Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

23Apr

Stormarner Tageblatt vom 23. April 2015

Alle gegen die Tegel-Pläne. Volles Haus bei der Oldesloer Einwohnerversammlung zum Thema 50 Bauplätze hinterm Tegelkamp.

Die Tegelkamp-Anlieger auf der Einwohnerversammlung

Bad Oldesloe

Die geplante Schaffung eines Neubaugebiets hinter der Straße am Tegel/Tegelkamp (wir berichteten) bewegt – zumindest die direkten Anlieger. Die eigens zu diesem Thema einberufene Einwohnerversammlung in der Festhalle war sehr gut besucht.

Die Anlieger waren gut vorbereitet, hatten schon im Vorwege 237 Unterschriften gegen die Bebauung gesammelt. 167 Haushalte gibt es dort im Quartier, 157 wurden von den Gegnern erreicht, 151 sprachen sich gegen die Pläne eines Investors aus. Fein säuberlich war jedes Grundstück mit einem Klebepunkt markiert worden. Karl-Heinz Doose ließ das Bild auf die Leinwand projizieren: „Ein Stadtteil sieht rot.“

Bürgermeister Tassilo von Bary hatte zu Beginn erläutert, wie die Erstellung eines Bebauungsplans, inklusive Bürgerbeteiligung, abläuft. Einen Aufstellungsbeschluss, mit dem das Verfahren in Gang gesetzt wird, gibt es noch nicht. Im Gegenteil, die Politiker hatten einen entsprechenden Beschluss abgelehnt. „Städte wie Bargteheide sind schlau und haben sich mit Bodenbevorratung entschuldet“, so der Bürgermeister. Für die Kreisstadt sei das am Tegel jetzt obsolet. Die Stadt habe einen prognostizierten Bedarf von jährlich etwa 65 Wohneinheiten. „Wir haben im Kreis einen erheblichen Bedarf. Hier gibt es noch keinen demografischen Wandel“, sagte der Verwaltungschef. Um attraktiv zu bleiben und auch jungen Menschen Wohnraum anbieten zu können, müsse die Stadt entsprechende Flächen ausweisen. Seine beiden Töchter, erklärte von Bary, seien aus diesem Grund in die Nachbarorte gezogen.

Messerscharf folgerten einige Tegeler: „Es geht also nur um Grundstücke für Bürgermeisters Töchter.“ Die Wachstumszahlen wurden angezweifelt. Da wurde vorgerechnet, dass der Zuwachs bei der Bevölkerung nur fünf Prozent betrage, aber beim Wohnungsbedarf neun Prozent zugrunde gelegt werden. Ziehe man die bereits geschaffenen Wohnungen ab, blieben eigentlich nur noch jährlich 50 Wohneinheiten – in der Sitzungsvorlage sei aber von 65 die Rede. Da half es auch nichts, dass Oldesloes Bauamtsleiter Thilo Scheuber ausführte, dass es sich nur um Prognosen handele.

Besonders sauer stießen bei Wortführer Ludwig Lutter die Pläne zur Bodenbevorratung auf. „Sie haben gesagt, das Profitinteresse der Stadt überwiegt. Das geht ja wohl gar nicht, die Stadt ist doch kein Gewerbegebiet“, wetterte Lutter. Andere Redner führten in teilweise ausufernden Beiträgen die verkehrliche Situation oder ökologische Argumente an.

Im Laufe des Abends wurden 28 Anträge gestellt. Von der Einstellung der Planung, Erstellung eines Entwicklungskonzepts, über Prüfung von Innenverdichtungsmöglichkeiten bis hin zur Reduzierung des Bus-Verkehrs – alles einstimmig angenommen. Damit wird sich Politik also befassen müssen. Dabei gibt es zum Thema Tegel ja bereits eine klar ablehnende Beschlusslage. Andreas Olbertz

 

Standpunkt

Getriebene Stadt ohne Vision

Das war ein machtvolles Signal: 110 Ja-Stimmen für ein Paket aus 28 Anträgen, keine Gegenstimme. Die Sache sollte klar sein, oder? Denkste! Diese Einwohnerversammlung hat mal wieder nur eins belegt, nämlich, dass die Anlieger dagegen sind. Eine Verallgemeinerung für das Stadtgebiet lässt das nicht zu. In einem Punkt haben die Gegner der Tegelkamp Bebauung allerdings Recht: Die Stadt Bad Oldesloe hat keine Vision, kein Planungsziel, sondern wird in ihrem Handeln oft von Investoren getrieben. Das muss sich ändern.

Andreas Olbertz