloe

Das war’s dann vermutlich mit dem am Oldesloer Bahnhof geplanten Radhaus. CDU und FBO nahmen eine Kostensteigerung des Projekts zum Anlass, die komplette Streichung des Geldes zu fordern. Hätte die Bahn sich mit dem „Gestattungsvertrag“ nicht so viel Zeit gelassen, könnte das Gebäude längst stehen.

Das Radhaus ist eine Idee aus Offenburg. Auf nur 45 Quadratmetern Grundfläche wird ein Gebäude errichtet, in dem die Fahrräder automatisch geparkt werden. Mit knapper Mehrheit wurde 2014 nach jahrelanger Beratung beschlossen, die Planung im Bahnhof voranzutreiben. 590 000 Euro wurden nach einer Kostenschätzung im Haushalt bereitgestellt. Erst jetzt liegt der Entwurf eines Gestattungsvertrags von der Bahn vor.

Die Bahn verlangt, dass nur „präqualifizierte“ Planer eingesetzt werden dürfen. Aber diese Kosten werden immerhin zu 100 Prozent gefördert – und deshalb von der Stadt in Auftrag gegeben. Dabei kam heraus, dass das Radhaus teurer wird. Der Hersteller hat mittlerweile den Preis angehoben, aber auch die Anforderungen der Bahn führen zur Preissteigerung von 195 000 Euro.

„Es ist der reine Wahnsinn“, meint Friedrich-Karl Kümmel (FBO): „Da könnte man eine wirklich gute, preiswerte Abstellmöglichkeit schaffen.“ „Die Situation dort ist in der Tat katastrophal“, stimmte auch Uwe Rädisch (CDU) an: „Aber das ist eine Luxusausführung, die wir uns einfach nicht leisten können.“ Deshalb sollte der Haushaltsansatz komplett gestrichen werden.

SPD und Grüne sahen das ganz anders. Annika Dietel (SPD): „Das ist die beste Lösung, viele Räder auf kleiner Fläche diebstahlsicher unterzubringen.“ Hartmut Jokisch verwies darauf, dass das Ziel sei, möglichst viele Menschen zum Umstieg aufs Rad zu bewegen.

Unterstützung bekamen die Befürworter von Ursel Rabeler, der Fahrradbeauftragten im Bezirk Hamburg- Mitte. „Das Thema Fahrrad ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie müssen jetzt marketingmäßig und zukunftsträchtig entscheiden“, appellierte sie. Kosten von rund 6000 Euro pro Stellplatz seien absolut üblich.

Bauamtsleiter Thilo Scheuber äußerte Zweifel, ob es für alternative Abstellmöglichkeiten von der Bahn eine Genehmigung geben werde. „Ein Radhaus ist für die doch auch ein Marketinginstrument“, sagte er.

Die Fronten sind klar, ein Beschluss wurde aber bewusst vertagt, damit die Verwaltung noch eventuelle Fördermöglichkeiten bis zu den Haushaltsberatungen ausloten kann. Andreas Olbertz

Standpunkt

Abgestellt

775 000 Euro für ein Radhaus – da erübrigt sich jede Diskussion. Schluss, aus, gestrichen. Es bedarf keiner Kompetenz, um mit dem Brustton der Überzeugung zu verkünden: Zu teuer! Fahrradständer bekommt man schließlich in jedem Baumarkt. So billig und ungepflegt sieht es am Bahnhof deshalb auch aus. Wer ein besseres Rad hat, überlegt es sich gründlich, ob er nicht doch lieber den Wagen nimmt. Nur mal so zur Erinnerung: Neben dem Bahnhof wurde für 900 000 Euro ein Parkplatz gebaut. Der Preis pro Stellplatz unterscheidet sich kaum zum Radhaus.

Andreas Olbertz, Redakteur
Kontakt zum Autor: ol@shz.de