Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

07Nov

Lübecker Nachrichten vom 7. November 2014

Oldesloe soll faire Handelsstadt werden. Die Mehrheit der Stadtpolitiker sprach sich für eine Teilnahme bei der Kampagne Fair-Trade-Town aus.

Transfair-Siegel

Von K. Kuhlmann-Schultz

Bad Oldesloe – Bad Oldesloe macht sich auf den Weg, eine Fair-Trade- Stadt zu werden. Mit einer Mehrheit von 17 Stimmen setzten sich die Grünen auf der Stadtverordnetenversammlung jetzt mit ihrem Antrag durch. Bekommt die Kreisstadt das Zertifikat, dann wäre es die erste Stadt im Kreis Stormarn, die dieses Siegel hat. Zur Zeit gibt es in Deutschland 261, in Schleswig-Holstein gerade einmal elf faire Handelsstädte.

„Es ist eine Sache, wo alle mitmachen können“, erklärte Karin Hoffmann (Grüne), „es kostet uns nichts und trägt die Stadt voran.“ Deshalb zeigte sie auch kein Verständnis dafür, dass die CDU dem Antrag nicht folgen wollte. „Es ist kleinkariert, so eine Sache abzulehnen“, befand die Politikerin.

Horst Möller, dem Fraktionsschef der Christdemokraten, fehlte die Ausformulierung der unterschiedlichen Kriterien, die von Seiten der Stadt erfüllt werden müssen, um das Siegel zu bekommen. Diese wurden zwar bereits im September- Hauptausschuss vorgetragen, im Grünen-Antrag für die Stadtverordnetenversammlung fehlten sie jedoch. „Wo sind die Kriterien, wer legt sie fest? Das ist für mich nicht transparent“, monierte Möller deshalb. Zudem fragte sich der CDU-Mann, ob es tatsächlich so fair und ökologisch sei, Fair-Trade- O-Saft zu trinken, wenn die Früchte dafür aus Afrika stammten. „Die Faire-Trade-Town Bad Oldesloe bringt uns nicht voran.“

Der Vorschlag zur Güte von Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos), eine Vorlage zu präsentieren, aus der die Kriterien hervorgehen würden, um dann bei der kommenden Sitzung darüber abzustimmen, wurde abgelehnt.

Auch Hinrich Stange (FDP) zweifelte an der Zertifizierung, stimmte aber schließlich dafür. „Natürlich ist jeder zu einem nachhaltigen Lebenstil aufgefordert“, unterstrich der Liberale. Aber „jede Bevorzugung eines Warenzeichens beinhaltet auch immer eine Diskriminierung.“ Auf der einen Seite gebe es den Fair-Trade-Wein, aber „was ist mit dem deutschen Winzer“? Stange plädierte trotz seiner Bedenken dafür, es auszuprobieren. Das Siegel würde erst einmal für zwei Jahre gelten, danach „sehen wir, was es uns gebracht hat“.

Der Marketingverein ’Wir für Bad Oldesloe’ hat sich zum Ziel gesetzt, eine Zertifizierung von Bad Oldesloe als faire Handelsstadt zu erreichen, weil dies unter anderem ein Alleinstellungsmerkmal der Kreisstadt in Stormarn und im Kreis Herzogtum Lauenburg wäre. Das ist ein weiteres Argument der Grünen, sich zu bewerben.

Marco Schmidt, Filialleiter des Modehauses Rohde, unterstrich, dass die Teilnahme an der Fair-Trade- Kampagne der Stadt ein besseres Image verpassen würde. „Der Handel sieht darin keine Nachteile“, ganz im Gegenteil. „Unsere Lieferanten denken auch über das Thema nach“. Bad Oldesloe könne sich jetzt schon dazu bekennen. Würde die Stadt noch länger zögern, dann „wären andere Städte schneller. So wäre Bad Oldesloe allein im Kreis Stormarn“.

Große Hürden um das Alleinstellungsmerkmal als faire Handelsstadt zu erreichen, gibt es nicht zu überwinden: Der Beschluss der Kommune liegt jetzt vor. Die Lenkungsgruppe, die die Aktivitäten koordiniert, um Faire-Trade-Town zu werden, ist beim Marketingverein „Wir für Bad Oldesloe“ angesiedelt. Bisher haben sich sechs Einzelhandelsgeschäfte, drei Gastronomiebetriebe und die Ida-Ehre- Schule bereit erklärt, das Vorhaben zu unterstützen. „Für eine Zertifizierung einer Stadt unserer Größe ist dies ausreichend“, erklärten die Grünen. Sie hoffen, dass Bad Oldesloe jetzt rasch die erste faire Handelsstadt im Kreis Stormarn werden kann.

Der Verein Transfair

Seit mehr als 20 Jahren unterstützt der Verein Transfair benachteiligte Produzentengruppen in Entwicklungsländern. Fairtrade verbindet Produzenten und Konsumenten und unterstützt Kleinbauernfamilien und Plantagenarbeiter im globalen Süden, damit sie die Armut aus eigener Kraft überwinden, ihre Stellung stärken und ihr Leben selbst bestimmen können.

Als Verein handelt Transfair nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte und fördert das Bewusstsein für einen nachhaltigen Konsum.

Transfair wird von etwa 30 Mitgliedsorganisationen getragen. Die Mitgliedsorganisationen, darunter Misereor,Brot für die Welt, Unicef und Welthungerhilfe, unterstützen Transfair mit Aktionen und tragen die Idee des Fairen Handels in ihre Netzwerke.

Mehr Infos unter fairtrade-towns.de