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Pressespiegel

04Mär

Stormarner Tageblatt vom 5. März 2015

St. Jürgen-Stiftung am Ende? Verluste des Heims übersteigen Stiftungserlöse / Betrieb am Kirchberg kurz vor dem Verkauf.

Historisches Ensemble auf dem Kirchberg: Das Altenheim St. Jürgen

Bad Oldesloe

Das sieht alles andere als rosig aus: Wenn nicht umgehend entscheidende Änderungen vorgenommen werden, steht die traditionsreiche Oldesloer Stiftung St.-Jürgen-Hospital vor dem Aus. Doch die FBO hat bislang verhindert, dass die dringend benötigte Satzungsänderung beraten und beschlossen werden konnte. Patricia Rohde wirft dem Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU), der Kraft Amtes Vorsitzender der Stiftung ist, bewusst die Unwahrheit gesagt oder unvollständig informiert zu haben. Auch im Vorstand hängt der Haussegen schief. Karin Hoffmann (Grüne) hat ihren Posten hingeschmissen: „Seitdem ich dem Vorstand angehöre, habe ich den Eindruck, dass meine Anregungen und Anträge bezüglich des schnellen und dringend notwendigen Handlungsbedarfs der Umstrukturierung der Stiftung mit Hilfe von wirtschaftlichem Sachverstand, nicht erwünscht sind und höchstens als störend empfunden werden.“ Bei den Grünen ist niemand bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.

„Es ist substanzlos und sehr von Widersprüchen gezeichnet“, kontert Rainer Fehrmann die Anschuldigungen. Er werde an der nächsten Sitzung des Hauptausschusses teilnehmen. „Dann wird sich Frau Rohde erklären müssen“, so der Vorsitzende, der das Ganze für eine persönlich motivierte Attacke gegen ihn hält. Da es einen nichtöffentlichen Sachverhalt betrifft, halten sich beide Seiten mit klaren Fakten äußerst bedeckt.

Kern des Problems ist der Alten- und Wohnheimbereich, denn der weist jedes Jahr einen unteren sechsstelligen Verlustbetrag aus. Die von der Stiftung erzielten Erlöse, mit denen das Minus ausgeglichen wird, sind aber nur etwa halb so hoch. In der Folge schmelzen die liquiden Mittel, die nicht mehr ausreichen, das Risiko des Betriebs dauerhaft abzudecken. Es müssten Ländereien veräußert werden, was sinkende Pachteinnahmen zur Folge hätte – das Ende wäre absehbar.

Die 13 Wohnheim- und 39 Pflegeplätze sind viel zu wenig, um das Heim rentabel betreiben zu können. 2004 hat das Stift einen 2 Millionen Euro teuren Neubau am Kirchberg eröffnet. „Der läuft bis heute nicht. Diese Hypothek habe ich übernehmen müssen. Da muss ein ganz neues Konzept her“, räumt Fehrmann ein. 2011 war die Brandschau im Heim. Um die Auflagen zu erfüllen, müssten weitere 400 000 Euro investiert werden. Fehrmann: „Und dann bräuchten wir noch mal 200- bis 300 000 Euro für den Abbau des Investitionsstaus.“ Diese Summen hat die Stiftung nicht. Hinzu kommt Misswirtschaft in der Vergangenheit: Tausende Überstunden hatten sich angehäuft, es wurde überteuert eingekauft – das hat der neue Heimleiter Harald Krüchten in den Griff bekommen. Was er nicht ändern kann, ist die Tatsache, dass das Personal nach dem Tarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt wird. „10 bis 20 Prozent mehr – das schlägt voll rein“, so Fehrmann, der auch auf die Millionenverluste der kommunalen Heime in Lübeck und Bad Segeberg verweist.

Der Vorstand hat verschiedene Varianten geprüft. Die Senkung der Personalkosten über einen Haustarif wurde mehrheitlich abgelehnt. Expansion in Form von zusätzlichen Pflegeplätzen hätte weitere hohe Investitionen zur Folge, die wirtschaftlich nicht darstellbar seien. Eine Vermietung des Neubaus scheint aussichtslos.

Da rückt ein Verkauf in den Fokus. Einen Interessenten für das Ensemble gibt es bereits. Die Stiftung könnte sich damit ihrer Schulden und Rentenverpflichtungen entledigen, müsste keine Defizite mehr ausgleichen und könnte sich auf ihre historische Kernaufgabe beschränken: Bezuschussung von alten und pflegebedürftigen Oldesloern. Das geht aber nur über eine Satzungsänderung, die bislang noch das Führen eines Alten- und Pflegeheims vorsieht.“ Obwohl die Stiftung autark ist, bedürfen Satzungsänderungen der Zustimmung der Stadtverordneten. Doch dafür müsste das Thema auf die Tagesordnung. Andreas Olbertz

 

Kommentar

Mehr Professionalität nötig

Ein Altenheim leitet man nicht so eben nebenher. Wohin das führt, wenn Oberlehrer, Eisenbahner oder Hausfrauen ein Wirtschaftsunternehmen lenken, sehen wir jetzt leider. Ernsthaftigkeit und guten Willen kann man ihnen nicht absprechen. Die, die wirklich was von Zahlen verstehen, haben die Brocken längst hingeschmissen. Die Stiftungssatzung muss dringend professionalisiert werden.

Andreas Olbertz, Redakteur
Kontakt zum Autor: ol@shz.de