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Pressespiegel

21Jun

Stormarner Tageblatt vom 21. Juni 2014

Stormarner Wochenschau

www.wiedenroth-karikatur.de

Die ganz großen Kulturfragen

Saalschutz Verkehrte Welt im Oldesloer Hauptausschuss: CDU-Mann Uwe Rädisch springt vehement der SPD zu Seite, Hendrik Holtz von den Linken weist darauf hin, dass das Gesetz auch für Rechte gilt, und für die Grüne Karin Hofmann ist die ganze Debatte kalter Kaffee und heiße Luft: Wer angegriffen werde, dürfe sich auch verteidigen. Worum ging es: Immer noch und immer wieder um die AfD-Wahlkampfveranstaltung im Bürgerhaus und deren Saalschutz, der auch SPD-Stadtverordnete Maria Herrmann nicht durchließ. Da wird jetzt das große Rad gedreht, da soll festgeschrieben werden, dass niemand abgewiesen werden darf, weil er anderer Meinung ist, da möchte die SPD die Polizei vorladen, die das Bürgerhaus abgeriegelt habe. Ist und war die Demokratie in Gefahr? Wohl eher nicht. Wer seine Meinung als Partei oder Gruppe kundtun möchte, sollte sich in einer Demokratie darauf verlassen können, dass das auch möglich ist. Wer Störungen ankündigt, damit jemand seine Meinung nicht sagen kann, ist an Diskussion und Auseinandersetzung nicht interessiert. Mit Paragraphen bekommt man das kaum in den Griff. Das ist eine Frage politischer Kultur.

Schutzgebiet Eine Kulturfrage ist auch der Open-Air-Gottesdienst der Bargteheider Kirchengemeinde in Timmerhorn. Viele Jahre kamen die Menschen dort friedlich zusammen. Bis es jetzt einen verbohrten Kleingeist störte. Der schaltete die Behörde ein, weil das ein Naturschutzgebiet ist, und dort könne es ja wohl nicht erlaubt sein, dass Musik gemacht und gegrillt werde. Ist zwar nur der Parkplatz und von Schäden an Flora und Fauna ist aus den vergangenen Jahren nichts bekannt geworden. Aber die Rechtslage ist eindeutig. Die unterscheidet nicht zwischen Feuchtwiese und Parkplatz, zwischen Posaunenchor und Rockmusik. Eben eine Frage der Kultur, dieses Mal der Verbotskultur. Feierkultur Drei Tage Stadtfest, drei Tage Jubel, Trubel Heiterkeit. Die Macher von altStadt haben sich ordentlich ins Zeug. Natürlich könnte man dieses oder jenes besser machen, aber die Zahl der Aktiven wird immer geringer, das Anspruchsdenken steigt, die Kosten auch. Wie ein Ausweg aussehen könnte, war am Ende der Hindenburgstraße zu sehen. Dort hatten sich Geschäftsleute zusammengetan, und deren Chill-Out-Lounge kam sehr gut an. Warum gibt es nicht mehr davon? Das Stadtfest wird nur am Leben gehalten werden können, wenn es von vielen Schultern getragen wird. Danach sieht es bislang leider nicht aus.

Hilfskultur In Oldesloe wurde das ganz große Rad gedreht, als am Donnerstag eine Fünf-Zentner-Bombe unschädlich gemacht werden musste. Gefühlte 100 Fahrzeuge wurden auf dem Parkplatz eines ehemaligen Baumarkts gesammelt und warteten auf ihren Einsatz. Auch wenn es in echt nur gut 30 waren, es waren viel mehr als nötig. Es ist natürlich gut, dass wir sie haben, die Fahrzeuge und vor allem die freiwilligen Besatzungen von Johanniter, ASB, DRK, THW, Feuerwehren und wer da noch alles war. Und so ein Echt-Einsatz ist doch besser als eine Übung. Die Organisation hat ziemlich reibungslos geklappt. Bis auf eines: Erst hieß es: Wer keine Bleibe findet, kann in die Kurparkschule kommen. Dann: Kommt lieber zu Max Bahr. Was nachts abermals korrigiert wurde: Alles zurück, es bleibt bei der Kurparkschule. War das wirklich eine "Kommunikationspanne", wie die Polizei verlautete, oder Absicht, wie es unser Karikaturist Götz Wiedenroth zeichnete. Wenn die Betroffenen wie Nomaden hin und her und wieder zurück durch die - teilweise gesperrte Stadt - geschickt werden, muss sich gar nicht erst jemand um sie kümmern. Mit etwas Glück stecken sie immer noch im Stau, wenn die Bombe schon entschärft ist.

Rolf Blase, Andreas Olbertz