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Pressespiegel

14Mär

Lübecker Nachrichten vom 14. März 2015

Poller sollen Fußgänger schützen. Beirat begrüßt die Verkehrsberuhigung in Bad Oldesloe, fordert aber Ausnahmen für behinderte Menschen.

Die Fußgängerzone mit DHL-Auto

Die Fußgängerzone – ein Ort zum Verweilen und Klönen. Manchmal wird die Ruhe durch den Lieferverkehr gestört. Innerhalb der erlaubten Zeiten ist dies allerdings völlig legitim. Fotos: von Dahlen

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe – Trägt die Oldesloer Fußgängerzone ihren Namen eigentlich noch zu Recht? In jüngster Zeit häufen sich die Beschwerden, dass Autofahrer das Durchfahrtsverbot einfach ignorieren und sich auch der Lieferverkehr nicht mehr an die klar geregelten Zeiten hält. Auf Antrag von Karin Hoffmann (Grüne) hat sich die Stadtverwaltung mit dem Problem befasst und schlägt den Einbau von elektrisch versenkbaren Pollern vor. Damit sollen „Schwarzfahrer“ aus dem geschützten Gebiet verbannt werden, ohne dass der Lieferverkehr ins Hintertreffen gerät.

„Diese Verkehrsberuhigung ist einerseits zu begrüßen. Doch an Einwohner mit eingeschränkter Mobilität wurde noch nicht gedacht“, reagierte Yannick Thoms, die Vorsitzende des Oldesloer Behindertenbeirats, während einer Ausschusssitzung auf die geplante Neuerung. Für die Betroffenen wirke sich das Fahrverbot außerhalb der Lieferzeiten nachteilig aus. Rollstuhlfahrer sowie Geh- und auch Sehbehinderte seien aufs Taxi angewiesen. Deshalb müsse es möglich sein, dass sie bei dringenden Arztbesuchen vor ihrer Haustür abgeholt beziehungsweise auch vor der Praxis in der Fußgängerzone abgesetzt werden können. Das werde im Vorschlag der Verwaltung noch nicht berücksichtigt.

„Manchmal fühlt man sich wie auf einer Autobahn. Wenn die Leute draußen im Café sitzen wollen, fährt ständig jemand mit dem Auto vorbei. Auch Mütter können ihre Kinder nicht so herumlaufen lassen“, erläuterte Karin Hoffmann, weshalb sie eine Verkehrsberuhigung für unumgänglich hält. Solange der Stammsitz eines Taxiunternehmen innerhalb der Fußgängerzone liege, werde sich an der Situation wohl leider nicht viel ändern. Sogar die Geldtransporter würden die Banken von der Fußgängerzone aus beliefern, obgleich es Zufahrten von der Rückseite der Gebäude gebe.

Was die Belange von Menschen mit Behinderungen angeht, so sprach sich der Beirat dafür aus, dass alle auf besonderen Antrag eine dauerhafte Ausnahmegenehmigung zur Durchfahrt bekommen sollen. Wenn dies auch von den Stadtverordneten akzeptiert werde, erhielten sie den Code, mit dem sich die Poller für kurze Zeit zum Durchfahren öffnen lassen.

Kritisiert wurde während der Beiratssitzung, dass sich niemand zuständig fühle, die Verstöße gegen das Durchfahrverbot zu ahnden. Die SPD-Stadtverordnete Maria Herrmann schilderte ihre Beobachtung, wie ein Autofahrer ungehindert durch die Fußgängerzone fuhr, obwohl ein Polizist in der Nähe stand. Unklar blieb auch, ob die Stadt selbst eine ordnungsrechtliche Handhabe gegen die Verkehrssünder hat.

Nach dem Vorschlag der Verwaltung sollen die Poller an der Hindenburgstraße/ Hagenstraße, Heiligengeiststraße und an der Hude versenkbar sein, während das Hindernis an der Einmündung Mühlenstraße/Hagenstraße fest montiert bleiben soll. Zudem ist ein fünfter Poller am Standort Besttorstraße im Gespräch.

Damit der Handel beliefert werden kann, sind schon jetzt Ausnahmen zugelassen. Von 6 bis 10.30 Uhr sowie von 18 bis 22 Uhr dürfen die Geschäfte mit Waren bestückt werden. Einige Besucher des Beirats äußerten, diese Zeiten seien zu ausgedehnt und sollten stärker eingeschränkt werden. Yannick Thoms sah indes keine Veranlassung, darüber abstimmen zu lassen. Diese Frage sei nicht spezifisch auf die Belange von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten und gehöre deshalb eher in den Bau- und Planungsausschuss.

Dieses Gremium wird sich auf einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Thema befassen.

Behindertenparkpätze nicht geeignet

Debattiert wurde im Beirat auch über die Parkmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen. Nach einer Auflistung der Stadtverwaltung gibt es im gesamten Oldesloer Gebiet 21 Standorte für Behindertenparkplätze.

Die Situation ist nach Darstellung des Stormarner Behindertenbeauftragten allerdings noch verbesserungswürdig. Laut Rainer J. Steinfeldt gibt es zwar im Stadtzentrum einige ausgewiesene Stellflächen. Doch seien nicht alle behindertengerecht. Um einen Rollstuhl ein- und ausladen zu können, müsse genug Platz zur Seite oder auch am Heck des Fahrzeugs verfügbar sein. Das sei längst nicht bei allen ausgewiesenen Parkplätzen in der Stadt gewährleistet.

Im Beirat wurde deshalb angeregt, dass eine Bestandsaufnahme aller Behindertenparkplätze in Bad Oldesloe angefertigt wird, um zu überprüfen, ob sie den geforderten Normen überhaupt entsprechen.