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Pressespiegel

02Sep

Lübecker Nachrichten vom 2. September 2016

Ex-Heimbewohner bangen um ihr Geld. Am 1. Oktober wird Insolvenzverfahren für die Oldesloer St.-Jürgen-Stiftung eröffnet – Angehörige in Sorge.

Von Britta Matzen

Bad Oldesloe. Mit einem Insolvenzplan soll die Oldesloer Stiftung St. Jürgen gerettet werden. „Für uns Gläubiger bedeutet das, dass wir vielleicht nur mit 30 oder 40 Prozent von dem abgespeist werden, was St. Jürgen uns schuldet“, befürchtet Hans-Karl Moltmann aus Rehhorst. Moltmann ist Angehöriger, seine demenzkranke Mutter wurde in der stationären Pflegeeinrichtung von St. Jürgen betreut – für 3109,53 Euro monatlich. „1779,50 Euro haben wir jeden Monat zu den 1330 Euro von der Pflegekasse dazu bezahlt.“

„Am Abend des 29. Juni hat man uns mitgeteilt, dass die Bewohner des Pflegeheims ausziehen müssen“, so Moltmann. In den Tagen darauf habe er alles daran gesetzt, um eine neue Unterkunft für seine Mutter zu finden. Mit Erfolg. „Am 5. Juli ist meine Mutter nach Reinfeld gezogen.Wir haben dort wie etwa zehn andere St.-Jürgen-Bewohner einen Platz im Senioren- und Pflegezentrum gefunden.“Den vollen Betrag für den Monat Juli buchte die Stiftung St.-Jürgen-Hospital jedoch noch am 3. Juli von Moltmanns Konto ab. Zu dem Zeitpunkt sei Moltmann voll und ganz mit dem Umzug beschäftigt gewesen: „Ich wusste ja nicht, wie meine Mutter das überstehen wird. Demenzkranke sind nach so einem Wechsel erst mal wochenlang desorientiert.“

Am 13. Juli erstellte die Stiftung eine Korrekturrechnung, in der nur der Zeitraum vom 1. bis 4. Juli berechnet wurde. „Das Guthaben in Höhe von 1677,31 Euro werden wir auf ihr Konto überweisen“, hieß es darin. Doch eine Woche später bekam Moltmann wieder Post von der Oldesloer Einrichtung. „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Stiftung St.-Jürgen-Hospital sich in einem vorläufigen Insolvenzverfahren befindet. Aus diesem Grunde dürfen wir Ihnen Ihr Guthaben aus rechtlichen Gründen zurzeit nicht auszahlen.“

Für den Monat Juli mussten Moltmanns die Unterbringung der pflegebedürftigen Mutter somit doppelt begleichen, da auch die Reinfelder Einrichtung bezahlt werden musste. „Wir sind sicherlich nicht die Einzigen, denen das so ergangen ist“, so der Rehhorster. Von einer anderen Seniorin, die ebenfalls im Reinfelder Pflegezentrum untergekommen sei, habe er gehört, dass sogar ihr Geld auf dem Verwahrgeldkonto von St. Jürgen einbehalten wurde. „Das ist das Taschengeld für die Bewohnerin für Frisörbesuche, Medikamente oder Fußpflege. Wir haben so ein Konto für meine Mutter nicht genutzt.“

Von der Dame wisse er aber, dass sie das Geld bis heute nicht zurückbekommen habe. Jetzt müsse sie wieder zu ihren Kindern gehen und um Geld bitten, habe sie ihm gerade erzählt. „Ich finde das Vorgehen von St. Jürgen schon sehr speziell. Zu wissen, dass die Leute auf die finanziellen Mittel angewiesen sind und das Geld, insbesondere das Verwahrgeld, nicht auszuzahlen. Uns hat der Vorstand immer gesagt, St. Jürgen sei nicht in finanzieller Bedrängnis. Wir müssten uns keine Sorgen machen. Wenn die fair gewesen wären, hätten die uns sagen müssen, Sie haben für die vier Tage im Juli noch die und die Summe zu bezahlen.“ Nach Kenntnisstand des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Tjark Thies von der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte wurden die Guthaben auf den Verwahrkonten vom Vorstand bereits ausgezahlt. „Das Verwahrgeld wurde auf Treuhandkonten überwiesen. Hier besteht ein Recht auf Auszahlung. Die Dame kann sich gerne in dieser Angelegenheit an mich wenden, wenn sie ihr Geld noch nicht erhalten hat. Ich werde das dann prüfen.“

Die 1677,31 Euro, die Hans-Karl Moltmann von der St. Jürgen- Stiftung wieder haben möchte, seien hingegen eine reine Insolvenzforderung: „Herr Moltmann wird behandelt wie alle anderen Gläubiger auch.“ Am 1. Oktober werde das Insolvenzverfahren für die Stiftung St.-Jürgen-Hospital eröffnet. Nach Insolvenzeröffnung könne Moltmann die Forderung anmelden.

Wie lange sich das Verfahren hinzieht, kann Dr. Thies nicht abschätzen. Wenn man sich für einen Insolvenzplan entscheide, wovon der Vorstand ausgehe, um die Schuldnerin zu retten, könne es schnell gehen – „in der Regel dauert es etwa drei Monate“.