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Pressespiegel

04Sep

Lübecker Nachrichten vom 4. September 2015

Sozialpädagoge soll Lehrer beim DaZ-Unterricht unterstützen. Oldesloer Sozialausschuss unterstützt Antrag der Theodor-Storm-Schule.

Schüler aus dem DaZ-Programm

Diese Schüler aus dem DaZ-Programm (Deutsch als Zweitsprache) haben ihren Hauptschulabschluss geschafft. Foto: K. Kuhlmann-Schultz

Von Dorothea von Dahlen Bad Oldesloe – Dürfen Kosten und Zuständigkeiten eine Rolle spielen, wenn es darum geht, anderen zu helfen? Diese virulente Frage stellte sich einmal mehr im jüngsten Oldesloer Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss. Die Meinungen darüber, ob die Stadt eine sozialpädagogische Fachkraft einstellen soll, um Flüchtlingskinder im DaZ-Unterricht an der Theodor- Storm-Schule (TSS) besser zu unterstützen, gingen auseinander.

„Die Notwendigkeit, eine solche Stelle zu schaffen, ist unerlässlich“, begründete TSS-Leiterin Barbara Conrad-Richter ihren Antrag. Bei mehr als 50 Prozent der Kinder handele es sich um Kriegsflüchtlinge. Sie kämen nicht nur aus Bad Oldesloe, sondern aus umliegenden Orten zum Unterricht. Mitunter träten auch kulturelle Konflikte zwischen den Kindern und Jugendlichen auf, die nicht so wegdiskutiert werden könnten. Dafür müsse es zusätzliche Ansprechpartner geben. Die Lehrkräfte könnten dies nicht mehr leisten. Zu danken sei ohnehin den ehrenamtlichen Helfern, ohne die das DaZ-Projekt schon längst untergegangen wäre.

Als eine solche meldete sich Gudrun Behnsen-Katenhusen zu Wort. „Was soll ich mit einer weinenden Elfjährigen machen, die sich entwurzelt fühlt, wie das bewältigen mit 15 anderen Kindern?“, fragte sie. Wöchentlich träfen mehr Kinder und Jugendliche ein. Sie seien vom Tod naher Verwandter gezeichnet und zum Teil hochgradig traumatisiert. Die pubertierenden Jugendlichen seien zudem leicht zu radikalisieren. Solange sie die Schule besuchten, lasse sich darauf noch Einfluss nehmen.

„Die Situation ist unstrittig. Dem ist nichts hinzuzufügen“, sagte Thomas Sobczack, Leiter des Oldesloer Bürgerbüros. Vom Grundsatz her stimme er der Forderung der Schule zu. Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass die DaZ-Zentren besondere Einrichtungen seien, die das Land über die Kreise ins Leben gerufen habe. „Wenn man mit dem Lehrerpotenzial nicht auskommt, muss sich das Land Gedanken um eine personelle Verstärkung machen“, sagte Sobczack. Zudem würden in Bad Oldesloe auch Kinder und Jugendliche aus anderen Städten versorgt und wenn der TSS eine Fachkraft zugebilligt werde, dauere es sicher nicht lange, bis die Stadtschule einen ähnlichen Antrag stelle. Auch dort besuchten mittlerweile 70 Kinderund Jugendliche die DaZ-Klassen.

Hajo Krage als Vertreter der SPD-Fraktion plädierte dafür, „die verkrusteten Zustände aufzubrechen“. Er sei zwar ebenfalls der Auffassung, dass Land und Kreis in der Pflicht seien, die Stelle zu schaffen. Doch letztlich sei es die Stadt, die mit Problemen zu kämpfen habe, wenn die Schwierigkeiten der Flüchtlingskinder, die deutsche Sprache zu erlernen, nicht beseitigt würden. Krage plädierte deshalb dafür, dem Antrag der TSS stattzugeben. Dessen ungeachtet, möge sich die Verwaltung darum kümmern, das Geld von den überregionalen Stellen wieder zurückzubekommen, fügte er hinzu.

„Wir haben hier einen Notfall. Wir sollten möglichst schnell reagieren und uns nicht hinter der Bürokratie verschanzen“, riet auch Grünen-Stadtverordnete Dagmar Danke-Bayer.

Rein fachlich teile sie die Ansicht ihrer Vorredner, erklärte Gudrun Möllnitz (CDU). Doch habe sie Bedenken, was die Zuständigkeit anbelangt. In Schleswig-Holstein würden nur 25 Prozent der vom Bund zur Verfügung gestellten Flüchtlingshilfen durchgestellt. „Treten Sie ihrer Partei mal auf die Füße“, sagte Möllnitz an die SPD-Fraktion gewandt. Nach ihrer Auffassung sei der Kreis in der Pflicht. Im Übrigen müsse der Kreisfachberater über die Zustände in den DaZ-Klassen sehr gut Bescheid wissen. Formale Argumente würden in dieser Lage nicht weiterhelfen, sagte DaZ-Koordinatorin Barbara Stenzel-Buchholz. „Bis das geklärt ist zwischen den Institutionen haben wir schon 100 Kinder mehr“, sagte sie.

Bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen wurde der Antrag der TSS mit dem von der SPD vorgeschlagenen Zusatz mehrheitlich angenommen. Das Zünglein an der Waage spielen aber letztlich die Stadtverordneten. Sie beraten über das Thema auf ihrer nächsten Sitzung am 21. September.

Weitere Beschlüsse

Einstimmig hat der Ausschuss das Projekt „Klasse musiziert“ der Musikschule für Stadt und Land für das Schuljahr 2015/16 bewilligt.

Auf Antrag der SPD-Fraktion soll die Geschichte der Stadt Bad Oldesloe während der Nazidiktatur aufgearbeitet werden. Diskutiert wurde, wie weit der untersuchte Zeitraum gefasst werden soll.

Die Gleichstellungsbeauftragte hat 3000 Euro beantragt, um ein Buc hüber Migrantinnen zu verfassen.