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Pressespiegel

21Jul

Stormarner Tageblatt vom 21. Juli 2016

Schutzschirm für St. Jürgen. Die traditionsreiche Oldesloer Stiftung bereitet mit Fachanwältin Insolvenzplan vor.

Schluss, aus vorbei. Das Heim ist bereits geschlossen. Mit einer Insolvenz soll versucht werden, wenigstens die Stiftung zu retten. Olbertz

Bad Oldesloe St. Jürgen ist Geschichte. Das Heim ist abgewickelt, leer. Die Fenster sind nur noch tote Höhlen. Vor dem Haus sitzen keine Alten mehr, keine Spaziergänge mehr in die Fußgängerzone. Bekanntlich hatte die Stadt nach einer Nachschau zur Brandschau eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Binnen drei Wochen mussten für alle 36 Bewohner wegen offenbar gravierender Mängel beim Brandschutz neue Plätze gefunden werden. Das ist pünktlich gelungen.

Wie die Stiftung jetzt mitteilt, hat das Amtsgericht Reinbek Ende vergangener Woche ein vorläufiges Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung angeordnet. Als vorläufiger Sachwalter ist der Hamburger Anwalt Dr. Tjark Thies benannt worden. Er soll die Interessen der Gläubiger überwachen.

In der Regel ist der Sachwalter vom Unternehmen frei wählbar. Ziel des Schutzschirms sei die zügige Erstellung eines Insolvenzplans, um den Erhalt der Stiftung zu ermöglichen. Kriterien für das Verfahren sind die Liquidität und die Aussicht auf erfolgreiche Sanierung. Am Ende muss die Vorlage eines Insolvenzplans stehen.

Schutzschirm bedeutet, dass nicht ein Insolvenzverwalter die Geschäfte übernimmt, sondern der Vorstand weiter schalten und walten kann. Dafür hat der Vorstand die Flensburger Fachanwältin für Insolvenz- und Steuerrecht, Sigrun Römer, zur Generalbevollmächtigten ernannt. Sie unterstützt die Geschäftsführung bei den „notwendigen Schritten“. Sie hatte schon gleich bei ihrer Vorstellung davor gewarnt, zu früh Insolvenz zu beantragen, weil das unter Umständen dazu führen könne, dass der Vorstand Verfügungsmöglichkeiten verliert.

Glück im Unglück haben die knapp 40 Mitarbeiter von St. Jürgen. Sie haben zwar alle die Kündigung bekommen, müssen sich aber um ihr Zukunft wohl kaum Sorgen machen. „Der Arbeitsmarkt – vor allem im Bereich Pflege – sieht sehr gut aus. Aktuell sind im Kreis Stormarn etwa 60 freie Stellen im Bereich Altenpflege gemeldet“, berichtet Bianca Ehlert vom Oldesloer Arbeitsamt: „Den ortsansässigen Arbeitgebern ist die Situation natürlich auch bekannt, und sie fragen teilweise explizit nach den ehemaligen Mitarbeitern des St.-Jürgen-Hauses. Die Betroffenen haben daher in der Regel die Möglichkeit, aus mehreren Angeboten zu wählen und entscheiden sich dann natürlich für das mit den besten Rahmenbedingungen.“ Andreas Olbertz