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Pressespiegel

23Jan

Lübecker Nachrichten vom 23. Januar 2015

Ein starkes Signal zur Verständigung. Oldesloer Hauptausschuss spricht sich für eine Partnerschaft mit dem palästinensischen Jifna aus.

Marktplatz der lalästinensischen Gemeinde Jifna

So sieht es auf dem Marktplatz der lalästinensischen Gemeinde Jifna aus.

Das Ehepaar Hartmut und Brigitte Jokisch mit ihrer palästinensischen

Das Ehepaar Hartmut und Brigitte Jokisch mit ihrer palästinensischen

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe – Die Stadt Bad Oldesloe ist im Begriff, eine neue Bindung einzugehen. Nachdem schon seit mehr als 25 Jahren eine Beziehung zum israelischen Beer Yaacov gepflegt wird, soll es nun einen Brückenschlag in Richtung Palästina geben. Partnerin der Kreisstadt könnte die Gemeinde Jifna bei Ramallah im Westjordanland werden, wenn sich auch die Stadtverordneten am Montag einverstanden erklären. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, haben doch SPD, Grüne, FDP und Linke den Antrag für die Partnerschaft gemeinsam gestellt und schon im Hauptausschuss mehrheitlich dafür gestimmt.

Hartmut Jokisch vom Vorstand des Freundeskreises Beer Yaacov hatte das Projekt am Mittwochabend vorgestellt. Ursprünglich sei geplant gewesen, auch das Flüchtlingslager Jalazoun einzubinden, berichtete er. Doch gebe es große Spannungen zwischen den dort lebenden jugendlichen Muslimen und der Bevölkerung von Jifna. „Wir wollen uns da nicht zwischen zwei Stühle setzen und deshalb die Partnerschaft auf Jifna begrenzen“, sagte Jokisch.

SPD-Fraktionschefin Maria Herrmann nannte das Vorhaben „ein starkes Signal der Völkerverständigung“. Sie stehe dahinter, handele es sich doch nicht nur um ein bloßes Bekenntnis, das auf dem Papier stehe, sondern um ein aktives Bemühen um eine Vermittlung zwischen Israel und Palästina.

Dieser Idee gaben im Ausschuss indes nicht alle Parteien eine Chance. Torsten Lose berichtete etwa, dass es innerhalb der CDU-Fraktion keine einhellige Meinung gab, weshalb nun jeder nach seiner Façon abstimme. In seinen Augen sollte die Freundschaft zu Beer Yaacov Priorität genießen. Angesichts der großen Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern sei es für diese Partnerschaft schädlich, wenn die Stadt nicht nach ihrem Einverständnis gefragt werde. Dieser Meinung schloss sich Gudrun Möllnitz (CDU) an. Es müsse klar sein, dass Beer Yaacov einer Aussöhnung positiv gegenüber stehe, sagte sie.

Uwe Rädisch (CDU) unternahm einen Ausflug in die Geschichte, um zu dokumentieren, wie aussichtslos ihm das Unterfangen erscheint, die beiden seit Jahrzehnten verfeindeten Konfliktparteien zu versöhnen. Nicht einmal den Großmächten sei dies gelungen, sagte Rädisch, räumte aber ein, dass er dem Partnerschafts-Projekt Respekt zolle und deshalb nicht dagegen stimmen, sondern sich enthalten wolle.

Dem hielt Hinrich Stange (FDP) entgegen, dass es sich um eine „vorgelebte Bürgerverständigung“ handele. Es gehe darum, beiden Seiten Gehör zu schenken, um sich ein vollständiges Bild der Lage im Westjordanland zu verschaffen.

In diese Kerbe schlug auch Hendrik Holtz (Linke). Die Chance bestehe darin, dass die Städtepartnerschaft nicht von wirtschaftlichen Interessen getragen sei, sondern vom Willen, zwischen den Menschen zu vermitteln. Die Erfahrung zeige, dass es besser sei, solche Konflikte „niedrigschwellig“ anzugehen.

Jokisch bestätigte dies und berichtete, wie er selbst zur Verständigung beitragen konnte, als er einmal von Israel aus nach Jifna gefahren sei. „Unsere Gastgeberin hat uns damals gewarnt: ’Oh Gott, die bringen Euch um’. Allein, dass ich heil zurück gekommen bin und ihr später von der Begegnung mit Palästinensern erzählen konnte, hat das Vorurteil aufgelöst“, erzählte er. In den Augen vieler Israelis seien Palästinenser Verbrecher. Deshalb bedürfe es eines außenstehenden Vermittlers, um zu zeigen, dass es möglich ist, miteinander zu reden. Im Übrigen habe auch niemand voraussehen können, dass die deutsche Wiedervereinigung eines Tages Wirklichkeit werden würde. „Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“, ergänzte Björn Wahnfried (SPD).

„Ich persönlich wäre eher für die Elfenbeinküste“, sagte Bürgermeister Tassilo von Bary. Er habe dort ein Patenkind im SOS Kinderdorf und wisse um die Verhältnisse in diesem Land, das durch die Ebola-Krise gebeutelt sei und deshalb Hilfe brauche. Dafür spreche, dass dort Französisch gesprochen werde. Mit seinem Vorschlag vermochte sich von Bary allerdings nicht durchzusetzen.

2017 feiern Bad Oldesloe und Beer Yaacov den 30. Geburtstag ihrer Partnerschaft

Die Städtepartnerschaft zwischen Bad Oldesloe und der 15 Kilometer von Tel Aviv gelegenen israelischen Stadt Beer Yaacov wurde im Jahr 1987 besiegelt. Den Partnerschaftsvertrag unterschrieben seinerzeit Beer Yaacovs Bürgermeister Nachum Itzkovitch und sein Oldesloer Kollege Ulrich Gudat. Zustande kam die Freundschaft auf Initiative des damaligen VfL-Vorsitzenden Walter Busch. Seit sieben Jahren betreut Hartmut Jokisch das Projekt. Unter seiner Regieg ab es bis auf 2014 alle zwei Jahre einen Schüleraustausch. Zum 25-jährigen Bestehen widmeten die Israelis der Stadt Bad Oldesloe eine neue Eisenbahnbrücke.