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Pressespiegel

14Nov

Lübecker Nachrichten vom 14. November 2014

Kommunen wollen Flüchtlingen helfen. Die einen setzen auf hauptamtliche Integrationslotsen, die anderen auf bürgerschaftliches Engagement.

Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch und Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary

Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch und Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary

Von K. Kuhlmann-Schultz

Bad Oldesloe – Bargteheide und das Amt Bargteheide-Land machen es vor: Sie wollen die Integration von Flüchtlingen in hauptamtliche Hände legen und dafür die Stelle des Integrationslotsen schaffen. Kostenpunkt: 59 000 Euro inklusive Sachkosten pro Jahr. Finanzielle Unterstützung erhoffen sie sich dabei vom Land aus dem Topf „Integration von Migranten und Asylbewerbern“. Eine Zusage steht allerdings noch aus. Kann und soll das Bargteheider Beispiel im Kreis Stormarn Schule machen? Die Zahl der Flüchtlinge wird schließlich weiter steigen.

Für Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary steht fest: „Einen Integrationslotsen brauchen wir nicht. Wir haben das Migrationsforum, die Migrationssozialarbeit der Diakonie und die Behördenlotsen“, so der Verwaltungschef. Und auch wenn die Kreisstadt über dem Soll liegt – „wir müssten 70 aufnehmen, haben aber 85“ – sieht er keine Notwendigkeit.

Ähnlich sieht es auch Rolf Menzel, der Abteilungsleiter des Ordnungs-, Sozial- und Standesamtes des Amtes Nordstormarn. „Wir haben viele Ehrenamtler, die sich sehr erfolgreich um die Flüchtlinge kümmern“, erklärt er auf Anfrage der LN. Die Zusammenarbeit zwischen Amt und den Ehrenamtlern sei „sehr gut“. Zum einen stünde die Verwaltung in engem Kontakt zu der Initiative Asyl in Reinfeld, zum anderen würden aber auch Einzelne sich sehr intensiv um die Flüchtlinge kümmern. Menzel will zudem erst einmal abwarten, was passiert, wenn das Projekt des Kreises im kommenden Jahr anläuft, das die Kommunen bei der Erstaufnahme von Asylsuchenden und Flüchtlingen entlasten soll. Gedacht ist, die Willkommenskultur zu intensivieren, in dem Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt und der Migrationssozialarbeit die Stormarner Ämter bei der Erstaufnahme und -betreuung der Flüchtlinge unterstützen. Gleichzeitig sollen die Ehrenamtler, die sich bereits um die Menschen kümmern, von den Fachleuten in ihrer Arbeit unterstützt werden.

Der Bürgermeister der Gemeinde Trittau und Verwaltungschef des Amtes Trittau, Oliver Mesch, ist gespannt, wie dieses Konzept, für das sich die Kreispolitik entschieden hat, umgesetzt wird. Höchstes Ziel sei grundsätzlich, dass „die die Asylbewerber vernünftig integriert werden können“. 52 Asylbewerber und Flüchtlinge leben derzeit im Amt. Die werden unter anderem vom Freundeskreis Flüchtlinge unterstützt, den Amtsvorsteher Ulrich Borngräber gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Walter Nussel gegründet hat. Ob ein hauptamtlicher Integrationslotse eine weitere Lösung wäre, mag Oliver Mesch noch nicht beurteilen. Grundsätzlich ist aber auch ihm klar: „Es muss zusätzlich was passieren. Ehrenamtler sind auf lange Sicht überfordert.“ Gleichzeitig möchte er durch einen Integrationslotsen keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen wie der Migrationssozialberatung schaffen.

Im Süden des Kreises hingegen ist man schon ganz anders aufgestellt: „Wir haben seit zwei Jahren einen Sprach- und Kulturmittler“, erklärt der Leiter des Reinbeker Amtes für Bürgerangelegenheiten, Torsten Christ. Vom kommenden Jahr an soll dieser, ein gebürtiger Iraner, sogar eine Vollzeitstelle bekleiden. „Für diese Stelle haben wir 58 000 Euro in den Haushalt gestellt“, erklärt Christ.

Gleich zwei Schlüsselerlebnisse hätten vor zwei Jahren dazu geführt, dass damals über die Arbeiterwohlfahrt der Mitarbeiter stundenweise eingestellt wurde: „Wir hatten einen Mord und wir hatten einen Asylbewerber, der sich komplett zurückgezogen hatte“, so Christ. Dieser Mann „hat einfach nur noch darauf gewartet, dass er stirbt“. Dieses menschliche Drama sei erst ziemlich spät aufgefallen. Das sollte nicht noch einmal passieren, deshalb hat Reinbek reagiert: Neben seiner Dolmetschertätigkeit steht der Kulturmittler deshalb im engen Kontakt mit den 102 Flüchtlingen und Asylbewerbern in der Stadt.  

Angebote bündeln

Derzeit leben im Kreis Stormarn 896 Asylbewerber. In vielen Orten stehen ihnen Bürger zur Seite, die ihre freie Zeit damit verbringen, die Flüchtlinge und Asylbewerber bei der Integration zu begleiten. Sie helfen ihnen, die deutsche Sprache zu lernen und sich mit der deutschen Kultur vertraut zu machen.

Die Idee des hauptamtlichen Integrationslotsen ist es, eine Willkommenskultur sicherzustellen. Der Lotse soll unter anderem Anlaufstelle für die Ehrenamtler sein, soll ehrenamtliche und bürgerschaftliche Hilfsangebote bündeln.