Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

25Sep

Kehrtwende: Exer-Zaun gekippt

Mehrheit der Stadtverordneten streicht 40 000 Euro aus dem Nachtragshaushalt / Debatte über Fairness und Bestand von Beschlüssen

Stormarner Tageblatt vom 25. September 2013

Bad Oldesloe

 

War’s das jetzt? Der neue Kunstrasenplatz auf dem Exer soll nun doch nicht eingezäunt werden. Einer der traditionsreichsten Fußballplätze im Land bleibt frei und für alle offen – so hat es eine deutliche Mehrheit der Stadtverordneten jetzt beschlossen – zum wiederholten Male.

Der Kunstrasen hat eine lange Vorgeschichte. Im Mai 2012 stellte die Verwaltung im Bauausschuss einen Entwurf vor. Kostenpunkt 640 000 Euro. Die SPD fragt damals an, ob der Zaun sein müsse, VfL-Vorsitzender Detlef Rädisch hält das für sinnvoll. Thema durch. Mit nur einer Gegenstimme (FDP) wird die Planung bewilligt. Wenig später wird der Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung bestätigt. FBO und FDP waren dagegen, alle andere dafür.

Zu den Haushaltsberatungen stellte die SPD den Antrag vorerst ein Jahr auf einen Zaun zu verzichten. Im Oktober waren noch alle dafür, der Beschluss fiel einstimmig. Zur Dezembersitzung des Bauausschusses präsentierte Friedrich Karl Kümmel (FBO) einen Fragenkatalog. Dazu meldete Uwe Rädisch „Bedenken“ der CDU wegen der öffentlichen Zugänglichkeit an. Aber zu beschließen gab es da nichts.

Im Februar wurde dem Bauausschuss die endgültige Planung vorgestellt – einstimmig angenommen. Von der FBO kam die Frage, ob ein Zaun nachgerüstet werden könne, das wurde vom Planer bejaht. Das war’s.

Aber die Wählergemeinschaft ließ keine Ruhe. Friedrich Karl Kümmel kam im August mit einem Dringlichkeitsantrag. Der wurde von der CDU unterstützt, verfehlte aber trotzdem die nötige Mehrheit. Im September kam das Thema abermals, diesmal regulär, auf die Tagesordnung. Und es fand sich eine Mehrheit für die Einzäunung.

Aber auch das war noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wie zu erwarten war, kam die SPD jetzt in der Stadtverordnetenversammlung mit dem Antrag, die angesetzten 40 000 Euro für den Fußballkäfig aus dem Nachtragshaushalt zu streichen. „Dass die einstimmige Vereinbarung gebrochen wurde, ist nicht fair“, argumentierte Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann: „Einmal gefasste Beschlüsse müssen akzeptiert werden.“ Hendrik Holtz von den Linken gab zu bedenken: „Es geht um Werte, so ein Kunstrasen ist schnell kaputt gemacht.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Horst Möller zeigte sich verwundert, die Worte „fair“ und „an Beschlüsse halten“ von der SPD zu hören. Vor fünf Jahren sei der Wanderweg vom Westen nach Wolkenwehe von der SPD rückgängig gemacht worden, ganz zu schweigen vom Steinfelder Redder. „Da waren die ersten Grundstücke schon verkauft“, erinnerte Möller, trotzdem habe die SPD das komplette Baugebiet rückabgewickelt. Seine Fraktion sei immer für einen Zaun um den Fußballplatz gewesen. Möller: „Wir hatten aber keine Mehrheit. Um ihn nicht den Bach runter gehen zu lassen, haben wir mitgestimmt.“

„Vereinbarungen muss man einhalten“, fand auch Wolfgang Schmidt (FBO): „Ich wünschte, wir würden so arbeiten.“ In der Sache machte er deutlich, dass es bei einem Fußballplatz um ein niedrigschwelliges Angebot gehe. Mit Zaun sei der Exer das nicht mehr. „Man kann da heute nicht so einfach eine forensische Sicherheitsanlage draus machen“, so Schmidt

Für die Grünen warnte Wilfried Janson davor, Vandalismus zu unterstellen. „Auch städtebaulich passt da kein Zaun hin“, lautete sein weiteres Argument.

Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken wurde der Zaun abgelehnt, der Nachtragshaushalt entsprechend gekürzt. CDU und FBO stimmten (bei Enthaltung von Wolfgang Schmidt) dafür. Hoffentlich war es das jetzt mit der Exer-Arie für zumindest ein Jahr.

Andreas Olbertz