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Pressespiegel

10Nov

Stormarner Tageblatt vom 10. November 2015

Ein Zeichen gegen das „Affentum“. Oldesloe gedenkt der Reichspogromnacht am Stolperstein für den unter von den Nazis deportierten Hans Wöltje.

Bad Oldesloe Die Gesichter waren ernst, die Worte deutlich, der Anlass mit erschreckenden Parallelen zum Zeitgeschehen. Rund 30 Oldesloer gedachten am „Stolperstein“ für den im Konzentrationslager verstorbenen Hans Wöltje in der Hindenburgstraße der Reichspogromnacht am 9. November 1938, in der die Nationalsozialisten jüdische Einrichtungen und Geschäfte gezielt angriffen und zahlreiche Fenster zu Bruch gingen, weshalb das Geschehen auch den makabren Namen „Reichskristallnacht“ trug.

In der Kreisstadt erinnerte Hartmut Jokisch vom Freundeskreis Beer-Yaacov an die Schreckensherrschaft der Nazis. „Mit Schaudern schauen wir auf diese Zeit und sagen, dass wir so etwas natürlich heutzutage nicht tun würden. Das hat auch die Generation vor uns schon gesagt“, so Jokisch.. „Genauso schauen wir auf das Verhalten islamistischer Terroristen und der Isis, die in ihrem primitiven Verhalten nicht besser sind als Schimpansen, die ihresgleichen erschlagen, wenn sie nicht schnell genug aus ihrem Revier fliehen können. Wir fragen uns, wie Menschen so sein können, wir sind erschüttert. Doch was passiert hier bei uns selbst?“, so Jokisch weiter. Er könne sich zwar in die diffusen Ängste mancher „besorgter Bürger“ ein wenig hineinfühlen, in die Ängste die bei manchen das als fremd Empfundene auslöse. Doch dürfe man nicht in animalische Verhaltensweisen zurückfallen. Die neuen Nazis, Nationalisten und Pegidioten würden mit ihrem durch Furcht angetriebenen Verhalten ebenfalls zu einer Art „Affentum“ neigen, das sich nicht sehr von den Terroristen der Isis unterscheide. Dafür dürfe in einer modernen, deutschen Gesellschaft kein Platz sein. Es seien die wichtigen demokratischen Werte von Toleranz und Vielfalt, die Bereitschaft sich mit Flüchtlingen auseinander zu setzen, ihnen zu helfen, die verteidigt werden müssen.

„Anfang der 90er Jahre als in Solingen und Rostock Asylbewerberheime brannten, waren die Menschen die davor standen, genauso bereit wie die Nazis zu akzeptieren, dass dort drin Menschen verbrennen“, sagte Jokisch weiter. Dieses Risiko seien sie eingegangen, so wie es auch Terroristen und eben die Nazis taten. Und während die terroristischen Untaten der Isis noch geographisch weit weg seien, seien die Übergriffe auf Flüchtlingsheime direkt vor unserer Haustür, wie zum Beispiel Anfang des Jahres in Grabau. „Es gibt eine erschreckend ansteigende Zahl an Übergriffen auf Flüchtlingsunterbringungen in diesem Jahr. Und wieder nehmen die Angreifer im Extremfall den Tod anderer Menschen in Kauf“, mahnte Jokisch. Es reiche nicht, sich ständig von der Vergangenheit mit einem „das würden wir nicht tun“ oder „das kann nicht mehr passieren“ zu distanzieren.

Gemeinsam ging die Gruppe um Bürgermeister Tassilo von Bary den „Gang des Erinnerns“ zum ehemaligen „Adolf Hitler Haus“ in der Mühlenstraße und zur abschließenden Lesung in den Treffpunkt „Kaktus.“ Patrick Niemeier