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Pressespiegel

05Dez

Stormarner Tageblatt vom 5. Dezember 2014

VfL zurück in den Kurpark! Anweisung des Bürgermeisters nach turbulenter Ausschusssitzung / Politiker sprechen von Nötigung.

Die Mitglieder des Sozial-Ausschusses in der Oase und protestierende VfL-Mitglieder

Bad Oldesloe

Wenn das mal nicht ein Punktsieg des VfL ist. Zumindest mit den Füßen ist der Verein im Kurparkstadion zurück. Als strahlende Sieger verließen zahlreiche VfL-er die Sitzung des Sozialausschusses. Bürgermeister Tassilo von Bary wurde als Retter des Mädchenfußballs beklatscht. Bei den Politikern durch alle Fraktionen machte sich Entsetzen breit.

Weil sich ein Tagesordnungspunkt um das Mehrgenerationenhaus Oase drehte, war beschlossen worden, dort zu tagen, um sich vor Ort ein Bild machen zu können. Immer mehr VfL-Mitglieder strömten in den kleinen Tagungsraum, um ihrem Ärger kräftig Luft zu machen. Etliche Mädchen der Jugendmannschaften des VfL ließen sich auf schmalen Holzbänken an der Wand und auf dem Fußboden nieder. Sie waren gekommen, um gegen die Aussperrung aus dem Kurpark-Stadion zu protestieren. Bekanntlich streitet sich der VfL mit dem Pächter des Stadions, dem SV Türkspor, über die Höhe der Betriebskosten. Da der VfL nur einen Bruchteil der Summe zahlt, hatte Türkspor die weitere Nutzung untersagt (wir berichteten).

„Alle Mädchen, die im VfL leistungsorientiert Fußball spielen, sind von dem Rauswurf betroffen“, klagte Corinna Buhk, Mutter einer fußballbegeisterten Tochter. VfL-Jugendwart Michael Franke, dem die Ausschussvorsitzende Annelie Strehl (FBO) zunächst das Wort entziehen wollte, weil er nicht in Bad Oldesloe, sondern in Rethwisch wohne, übergab dem Ausschuss ein Schreiben. „Fast 100 Mädchen und auch Jungen stehen jetzt auf der Straße und haben keine Trainingsmöglichkeit. Wir sind ziemlich entsetzt. Wie positioniert sich der Ausschuss dazu?“, wollte der Jugendwart wissen.

Die Politik habe damit nichts zu tun, es handele sich vielmehr um einen reinen Verwaltungsakt, betonte der Bürgermeister. „Für die Mädchen kann man deshalb leider nichts machen“, so von Bary, dessen Aussage einen Sturm der Entrüstung bei den VfL-ern auslöste. „Da machen Sie es sich aber doch sehr einfach“, kritisierte VfL-Vorsitzender Detlef Rädisch. Es waren fast schon tumultartige Zustände in der Oase. „Als Bürgermeister kann ich allerdings anordnen, dass das Kurparkstadion für die Mädchen wieder geöffnet wird. Ich werde den SV Türkspor anweisen, dass die Fußballerinnen des VfL bis zum 15. Dezember wieder auf dem Platz spielen dürfen“, schwenkte der Bürgermeister plötzlich um.

Mit seinem „Einknicken“ falle der Bürgermeister seinen Mitarbeitern in der Verwaltung in den Rücken, kritisierte Maria Herrmann (SPD). Am nächsten Morgen verschickte die Stadt eine Pressemitteilung, dass sich Verwaltung und SV Türkspor „in gegenseitigem Einvernehmen“ auf diese Variante geeinigt hätten. Damit stellt sich die Frage, ob der Bürgermeister überhaupt eine derartige Anweisung erlassen durfte, nicht mehr. Am 15. Dezember soll ein Gespräch stattfinden. Tassilo von Bary: „Das ist der Endpunkt. Wenn der VfL die Zahlen nicht anerkennt, ist er raus.“

Gudrun Möllnitz (CDU) findet: „Der VfL schadet sich mit solchen Auftritten. Körpersprache und Art des Auftritts waren fast unerträglich.“ Von mehreren Seiten wurde geäußert, dass das Vorgehen an Nötigung grenze. Maria Herrmann: „Das ist mal wieder ein Lehrstück: Wer am lautesten schreit, bekommt Recht.“

Susanne Rohde
Andreas Olbertz