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Pressespiegel

02Jul

Lübecker Nachrichten vom 2. Juli 2014

Parkprobleme: Das Rad dreht sich weiter. Förderstelle lehnt Standorte für Radhaus am Bahnhof als zu entlegen ab. Neue Vorschläge sollen geprüft werden.

Steffen Mehrkens stellt sein Fahrrad am Bahnhof ab.

Auch Steffen Mehrkens zählt zu den Pendlern, die täglich ihr Rad am Oldesloer Bahnhof abstellen. Er gehört nicht zur Gruppe derer, die unbedingt

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe - Es schien ein konsensfähiges Projekt zu sein. Ein aus zwei Modulen bestehendes Radhaus mit 240 Plätzen sollte den Parkproblemen von Radlern am Oldesloer Bahnhof ein Ende bereiten. Darüber waren sich alle Fraktionen im Oldesloer Bau- und Planungsausschuss bis vor kurzem einig gewesen. Doch seit ihrer jüngsten Zusammenkunft am Montag abend hat sich das Blatt wieder gewendet. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

Einer davon betrifft die Wahl eines geeigneten Standortes. Zur Debatte standen jeweils Teilflächen auf den beiden Pkw-Parkplätzen an der Mommsenstraße oder Käthe-Kollwitz-Straße. Doch wie Bauamtsleiter Thilo Scheuber berichtete, hat es die Landesweite Verkehrsservicegesellschaft(LVS) abgelehnt, auch nur eine der beiden Varianten zu fördern. Als Begründung habe Geschäftsführer Jochen Schulz angeführt, dass beide Standorte zu weit vom Bahnhof entfernt seien. Die Erfahrung der Behörde habe gezeigt, dass es Radler gewohnt seien, ihr Gefährt gleich am Bahnhof abzustellen, und es ablehnen, weite Wege zu Fuß zurückzulegen. Die Gefahr bestehe, dass ein Radhaus an den entlegenen Standorten kaum genutzt werde.

"Das wäre unser liebstes Kind. Wenn es aber keine Zuschüsse gibt, ist es eine Totgeburt. Da stimme ich mit Herrn Schulz überein", sagte Hartmut Jokisch (Grüne).

Zu hohe Kosten führte Hinrich Stange (FDP) gegen das geplante Radhaus ins Feld. Nach einer Übersicht, die den Ausschussmitgliedern präsentiert wurde, müssten dafür inklusive der Tiefbauarbeiten und der Nebenkosten rund 800 000 Euro ausgegeben werden. Darüber sei er nahezu geschockt gewesen, merkte Stange an. Als schnellste technische Lösung schlug er vor, neue Unterstellmöglichkeiten im bereits bestehenden Gebäude zu schaffen. Dazu müssten die Frauen- und Behindertenparkplätze um 25 Meter verschoben werden. Gegen Letzteres protestierte die Vorsitzende des Oldesloer Behindertenbeirats, Yannick Thoms. "Für Menschen mit einer Gehbehinderung sind 25 Meter ein weiter Weg", gab sie zu bedenken.

So verfahren die Situation zunächst auch erschien - sie regte alle Beteiligten an, neue Varianten ins Spiel zu bringen. Kämmerin Mandy Treetzen schlug etwa vor, die festen Boxen aus dem bestehenden Parkhaus zu entfernen und dort mehr Fahrradbügel aufzustellen. Zudem könne der Platz zwischen den Gleisen genutzt werden.

Jokisch wiederum warf ein, man könne die Schließtechnik eines Radhauses in das bestehende Parkhaus einbauen und auf das automatische Stapelverfahren verzichten.

Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) hält ebenso wie Grünen-Fraktionschef Wilfried Janson am Radhaus-Modell fest. Wenn es in unmittelbarer Nähe des Bahnhof aus Sicherheitsgründen Probleme mit einem mehrstöckigen Parkgebäude gebe, so sei es vielleicht möglich, niedrigere Module nebeneinander zu stellen, merkte sie an. Im Übrigen könne die Stadt Einnahmen gegenrechnen, wenn am Gebäude Werbung angebracht werde .

Als neues Untersuchungsobjekt wurde auch der "riesige" Busbahnhof zur Diskussion gestellt. Hinderlich sei möglicherweise eine vertragliche Regelung, dass dort Parkplätze entstehen könnten, hieß es. Denn die Fläche befinde sich nicht komplett in Stadteigentum.

Der Ball ist nun wieder bei der Verwaltung angelangt. Ans Bauamt ist der Auftrag ergangen, alle neuen Vorschläge auf ihre Machbarkeit hin abzuklopfen. Das Ergebnis der Recherchen soll nach den Sommerferien im Bau-und Planungsausschuss als Beschlussvorlage präsentiert werden.

Kommentar

Dorothea von Dahlen über die Diskussion um das Radhaus

Bergtour zum Radhaus

Von Turbogang kann keine Rede sein. In puncto Fahrradparkplätze ist für die Mitglieder des Oldesloer Bau- und Planungsausschusses wohl eher die Bergschaltung angesagt. Denn der Wegzu einer einvernehmlichen Lösung scheint lang und steil. Kaum gerät eine Lösung in Sichtweite, stellen sich neue Hindernisse ein. Somit vergeht Jahr um Jahr. Vielleicht wäre es ratsam, das Projekt in kleine Tour-Etappen aufzuspalten. Schließlich gibt es Radler, die schon mit einem rustikalen überdachten Gestell zufrieden wären, für das sich vergleichsweise leicht ein Standort finden ließe. Die absolut diebstahlsichere und komfortable Variante für Eigentümer teurer Designräder könnte ja trotzdem weiter verfolgt werden. Wenn das in Frage stehende Radhaus nicht so groß dimensioniert ist, dürfte es später auch besser ausgelastet sein - und weniger kosten.