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Pressespiegel

24Jun

Stormarner Tageblatt vom 24. Juni 2016

St.-Jürgen-Heim vor dem Aus. Kreisbauamt empfiehlt sofortige Umsetzung von Brandschutzauflagen / Stiftung geht das Geld aus.

Bad Oldesloe

Eigentlich hätte Rainer Fehrmann rundum zufrieden sein können. Im öffentlichen Teil des Hauptausschusses hat der Bürgerworthalter in seiner Funktion als Stiftungsvorsitzender von St. Jürgen quasi einen Persilschein bekommen. Der von der Stadt beauftragte Rechtsanwalt Dr. Ulrich Mann, Spezialist für Stiftungsrecht, bescheinigte dem Vorstand korrektes Handeln. Konkret ging es um die Fragen, ob auch ohne Einvernehmen mit dem Stiftungsvorstand die Kämmerin von ihrer Arbeit bei St. Jürgen entbunden werden könne und ob der Vorstand das Pflegeheim ohne Zustimmung der Stadt verkaufen dürfe. Die Kurzfassung der Antwortet lautet: Nein, die Stadt kann die Kämmerin nicht einfach abziehen und ja, der Vorstand kann alleine verkaufen.

Doch grade Letzteres ist wohl nur noch eine theoretische Frage. „Ein trauriges, schweres Thema“, antwortet Vorstands-Chef Rainer Fehrmann auf die Frage nach dem Stand der Verkaufsverhandlungen. Bekanntlich hatte sich der Stiftungsvorstand ja darauf versteift, das Heim an die Riedel-Gruppe verkaufen zu wollen. Doch Anfang März platzte dieser Traum kommentarlos. „Vielleicht noch zwei bis drei Monate“ habe man Zeit, sagt Fehrmann damals. Die Frist ist mittlerweile verstrichen „Wenn es Veränderungen gibt, werden wir die selbstverständlich kommunizieren“ – mehr wollte Fehrmann auch gestern auf Nachfrage nicht sagen.

Das Heim ist zu klein, das Personal zu teuer, dann sind da noch millionenschwere Rentenverpflichtungen und Investitionsstau – da stehen Investoren nicht Schlange. Anfangs wurden noch die „Oldesloer Werte“ hochgehalten, die es unbedingt zu erhalten gelte. Davon kann mittlerweile keine Rede mehr sein. St. Jürgen wird bundesweit in entsprechenden Fachblättern angeboten – ohne Erfolg.

Die Stiftung muss Verluste des Heimbetriebs ausgleichen. Da die höher sind als die Erlöse geht es zwangsläufig an die Substanz. Wann die Stiftung pleite ist, hat Fehrmann immer wieder unterschiedlich beantwortet. Die Lage wird sich nicht bessern.

Im Gegenteil. Im Heim fand jetzt eine Brandschau statt. Dass St. Jürgen in Sachen Brandschutz gravierende Mängel aufweist, ist seit Jahren bekannt. Die Stiftung selber beziffert den Aufwand auf 400 000 Euro. Das Geld hat die Stiftung nicht. Bislang wurde da wohl ein Auge zugedrückt.

Die Stiftung hatte einen Brandschutzsachverständigen engagiert, einen Architekten eingeschaltet, ein Konzept erstellt. „Wir haben gesehen, es ist auf einem guten Weg“, sagt Klaus Kucinski von der Kreisverwaltung. Auch wenn der Brandschutz dadurch nicht besser wird. Wegen der Verkaufsverhandlungen haben die Behörden still gehalten. Kucinski: „Wir haben vor kurzem erfahren, dass doch nicht verkauft wird.“

Turnusgemäß war ohnehin eine Überprüfung fällig, und als dann auch noch ein anonymes Schreiben beim Landrat einging, fand eine Nachschau statt. Das Protokoll ist an die Stadt gegangen. Letzter Satz darin von Klaus Kucinski: „Ich empfehle dringend die sofortige Umsetzung.“ Klare Worte. Wie er erläutert, müsse „die Bauaufsicht der Stadt in eigener Verantwortung entscheiden, wie sie damit umgeht. Jetzt muss klare Kante gezeigt werden. Jetzt muss die Stiftung Farbe bekennen, was sie will.“ Auf fehlende finanzielle Mittel könne keine Rücksicht genommen werden, an erster Stelle, stehe der Schutz der Bewohner. Das lässt eine kurzfristige Schließung des Heims wahrscheinlich erscheinen. Die Stadtverwaltung war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Wie aus dem nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses durchsickerte, möchte der Stiftungsvorstand von der Stadt Geld haben. Damit soll das Personal bezahlt werden, wenn die Bewohner bereits umquartiert wurden. Darüber sollen die Stadtverordneten Montag beschließen.

Andreas Olbertz  

Standpunkt

Schreckens-Szenario

St. Jürgen ist am Ende. Der Vorstand hat sich verzockt und die Karre so tief in den Dreck gefahren, dass von einer geordneten Rettung keine Rede mehr sein kann. In größter Not soll die Stadt mal eben einspringen und die Stiftung vor der Insolvenz retten, damit das Heim noch abgewickelt werden kann. Vermutlich werden alle anderen Schuld sein, nur nicht der Vorstand. Fakt ist aber, dass der Stiftungsvorstand immer wieder größten Wert auf seine Eigenständigkeit gelegt hat, sich lange weigerte, Politik auch nur zu informieren und bis zuletzt nicht an Gesprächen über alternative Nutzungsformen teilgenommen hat. Jetzt haben wir den Salat. Hoffentlich lässt sich noch was retten.

Andreas Olbertz, Redakteur