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Pressespiegel

25Apr

Stormarner Tageblatt vom 25. April 2015

Stormarner Wochenschau

www.wiedenroth-karikatur.de

Experiment gelungen, Patient tot

EXPERIMENT 1 Kein Wunder, dass Robert Habeck als kommender Mann bei den bundesdeutschen Grünen gehandelt wird. Wer mit einem so sperrigen Titel wie Energiewendeminister an- und auftritt und trotzdem so kumpelhaft wirkt, muss einfach wählerkompatibel sein. Er hat es bei beiden Veranstaltungen in Bad Oldesloe zur Ostküstenleitung geschafft, dem Publikum eine ziemlich monströse neue Stromtrasse als zwar nicht schön, aber doch unvermeidlich zu verkaufen. Aber nicht mit den Tricks von Marktschreiern und Gebrauchtwagenhändlern, sondern mit einer offenen und ehrlichen Herangehensweise, die negative Aspekte nicht ausklammert oder schönredet. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der grüne Minister klare Prinzipien und Ziele verfolgt. Debatten über die Sinnhaftigkeit der Energiewende oder die Notwendigkeit der 380 KV-Leitung werden nicht mehr geführt. Eine „großes Demokratieexperiment“ nennt Habeck das Dialogverfahren für den Bau der Ostküstenleitung. Das stimmt, aber angewandt wurde es nicht, um die Demokratie zu befördern, sondern um möglichst schnell eine Stromtrasse zu bauen. So viel Einsatz würde man sich auch bei anderen Infrastrukturprojekten wünsche. Da tritt die Politik, vor allem die grüne, nicht als Beschleuniger, sondern als Bremser auf.

EXPERIMENT 2 Ein Demokratieexperiment ist auch die Ausstellung von Baldur Burwitz im Ahrensburger Marstall. Da dachte man, dass die ganze Bürgerschrecks-Skandal-Inszenierungs-Kultur spätestens seit den 80er Jahren abgehakt ist, und dann das! Gestandene Lokalprominenz, zum Teil in so fortgeschrittenen Alter, dass sie die Bürgerschreck-Zeiten miterlebt haben, lässt so bereitwillig die Maske fallen. Man bekommt kein „VIP- Ticket“, obwohl man langjähriger Freund und Förderer der Kunst- und Kulturszene ist? Skandal! Da gehen wir nicht wieder hin! Was ist gegen Bockwurst und Brötchen auf der Nicht-VIP-Seite einzuwenden? Sind Schnittchen an Stehtischen besser, auch wenn die Film-Projektion schlechter ist? Natürlich nicht. Das sind ja auch rationale Fragen. Da hat Burwitz aber überhaupt nicht hingezielt.

PRINZIP Dass die Anwohner Am Tegel in Bad Oldesloe kein Neubaugebiet hinter ihren Gärten wollen, ist das normale „Nicht-bei-uns“-Prinzip. Das ist im Ahrensburger Kamp nicht anders, wo die Stadt eine Flüchtlingsunterkunft bauen will. Protest sagt aber noch nichts darüber aus, ob die Argumente der Gegner berechtigt sind oder nicht. Bei einigen Beiträgen in der Einwohnerversammlung war sofort klar, dass es nur um dagegen ging. Eine Stadt muss sich Gedanken machen, wo und wie sie wachsen kann und will. Je vorausschauender die Politik der Bodenbevorratung ist, umso besser. Wer das kritisiert, hat wenig verstanden. Rolf Blase