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Pressespiegel

07Jan

Lübecker Nachrichten vom 7. Januar 2015

Nach Grabau-Attacke: Oldesloer demonstrieren für Flüchtlinge. Kundgebung am Sonnabend auf der Hude. Diskussion über Form der Solidarität.

Von Uwe Krog

Bad Oldesloe – Das Bündnis gegen Rechts will am Sonnabend auf die Rauchbomben-Attacke in einer Grabauer Flüchtlingsunterkunft reagieren. Vayuz Bilgic vom Oldesloer Migrationsforum hat die Teilnahme seiner Gruppe inklusive Arabisch-Dolmetscher an der Kundgebung ab 11 Uhr auf der Hude bereits zugesagt. „Wir müssen Zähne zeigen“, zeigt er sich einig mit den Leuten vom Bündnis.

Doch das Vorgehen ist nicht unumstritten. Erst nach intensiver Diskussion stimmte Lehrer Hartmut Jokisch zu, auf der Hude mitten im Herzen der Kreisstadt wenige Tage nach der Tat ein Zeichen zu setzen. Eine etwas längerfristig geplante Veranstaltung mit mehreren anderen um Flüchtlingsintegration bemühten Gruppen erscheine ihm effektiver, um bislang unbeteiligte Mitmenschen zum Mitmachen anzuregen. „Nicht einfach nur Plakate hochhalten. Wir wollen die Hand reichen“, sei für ihn wichtiger. Doch damit konnte er sich nicht durchsetzen.

Die Mehrzahl im Bündnis gegen Rechts will eine schnelle, deutliche Reaktion auf die Attacke von Grabau. Walter Albrecht: „Wir müssen auf die Straße gehen.“ Die Diakonie will er mit ins Boot holen und die Flüchtlinge selber. Einige hätten Bereitschaft gezeigt, selber öffentlich zu reden. Unterstützt wird der Gewerkschafter unter anderem vom einzigen Vertreter der Linken in der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung. Hendrik Holtz hält „Wegducken“ für grundverkehrt. „Auf diese Tat muss eine Tat folgen“, argumentiert er. Neben der Aktion am Sonnabend sei es zudem wichtig, in die Schulen zu gehen und Fremdenfeindlichkeit zu thematisieren. Auch die im Forum diskutierte Frage, ob die Betroffenen selber reden sollten, bejaht er.

„Jeder soll sich äußern können. Wir zeigen Gesicht.“ Neben anderen würde Grabaus Bürgermeister Hans-Joachim Wendt allerdings gerne vermeiden, die Bewohner der Unterkunft an die Öffentlichkeit zu zerren. „Das Verhältnis zu den Leuten ist doch gut.“  Zwei Familien in Grabau würden sich besonders rührend um sie kümmern. “Und auch die zögen eher das stille Wirken dem öffentlichen Auftritt vor.

Lieber „weniger laut, aber mehr engagiert im Alltag der Flüchtling durch die Teilnahme am Vereinsleben und in Nachbarschaften“ hält Sozialdemokratin Maria Herrmann für besser. Die Fraktionsvorsitzende in Oldesloe fürchtet durch eine Demonstration nur eine „Verhärtung der Fronten“. Sie selber halte Kundgebungen für wichtig, „weil es nötig ist, früh aufmerksam zu machen und sich nicht alles bieten zu lassen“. Eine Demonstration sei dort richtig, wo das fremdenfeindliche Potential hoch sei. Wichtiger sei jetzt aber, in den Köpfen etwas zu verändern, Begegnungen zu schaffen. „Damit bislang Unbeteiligte sehen, dass die Flüchtlinge Menschen sind wie du und ich.“

Der Fokus müsse bei der Demo darauf liegen, Solidarität mit allen Flüchtlingen zu bekunden und für eine offene Gesellschaft einzutreten“. So wie Albrecht Werner von der Initiative Asyl in Reinfeld, der einer lautstarken Demonstration ebenso skeptisch gegenüber steht. „Wir müssen die Schärfe herausnehmen. Damit bestimmte Leute sich nicht in die Ecke gedrängt und provoziert fühlen.

“Oldesloes Bürgervorsteher Rainer Fehrmann will am Sonnabend allerdings kein Grußwort sprechen. „Die Attacke hat keinen Bezug zu Bad Oldesloe.“ Da sei eher der Bürgermeister von Grabau gefragt, der seinen Ort bei der Demonstration in Oldesloe auch vertreten will.

Trotz der geäußerten Bedenken gegen die Form der Demo – dabei sein wollen aber alle Befragten. Das Ereignis sei als verwerflich zu bewerten und „wir müssen sofort sagen, was wir davon halten“, formuliert Fehrmann. Albrecht Werner fordert: „Wir müssen deutlich gegenhalten.“