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Pressespiegel

07Jun

Lübecker Nachrichten vom 7. Juni 2014

Krähen lassen sich kaum vertreiben. Umweltausschuss stimmte gegen weitere Vergrämungsaktionen im Oldesloer Lindenkamp.

Krähenatrappen

Zwiespältig: Einerseits sind Krähen verhasst, andererseits bedient man sich ihrer, um Tauben oder andere Vögel zu vertreiben. Foto: von Dahlen

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe - Sie sind überaus intelligent und gesellig. Doch kaum ein Vogel vermag die Gemüter so aufs Blut zu reizen wie die Saatkrähe. Das Internet ist voll von Anleitungen, wie man die blauschillernden Vögel in die Flucht schlagen könnte. Im bayrischen Kempten wird gar paramilitärisch gegen die Tiere vorgegangen. Drohnen sollen sie aus ihren Nestern vertreiben. Auch in Bad Oldesloe sind schon Vergrämungsversuche gestartet worden. Nach einer Bestandsaufnahme, die im Umweltausschuss vorgestellt wurde, ist die Population im Stadtgebiet inzwischen rückläufig.

Thomas Sobczak, Leiter des Bürgeramts, berichtete, dass sich die Nester inzwischen auf Kur- und Bürgerpark konzentriert hätten und es jetzt nur noch einige Splittersiedlungen wie am Lindenkamp, dem Schanzenbarg oder in der Olivet-Allee gebe. Seit 2010 sei die Zahl der Nester von 584 auf 434 zurückgegangen. Dies sei wohl der Ansiedlung eines Uhus vor einigen Jahren zuzuschreiben. Der Rückgang der Population in jüngster Zeit habe sich aber ohne großartige Einflussnahme so entwickelt.

"Ich kann die Anwohner verstehen. Der Lärm ist wirklich unerträglich", plädierte Michaela Dämmrich (Grüne) dafür, weitere Maßnahmen gegen die Tiere einzuleiten, wie etwa Äste in den Baumkronen zu zersägen. Dem setzte ihr Parteikollege und Ausschussvorsitzender Wilfried Janson entgegen, dass das Verhalten der Tiere nicht kalkulierbar sei, so dass teure Aktionen nichts bewirkten. Entscheidend sei auch das Artenschutzgesetz, das die Jagd auf Krähen verbiete.

Der Nabu-Ortsvorsitzende Klaus Graeber, der als bürgerliches Mitglied der SPD im Ausschuss sitzt, schloss sich dieser Auffassung an. Es sei nicht verwunderlich, dass sich die Krähen in die Städte verzogen hätten, nachdem sie von den Feldern vertrieben wurden. "Sie wurden früher mit Stumpf und Stiel ausgerottet, erschossen oder vergiftet", sagte er. In der Stadt sei es aber unmöglich zu steuern, wo sie sich niederlassen. Wenn man sie an einer Stelle vergräme, suchten sie sich woanders ein neues Quartier. Insofern verschiebe sich das Problem nur.

Hans Jochim Stolten (CDU) erzählte unterdessen, wie in den 1920er Jahren mit Krähen umgegangen wurde. "Da hat man einen Teil der Jungen geschossen und als Delikatesse in Wildgeschäften verkauft", sagte er. Das wiederum veranlasste Graeber dazu, die positiven Seiten der Krähen herauszustellen. Sie hätten früher als natürliche Schädlingsbekämpfer fungiert, während man heutzutage Gift dagegen einsetze, sagte er.

Rosemarie Behrend und Carsten Stock (beide SPD) plädierten dafür, auf weitere Aktionen gegen Krähen zu verzichten. Wenn man die Tiere nur von A nach B vertreibe, habe das alles keinen Sinn, meinte Stock. Die Tatsache, dass die Zahl der Nester rückläufig sei, zeige auch, dass die Natur den Bestand selbst reguliere.

Dieser Empfehlung folgten die Ausschussmitglieder mehrheitlich. Den Vorschlag der Verwaltung, im Lindenkamp zehn Bäume besteigen zu lassen, um die darin sitzenden Nester auszustoßen und die Astgabeln abzusägen, lehnte das Gremium demnach ab. Diese Vergrämungsaktion hätte 2000 Euro gekostet.