Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

18Jun

Lübecker Nachrichten vom 18. Juni 2014

Zwischen Bistrostühlen zum Beste-Wanderweg? Gastronom fürchtet um die Ruhe seiner Gäste. Auch Passanten kritisieren das Projekt als überflüssig und nicht barrierefrei.

Gertrud Frost (71)

Elias Nael auf der kleinen Terrasse, über die der Beste-Wanderweg verlaufen könnte, sollte sich die Politik dafür entscheiden. Fotos: dvd

Domenika Stachyra (32)

Gertrud Frost (71): Warum nicht? Das wäre eine schöne Ergänzung. Den Kurpark gibt’s zwar auch. Da traue ich mich aber allein nicht durch.

Emilia Malz (16)

Domenika Stachyra (32) und Emilia Malz (16): Wir würden es begrüßen. Dann gäbe es mehr Möglichkeiten in Bad Oldesloe, sich zu entspannen.

Elke Tausendschön (56)

Elke Tausendschön (56): Für Gebehinderte und Rolli-Fahrer wäre das nichts. Wenn etwas Neues, dann sollte jeder davon profitieren können.

Holger Benz (65)

Holger Benz (65): Wir haben genug Wanderwege an Flüssen in Bad Oldesloe. Man sollte lieber Geld aufwenden, um die bestehenden besser zu pflegen.

Tobias Hartwig (24)

Tobias Hartwig (24): Der Weg würde bessere Verbindungen in Richtung

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe - Mit ausgebreiteten Armen zeigt Elias Nael (44), wieweit der Streifen geht, auf den er Tische und Stühle stellen darf. Der Inhaber des Imbisses an der Besttorstraße in Bad Oldesloe darf dafür zwei Meter neben dem Brückengeländer zur Beste nutzen, den angrenzenden, genauso breiten Streifen, der unmittelbar an seinem Geschäft vorbeiläuft, nicht.

Dieser gehört nämlich zum öffentlichen Straßenland. Die Stadt hat das schmale Grundstück erworben, um ein Projekt des Sanierungsvorhabens Stadtumbau West verwirklichen zu können. Die Terrasse liegt auf der Route eines neuen Wanderwegs, der an der Beste erschlossen werden soll, um die Lücke zwischen dem an der Kurparkallee endenden Weg und dem Historischen Friedhof zu schließen.

Glücklich ist Elias nicht über das neue Vorhaben. "Wenn hier Gäste sitzen und dann laufen hinter ihnen ständig Leute, fühlen sie sich gestört", sagt er. Denn wer sich dort in der Pause zum Essen niederlasse, wolle seine Ruhe haben. Ein wenig verschnupft ist der Gastronom über dies, dass mit ihm noch niemand darüber geredet hat, was mit der Terrasse geschehen soll.

Passanten, die die LN zum Beste-Wanderweg befragten, waren geteilter Meinung. Spontan äußerten einige, dass es der Kreisstadt gut zu Gesicht stehen würde, wenn sie neue Attraktionen schaffe. Wanderwege seien ein gutes Mittel, um eine Stadt lebenswerter zu gestalten, sagten sie.

Kritisch betrachtet hingegen Elke Tausendschön das Projekt. "Ich arbeite viel mit Behinderten", erzählte sie. In Bad Oldesloe gebe es viele Menschen, die mit dem Rollator unterwegs seien oder mit dem Rollstuhl. Für sie sei es völlig ausgeschlossen, diesen Wanderweg zu nutzen. Die Pfade am Wasser seien zu schmal und deshalb zu gefährlich für Gehbehinderte. Darüber hinaus müssten Treppen gebaut werden, um das Gefälle hinter der Terrasse des Imbisses sowie die anschließende Steigung in Richtung Historischer Friedhof überwinden zu können. Sie stellten erst recht ein unüberwindliches Hindernis dar für Rollifahrer und Menschen, die schlecht zu Fuß seien. "Ich finde, wenn man schon eine Verbesserung einführen will in Bad Oldesloe, dann sollten alle etwas davonhaben", sagte Elke Tausendschön.

Mit Skepsis begegnet auch Holger Benz dem Konzept. Er ist der Auffassung, dass es in der Kreisstadt schon genug Wanderwege gibt, die am Wasser entlang führen. "Wenn man sich hier auskennt, kann man ständig an Flüssen spazieren", sagt er. Insofern sei es richtig, wenigstens einige Uferstreifen unberührt zu lassen. Wenn die Stadt schon Geld ausgebe, dann sollte sie es dazu verwenden, die bestehenden Wege in einem guten Zustand zu erhalten. Ein Bargteheider, der gestern Bad Oldesloe besuchte, merkte zudem an, dass Rad- und Wanderwege in der Stadt nicht ausreichend beschildert seien. Er selbst habe sich im Kurpark verirrt auf der Suche nach einem Weg Richtung Trittau.

In den Ausschüssen für Umwelt sowie Bau- und Planung wurde der Beste-Weg bereits diskutiert. Während CDU und Freie Wähler für Bad Oldesloe ihn befürworten, sind Grüne und SPD aus Gründen des Naturschutzes dagegen. In Frage stand bislang, ob die Stadt Fördermittel zurückgeben muss, wenn das Projekt nicht verwirklicht wird. Bürgermeister Tassilo von Bary beantwortete dies gestern positiv. "Es handelt sich aber nicht um Unsummen", sagte er. Nur das Geld für die Grundstücke müsse wieder zurückgezahlt werden. Für Planungen sei noch kein Geld ausgegeben worden.