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Pressespiegel

14Nov

Zwischen Regenrohr und Baum keine Entscheidung

Bauausschuss vertagt Beschluss über Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Kreiswehrersatzamt

Stormarner Tageblatt vom 14. November 2013

Bad Oldesloe

Auf der einen Seite wertvoller Baumbestand, auf der anderen eine wichtige Regenwasserleitung - das mit Interessen eines Investors unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Das war im Bauausschuss jetzt deutlich zu merken.

Bernd Hauschild, der in Bad Oldesloe ein Unternehmen für Kältetechnik betreibt und dem schon einige Immobilien in der Stadt gehören, hat vor einigen Jahren das ehemalige Kreiswehrersatzamt gekauft. Wo früher junge Männer auf ihre Tauglichkeit für den Wehrdienst untersucht wurden, sind inzwischen Wohnungen entstanden. Aber der Investor möchte noch mehr. Auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks soll zusätzlich ein Neubau entstehen: 24 Wohneinheiten mit jeweils 60 bis 70 Quadratmetern. Doch wie das realisiert werden soll, ist derzeit ziemlich fraglich.

"Man konnte sich damals im Leben nicht vorstellen, dass ein Kreiswehrersatzamt mal in private Hand geht", erläuterte Stadtwerke-Chef Jürgen Fahl, wie es zu dem Dilemma mit der Regenleitung kommen konnte. Deshalb hatte man seinerzeit auf eine Eintragung des Leitungsrechts quer über das Areal ins Grundbuch verzichtet.

Eigentlich hätte der Käufer darauf hingewiesen werden müssen, dass es auf dem Grundstück ein Leitungsrecht gibt - das ist aber nicht passiert. Ob der Bund dafür nachträglich belangt werden kann, ist völlig offen. Das Rohr ist groß und wichtig. "Eine Überbauung würden wir nicht zulassen", erläuterte Fahl: "Während der Lebenszeit des Gebäudes müssen wir da ran können." Also muss die Leitung außen am Grundstück herum verlegt werden. Das verursacht 27 000 Euro an Mehrkosten.

Im östlichen Bereich des Geländes wachsen erhaltenswerte Bäume. Die sollten, das war einhellige Meinung im Ausschuss, durch einen Neubau nicht gefährdet werden. Also wurden zwei Entwürfe entwickelt, die diese Anforderungen erfüllen. Eine L-förmige und eine in Gestalt eines Angelhakens. Seitens der Politik wurde anfangs deutlich, dass beide Varianten mehrheitsfähig seien, man wolle dem Investor da nicht unnötig viele Vorschriften machen. Der war aber trotz des Entscheidungsspielraums überhaupt nicht erfreut, ganz im Gegenteil. "Ganz ehrlich? Ich finde sie beide fürchterlich", kritisierte Bernd Hauschild. Wie sich herausstellte, würde sein Baukörper die Bäume zwar nicht gefährden, wohl aber die Verlegung der Regenleitung. Mindestens zwei Bäume seien auf keinen Fall zu halten. An der Stelle kam dann Hans-Jochim Stolten (CDU) mit dem Vorschlag, die Bäume zu fällen und an anderer Stelle eine Ersatzfläche aufzuforsten. Beifall vom Investor. "Das Argument der Betriebswirtschaftlichkeit müssen wir sehen, auch wenn ich zugeben muss, dass wir anfangs anders gestrickt waren", gab ihm sein Parteifreund Uwe Rädisch anfänglich noch Recht. Ob ihm dann Zweifel kamen oder taktische Überlegungen eine Rolle spielten - Rädisch mochte dann doch nicht zustimmen, sondern wollte den Fall lieber noch mal in der Fraktion beraten. Zustimmung von den anderen Fraktionen, so wurde das Thema vertagt.

"Lassen Sie sich ruhig Zeit", ermunterte Hauschild die Politiker. Es hatte allein anderthalb Jahre gedauert, bis von dem Oldesloer Geschäftsmann eine verbindliche Zusage zur Kostenübernahme für das Verfahren vorlag. So eilig scheint es also mit dem Neubau nicht zu sein.Andreas Olbertz