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Pressespiegel

22Apr

Lübecker Nachrichten vom 22. April 2015

Kulturzentrum 1,5 Millionen Euro teurer. Oldesloer Kommunalpolitiker halten derzeitigen Bauboom, Zinslage und Vergabeverfahren für den Auslöser.

Das Kultur- und Bildungszentrum in Bad Oldesloe

Das Kultur- und Bildungszentrum in Bad Oldesloe nimmt immer mehr Gestalt an. Das tun aber auch die Kosten des Großprojekts. Foto: von Dahlen

Von Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe – Die Kritiker haben es natürlich immer schon kommen sehen. Doch sind auch die Befürworter des Projekts alles andere als begeistert: Das neue Kultur- und Bildungszentrum (KuB) wird noch teurer. Nach derzeitigem Stand muss die Stadt etwa 1,5 Millionen Euro für den Umbau des alten Amtsgerichtsgebäudes nachschießen.

Einer Aufstellung zufolge, die auf der nächsten Sitzung des Finanzausschusses präsentiert wird, schlüsseln sich die Mehrausgaben so auf: 175 000 Euro aufgrund des Vergabeverfahrens, 335 000 Euro für den Rohbau von Amtsgericht und historischem Rathaus, 115 000 Euro aufgrund längerer Bauzeit sowie 570 000 Euro, da nachträglich Änderungen am Bauplan vorgenommen wurden.

„Zurzeit ist es egal, wo man baut, es läuft überall auf Preissteigerungen hinaus. Ob ich zu Hause einen neuen Zaun aufstellen will oder ob eine Kommune investiert“, skizziert Bürgermeister Tassilo von Bary die Lage. Der Euro sei schwach, das wirke sich negativ auf die Materialpreise aus. Nicht zu vergessen sei auch, dass Bad Oldesloe in einer boomenden Region liege.

Diese Einschätzung teilt auch Grünen-Fraktionschef Wilfried Janson. Da sich die Bauwirtschaft in einer Hochkonjunktur befinde, so dass die Betriebe volle Auftragsbücher haben, könne die Stadt gar nichts gegen ihre höheren Preisforderungen unternehmen. „Man könnte neu ausschreiben. Aber dadurch verzögert sich die Ausführung der anderen Gewerke und das wird auch wieder teurer“, erklärt Janson. Dass Bauleistungen zurzeit sehr kostspielig sind, zeige sich auch beim Ausbau der Straßen wie etwa beim Drosselweg. Kritisch hinterfragt werden müssten indes nachträgliche Änderungen, die so nicht geplant waren. Auch sie würden kräftig zu Buche schlagen. Darüber müsse im Hauptausschuss gesprochen werden.

Als Kostenfaktor, der jetzt zusätzlich aufgelaufen ist, hat SPD-Frakionschefin Maria Herrmann die fehlende Belüftung und Heizung in einigen Räumen ausgemacht. „Nehmen wir den Glasvorbau. Wenn er nicht ordentlich klimatisiert und beheizbar ist, kann man ihn nicht nutzen. Wir sitzen dann später mit beschlagenen Scheiben da und die Leute frieren“, sagte sie. Sie ist sich indes nicht sicher, ob diese wichtigen technischen Anlagen nicht einem „Streichkonzert“ zum Opfer gefallen waren, gab es in der Vergangenheit doch Bestrebungen, die Kosten des Projekts zu senken. Unabhängig davon gebe es jetzt ohnehin keinen Weg zurück mehr. „Das KuB ist schon so weit gediehen. Da müssen wir jetzt durch“, sagt Maria Herrmann.

Für Uwe Rädisch, den Bauexperten der Oldesloer CDU, ist die Angelegenheit damit aber noch längst nicht beigelegt. „Ich habe schon immer Kritik an der Projektleitung geübt. Das ist kein Vorwurf gegenüber unserer Kämmerin, es ist eine organisatorische Frage“, sagt er. Ein solch wichtiges und kompliziertes Projekt sei eine Sache von Fachleuten und hätte deshalb beim Bau- und Planungsausschuss der Stadt angesiedelt werden müssen. „Man hätte bei jedem Teilaspekt einsteigen müssen, um den Architekten, Planern und Baufirmen gegenüber dialogfähig zu sein. Den Hauptausschuss damit zu betrauen, war ein Fehler der Verwaltung. Dazu stehe ich“, fuhr Rädisch fort.

Dem widerspricht der Vorsitzende des Hauptausschusses, Horst Möller (CDU). „Mit Andreas Weich haben wir bei der Stadt einen Ingenieur, der sich auskennt“, sagt er. Das Problem sei, dass die Planungen fürs KuB schon vor Jahren bei der Fördermittelstelle eingereicht werden mussten. Insofern stimmten die Kostenverhältnisse jetzt nicht mehr überein. „Man kann es aber beklagen, wie man will. Ich glaube, da müssen wir jetzt durch“, sagt Möller.

Wie Rädisch ist auch Matthias Rohde, Freie Bürger für Bad Oldesloe (FBO), der Meinung, das Großprojekt gehöre in andere Hände, nämlich in die des Finanzausschusses, dessen Mitglied er ist. „Das Vorhaben KuB läuft offenbar aktuell immer krasser aus dem Ruder“, schreibt er in einer E-Mail, die der Einladung zur nächsten Sitzung angeheftet ist, an die Vorsitzende des Finanzausschusses.

Der Hauptausschuss tagt am Mittwoch, 29. April, ab 19 Uhr im Verwaltungsgebäude.