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Pressespiegel

28Aug

Lübecker Nachrichten vom 28. August 2015

Bad Oldesloe bereit für neue Flüchtlinge. Die Stadtverwaltung legte ihr Konzept zur Unterbringung vor. Viele Bürger wollen helfen und Sprachpate werden.

Das Interesse an der Unterbringung der Flüchtlinge war riesengroß. Der Festsaal in der Olivet-Allee waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Was müsste Ihrer Meinung nach jetzt ganz dringend geschehen?

Von Dorothea von Dahlen Bad Oldesloe – Als hätten alle schon sehnsüchtig auf diesen Termin gewartet: Fast 400 Oldesloer strömten am Mittwochabend in die Festhalle der Kreisstadt. Sie wollten erfahren, welche Strategien die Verwaltung entwickelt hat, um den Flüchtlingen, die binnen der nächsten Monate erwartet werden, ein Quartier bieten zu können. Doch nicht nur das. Viele wollten sich erkundigen, wie sie die Neuankömmlinge am besten unterstützen können.

Bürgermeister Tassilo von Bary erinnerte eingangs daran, dass schon in den 1990er Jahren notleidende Menschen in der Stadt Asyl gesucht hatten. Damals sei in seinem Wohnort Nütschau ein Hotel umfunktioniert worden. Anfangs habe dies für Aufregung gesorgt. „Letzte Woche traf meine Tochter dann eine Mutter, der wir damals immer Pampers gebracht haben. Sie hat sich bei ihr bedankt. Das sind Gesten der Integration, nicht der Ausgrenzung“, sagte von Bary unter Beifall. Vorbehalte, dass die Stadt so viele neue Einwohner nicht verkrafte, seien zudem unbegründet, fuhr er fort. Verfolge man die demografische Entwicklung, so liege die Sterberate höher als der Zuwachs an neuen Bürgern. „Wir brauchen junge Menschen, um das auszugleichen“, sagte von Bary.

Mit aktuellen Zahlen, die er erst Stunden zuvor bekommen hatte, wartete Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak auf. Ihm zufolge werden dem Kreis Stormarn mehr Flüchtlinge zugewiesen als gedacht. Vom 14. September an werden wöchentlich nicht 40 bis 50, sondern 80 bis 85 Menschen in der Region eintreffen. Für die Stadt Bad Oldesloe bedeute dies, dass bis zum Jahresende weitere 156 Familien und Einzelpersonen untergebracht werden müssen.

Um Strategien zu entwickeln, wie ihnen menschenwürdige Quartiere angeboten werden können, sei im Juni schon eine Taskforce bestehend aus Vertretern sämtlicher Fachbereiche im Rathaus gebildet worden, berichtete Bauamtsleiter Thilo Scheuber. Kurzfristig betrachtet versuche die Stadt Wohnungen anzumieten. Dies funktioniere zurzeit noch, da die Vermieter immer noch Wohnraum anbieten. Doch seien auch schon 15 Menschen in der Turnhalle der Kurparkschule untergebracht. Dort gebe es einen Sanitärbereich, eine Lehrküche und größere Räume für Familien.

Mittelfristig soll aber das Schwesternwohnheim, das die Asklepios-Klinik der Stadt für fünf Jahre kostenlos zur Verfügung stellt, so instand gesetzt werden, dass dort 80 Flüchtlinge Platz finden. Sofern der Kreis einer solchen Vereinbarung zustimme, könne der Ausbau noch in diesem Jahr beginnen, kündigte Scheuber an. Zudem gebe es Pläne, dass die Stadt selbst auf Basis einer öffentlich-privaten Partnerschaft neue Wohneinheiten errichtet. Dies sei aber noch nicht im Bau- und Planungsausschuss und anderen Gremien besprochen worden.

Abgesehen von diesen praktischen Erwägungen spielten an diesem Abend auch immer wieder soziale Aspekte eine Rolle und was die Oldesloer tun können, um zur Integration beitragen zu können. Cornelia Steinert warnte davor, Konflikte zwischen Hartz-IV-Empfängern und Flüchtlingen zu schüren. Die Angst der Leute vor Neuem sei zudem völlig unbegründet. Dem widersprach indes Dolmetscher Mohsen Vedadi. „Angst vor Fremden ist etwas Natürliches“, sagte er. „Wir müssen die Bürger besser darüber aufklären, warum Deutschland die Grenzen öffnet“, erklärte er und gab den Hinweis, dass Staaten Beihilfen von der Uno in Anspruch nehmen können, wenn sie Flüchtlinge aufnehmen.

„Sie fliehen, weil sie aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt werden, verkaufen ihre Existenz, um Zuflucht in einem anderen Land zu suchen. Sie zahlen viel Geld an Schlepper. Und wenn sie das Boot erreichen, sind nicht 50, sondern 300 Flüchtlinge an Bord“, umriss Nauwa Saleh von der Migrationssozialberatung der Diakonie, welche traumatischen Ereignisse hinter den meisten ihrer Klienten liegen. Sie bedankte sie sich bei den Oldesloern, die dazu beigetragen haben, die Not der Leute zu lindern. Anschließend trugen sich wieder dutzende Hilfsbereite in Listen ein, weil sie spenden oder Sprachpate werden wollen. Weitere Hilfsangebote nimmt Gana Benke unter g.benke@diakonie-ploe-se.de oder 0160/887 70 51 entgegen.