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Pressespiegel

07Okt

Lübecker Nachrichten vom 7. Oktober 2014

Jugendprojekt erfordert Umdenken. Oldesloer Streetworker ziehen Bilanz: Neue Konzepte müssen her, um junge Straffällige zu erreichen.

Bad Oldesloe.

Fast eineinhalb Jahre waren Erzieher Oliver Reher und Sozialarbeiterin Beatrice Schmidt als Streetworker unterwegs. Sie versuchten, den Kontakt zu Jugendlichen in Bad Oldesloe zu halten, die schon einmal straffällig geworden sind oder wegen Drogen auf die schiefe Bahn geraten waren. Finanziert wurde das Ganze vom Verein für Gefährdeten- und Straffälligenhilfe Stormarn (GuSS) aus Ahrensburg. Wie Reher und Schmidt unlängst im Oldesloer Sozialausschuss berichteten, war das Projekt in der kurzen Zeit noch nicht vom erhofften Erfolg gekrönt. Zudem müsse das Konzept überarbeitet werden.

Reher räumte ein, dass es gelungen sei, mit einigen Gruppen ins Gespräch zu kommen, die sich im Stadtgebiet treffen, im Parkhaus an der Post etwa oder im Kurpark. Auch an der Fußgängerbrücke hinter Penny hätten oft Jugendliche bis in die Nach gelärmt, so dass Anwohner die Polizei verständigt haben. Nachdem er mit den Jugendlichen gesprochen habe, seien sie dort nicht mehr auffällig geworden.

Doch letztlich sei es nicht gelungen, eine stabile Verbindung aufzubauen. „Es gibt eine starke Fluktuation in den Gruppen. Längerfristige Verabredungen sind schwierig. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass sie erscheinen. Sie leben eher im Moment“, berichtete Reher. Diese Erkenntnis erfordere ein Umdenken.

Das bestätigte auch Beatrice Schmidt, die Kontakt zu vielen Jugendlichen hat, da sie als Ansprechpartnerin für Obdachlose in der Unterkunft in der Lübecker Straße anzutreffen ist. Mit der aufsuchenden Jugendarbeit erreiche man die Zielgruppe nur bedingt. Vieles laufe unter den Jugendlichen über Facebook oder andere soziale Medien ab. Gut angekommen sei aber das große Fußballhallenturnier, das mit dem Verein „Sport vor Ort“ im Februar veranstaltet wurde. Insofern sei zu überlegen, ob das Augenmerk nicht stärker auf derartige Projekte gelegt wird.

Sowohl Reher als auch Schmidt kamen zu dem Ergebnis, dass die Schulsozialarbeit und andere Institutionen, die sich mit Jugendlichen beschäftigen, stärker in die Prävention einbezogen werden könnten als dies der Fall ist.

„Es war ein Testballon, den wir gestartet haben“, sagte GuSS-Vorsitzender Thomas Günther. Der Verein habe Geld zur Verfügung gehabt und der Stadt Bad Oldesloe ein Kooperationsangebot unterbreitet.

Ziel sei es gewesen zu erfahren, welche Angebote man den jungen Straffälligen unterbreiten müsse, um sie zu erreichen. Die Fachaufsicht habe dabei stets bei der Stadtverwaltung gelegen. Nach seiner Starthilfe sei der Verein aber jetzt finanziell nicht mehr in der Pflicht. Nun sei es an der Stadt zu entscheiden, ob und wie das Projekt weitergeführt werde.

Nach Günthers Dafürhalten sind Jugendliche, die während der Berufsausbildung scheitern, eine ganz besondere Zielgruppe, die stärkere Aufmerksamkeit erfordere. „Die Arbeitsagentur und das Jobcenter müssen ins Boot geholt werden. Das entspricht dem langfristigen Interesse“, sagt er.

Auf Beschluss des Sozialausschusses soll die Oldesloer Verwaltung bis Ende des Jahres ein Konzept vorlegen, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte.

Das Ziel ist die Prävention

Das Projekt zur „Kriminalprävention für gefährdete Jugendliche in Bad Oldesloe“ richtete sich vor allem an die Altersgruppe 14 bis 17 Jahre.

Ziel war es die Gruppen und ihre Treffpunkte auszumachen und ihnen Angebote, auch in der Freizeit, zu unterbreiten und Hilfe bei persönlichen Problemen anzubieten.

Die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen und Vereinen war ausdrücklich gewollt. Die wöchentliche Arbeitszeit der Streetworker betrug 15 Stunden, was diese als ausreichend bezeichneten.

Der Verein GuSS — 1998 von Jugendhilfe und Justiz in Bad Oldesloe gegründet — widmet sich der Prävention.